Vorschlag einer marktwirtschaftlichen Lohnpolitik bei Produktivitätssteigerungen

Es heißt Deutshland habe zu viel gespart und durch Abwertung im Rahmen zurückhaltender Lohnpolitik zu große Leistungsbilanzdefizite aufgebaut, die diese Krise mitverursacht hätten. Die Lösung sei, dass die Löhne wieder der Produktivität folgen, forderte EU-Sozialkommissar Andor.1 Mindestlöhne seien daher „unabdingbar.“2

Mal abgesehen davon, dass in Wahrheit der durch den Euro verursachte Kapitalabfluss aus Deutschland, die Niedrigzinspolitik und die keynesianisch-expansive Lohnpolitik des Südens die Ungleichgewichte erschaffen bzw. verstärkt hat, müssen wir in der Tat einen anderen Weg der Lohnpolitik gehen. Den der Sozialen Marktwirtschaft:

  • Woher kommt die Steigerung? Aus der Mehrung des Kapitals. Insofern besteht – wie von Mises3 analysiert kein Widerspruch zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
  • Man sollte die Inflation ausgleichen und den Rest in Preissenkungen oder Kapitalsteigerung geben. Denn technischer Fortschritt heißt mehr Wertschöpfung bei gleicher Leistung. Statt 10 Produkte in 1h, 15 Produkte in 1h. Die Preissenkung hat Vorteile: (a) Die gesamte Gesellschaft, nicht bloß die Arbeitnehmer profitieren. Daher Wohlstand für alle.n(b) das Unternehmen wird billiger und kann mehr Marktanteile gewinnen, was die anderen Firma zu einer gleichen Politik zwing, (c) Die offiziell gemessene Inflation wird gesenkt, weil die fallenden Preise den Durchschnitt senken. Insofern kann der Inflationsausgleich immer kleiner werden. (d) Wenn man einen Teil in die Mehrung des Kapitals gibt, kann mehr investiert werden, was mehr Produktivitätssteigerung zur Folge hat. (e) Sofern die gesamte Volkswirtschaft eine solche Politik betreiben würde, würde sie durch Abwertung global wettbewerbsfähiger und mehr Kapital anziehen. (f) Wenn die Preise fallen, können die Armen sich mehr leisten. Die Sozialausgaben können sinken
  • Preissenkung bei Steigerung der Produktivität entspricht der Sozialen Marktwirtschaft:
  • W. Röpke. über Produktivitätssteigerungen „nur zum Teil in eine Lohnerhöhung, zum anderen Teile aber in eine Preissenkung und oder in eine Steigerung des Gewinnes des die Produktivitätssteigerung ermöglichenden Kapitals umzusetzen.4
  • L. Erhard die „Erhöhung der wirtschaftlichen Leistungseffizienz ist aber nun keineswegs Selbstzweck. Der Tatbestand der sozialen Marktwirtschaft ist vielmehr nur dann als voll erfüllt anzusehen, wenn entsprechend der wachsenden Produktivität zugleich Preissenkungen wirksam und damit echte Reallohnsteigerungen möglich werden.5
  • L. Erhard „Wirtschaft und wirtschaftlicher Fortschritt kennen kein absolutes Maß. Es ist deshalb auch völlig abwegig, wenn jüngst von sozialistischer Seite gefordert wurde, es müsse jeder Preissteigerung durch eine entsprechende Lohnbewegung begegnet werden, d. h. also Preisbewegungen mit Lohnbewegungen zu verkoppeln. Wir sind umgekehrt der Meinung, daß mit zunehmender Produktivität unserer Wirtschaft auch Preissenkungen mit Lohnerhöhungen parallel gehen können und es sogar m. ü s s e n , um den Tatbestand der sozialen Marktwirtschaft zu erfüllen.6
  • Immer wird auf die großen Gewinne der Unternehmen (vor allem börsennotierter) verwiesen. Die Lösung liegt doch nur darin, die Arbeitnehmer zu Aktionären zu machen. Sparlohn statt Barlohn. Insofern würden die Arbeitnehmer auch von einer Steigerung der Gewinne bei Produktivitätsfortschritt profitieren. Die Frage zwischen Erhöhung des Lohnes oder des Gewinns wäre eine Frage zwischen Steigerung des jetzt verfügbaren Einkommen oder des später verfügbaren Sparbetrags. Die Entscheidung für das Sparen hätte Vorteile (a) die Lohnkosten steigen nicht (b) die Arbeitnehmer haben mehr im Alter (c) es kann investiert werden und gilt als Eigenkapital (besonders wichtig für den eigenskapitalsschwachen Mittelstand) Für Unternehmen hätte es Vorteile Aktien auszuteilen, da die Lohnkosten nicht steigen.
  • Wichtige Voraussetzung für wäre zudem eine Senkung der Grenzsteuersätze, da Lohnerhöhungen sofort vom Fiskus in Anschlag genommen würden. Zudem müssten – wie das Wiesbadener Programm (1997) der FDP es fordert – die Übertragung von Aktien an die Arbeitnehmer steuerfrei sein.

3 L. v. Mises – Bürokratie, S. 118

4 W. Röpke – Jenseits von Angebot und Nachfrage, S.276

5 L. Erhard – Wohlstand für alle, S. 211

6 Parteitag der CDU Goslar 1950

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Wirtschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s