Wir sind nicht eine Kirche – Kommentar zur ökumenischen Debatte und falschen Forderungen

Eine Reihe von Personen des öffentlichen Lebens (u.a. Günter Jauch und Annette Schavan) veröffentlichen in der ZEIT einen Aufruf zur Einheit der Christenheit. Unter dem Titel „Ökumene jetzt. Wir sind eine Kirche“ wurde behauptet es gäbe keine realen Gründe (außer frühere politische) für die Trennung und die Einheit müsse jetzt kommen. Man zitierte den Apostel Paulus mit den Worten: „ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller.“ (Eph. 4:5f.) als Begründung für das Vorhaben. Es war bedauerlich zu sehen, wie die breite Öffentlichkeit aus das Thema sprang und die Einheit forderte, selbst solche Journalisten und Blätter die sonst für ihren Antiklerikalismus bekannt sind und die die „Kommunion“ für ein Kurzwort für Kommunismus halten.

Dem billigem Ökumenismus muss man widersprechen und der katholische Pflicht folgen, die darin besteht „die katholische Lehre offen und ohne Entschuldigungen zu bekennen“1 Auch der jetzige heilige Vater muss uns doch Anlass dafür geben, da er als Präfekt der Glaubenskongregation in Dominus Iesus die „Einzigartigkeit und Heilsuniversalität“ der Katholischen Kirche bekräftigte und sich der Relativierung dieses Wahrheitsanspruches der Kirche entgegenstellte.

Heute noch mehr als vielleicht früher, ist es die Aufgabe diesen Anspruch der Kirche – die eine und einzig wahre Kirche des Heilands zu sein – zu verteidigen und hervorzuheben Das heißt dann auch, klar die Wahrheit zu wiederholen, dass die Protestanten keine Kirche, sondern kirchliche Gemeinschaften und die östliche Orthodoxe Teilkirchen sind. Dass die Katholische Kirche die wahre Kirche ist und die übrigen den entsprechenden Status zu Recht haben, sei am Credo zu erweisen. Dort heißt es: „Ich glaube … an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.“ Was heißt „Einheit“, den sich die Ökumene zum Hauptwert nimmt. Die Kirche ist numerisch eine und nicht hunderte. Christus gründete eine Kirche. Sie ist keine profane Gemeinschaft von Gleichgesinnte wie Parteien oder Vereine, sondern eine übernatürliche Einheit zwischen Christus und den Gläubigen – tot oder lebendig. Was heißt „heilig“? Obwohl die Mitglieder Sünder sind so ist die Kirche doch heilig. Heilig in ihrem Ursprung, nämlich Christus. Heilig in ihren Mitteln, den Sakramenten und heilig in ihrer wahren Lehre. Wie ist die „Katholizität“ zu verstehen? Zuerst einmal nicht im konfessionellen Sinne. Katholisch heißt erst einmal auf griechisch allgemein. Der Kirchenvater Vinzenz von Lerins prägte als Definition den Satz katholisch sei das, was überall (nicht nur in einer Region) von allen (nicht nur eine Splittergruppe) zu jeder Zeit (nicht ein Trend ) geglaubt wurden sei. Was heißt „apostolisch“? Die Kirche ist auf den Aposteln aufgebaut, als den Zeitgenossen Jesu Christi. Sie haben von ihm den Auftrag und die Autorität erhalten die Kirche zu führen.

Erfüllen die Protestanten diese Ansprüche? Zuerst die Einheit. Sind die einig? Das müssen wir verneinen. Viele Protestanten leugnen sogar, dass die Kirche überhaupt eine sei. In reformatorischer Manier sagen sie die Kirche sei unsichtbar und alle Kirchen zusammen bilden dann die Kirche Jesu Christi. Nun ist die Kirche tatsächlich unsichtbar, aber doch findet sie ihren sichtbaren Ausdruck. Aber sie ist immer numerisch eine und kein loser Verein von Gruppen. Nehmen wir einen politischen Vergleich: in der Zeit der deutschen Teilung gab es die eine deutsche Nation die ganz Deutschland umfasste, aber zwei deutsche Staaten. So könnte man die protestantische Idee darlegen. Nun ist es aber so, dass die BRD immer betonte sie sei der einzige deutsche Staat und die DDR illegal. Ebenso verhält es sich bei der Einheit der Kirche. Sie ist numerisch und organisatorisch immer eine gewesen. Die Position ihre Einheit zu „vergeistigen“ ist wie jener die meinen die staatliche Einheit Deutschlands sei überflüssig.

Erfüllen die protestantischen Christen denn das Merkmal der Heiligkeit? Nun gibt es natürlich unter ihnen viele vorbildliche Christen, aber ihre Kirche ist nicht heilig. Denn sie haben nicht die Fülle der Sakramente. Sie erkennen nur zwei an (Taufe und Abendmahl), oder – z.B. die Mennoniten – leugnen generell die Wirkung und Existenz von Sakramenten. Ebenso haben sie kein Priestertum, das Christus zur Spendung der Sakramente einführte. Die Protestanten müssen also folglich zugeben, dass sie dieses Merkmal nicht erfüllen. Ebenso wenig die Katholizität. Die Großkirchen – Lutheraner, Reformierte und Anglikaner – waren (bzw. sind) Nationalkirchen, aber eine allgemeine Kirche kann niemals eine bloße Nationalkirche sein. Auch chronologisch gibt es die Katholizität nicht, denn es ist ja protestantischer Glaube, dass die sichtbare Kirche abgefallen sei. Es ist ein Bruch da und insofern kann nicht mehr von Allgemeinheit gesprochen werden.

Die Apostolizität ist bei den Protestanten überhaupt nicht gegeben. Sie ein sakramentales Priestertum ab und messen auch der Tradition und Überlieferung der Apostel kein Gewicht zu. Tradition sei kein Maß für die Lehre.

Daraus können wir also folgern, dass die Protestanten weder einig, heilig, katholisch oder apostolisch sind. Sie erfüllen nicht die Kriterien die für die Anerkennung als Kirche notwendig wären. Das gleiche folgert Dominus Iesus und führt aus, dass „die kirchlichen Gemeinschaften hingegen, die den gültigen Episkopat und die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben, sind nicht Kirchen im eigentlichen Sinn.“

Wie verhält es sich mit den Orthodoxen? Erfüllen sie die vier Merkmale? Kann man sie als Kirche anerkennen? Nehmen wir uns wieder die vier Merkmale vor: Einheit. Die Orthodoxen sind tatsächlich einig. Sie verfügen auch über das Bischoftsamt, dass der Kirchenvater Cyprian als Symbol der Einheit betrachtete, dass sich auf die Apostel und damit auf Christus zurückzuführen kann. Die orthodoxe Kirche ist heilig: sie hat sieben Sakramente, Stiftung der Kirche durch heilige Zeitgenossen Christi (Markus für die Kopten, Andreas für Konstantinopel, Petrus für Antiochien). Aber was ist mit der Katholizität? Hier wird es kritisch, denn die Orthodoxen sind eine Union von Nationalkirchen: Russen, Serben, Griechen usw. Es handelt sich daher nicht um eine Weltkirche, sondern um einen losen – sich zwar im Patriarchen von Konstantinopel verwirklichenden – Bund von Volks- und Nationalkirchen. Ebenso die Soziallehre der Orthodoxen Kirche ist ein Manko. Denn sie lehrt Kirche und Kaiser sollen gleichberechtigt und in Einheit im Staat bestehen. Dabei hat doch die Kirche auf ihren Vorrang gepocht, freilich unter Wahrung des Gehorsams. Sagt doch schon Petrus, man muss Gott mehr gehorchen als dem Staat. Die Katholizität kann daher nicht als erfüllt betrachtet werden. Was ist mit der Apostolizität? Die orthodoxen Bischöfe sind in apostolischer Sukzession geweiht, d.h. ihre Vor-Vor-Vorgänger waren Apostel, und die Kirche erkennt die Autorität der apostolischen Tradition und der Kirchenväter an. Aber bestimmte Lehren sind nicht als apostolisch zu kennzeichnen (z.B. Ablehnung des Filioque2 und des Papsttums), auf die wir hier nicht ausdrücklich eingehen wollen. Daher können wir feststellen, dass die Orthodoxen nur als Teilkirchen anzuerkennen sind.

Was ist nun mit der Katholischen Kirche? Sie ist einig, durch ihre Ämter, ihre gleichen Sakramente und ihren sichtbaren Ausdruck als eine Kirche. Ebenso ist sie heilig, denn sie hat sieben Sakramente, das sakramentale Priestertum und heilige Stifter, nämlich den Herrn selbst und für die römische Kirche die Apostel Petrus und Paulus. Ebenso ist sie katholisch, denn sie ist eine Weltkirche und keine nationale. In ihrer Geschichte ist kein Bruch mit den Aposteln, insofern ist ihr Glaube in Katholizität der gleiche. Ebenso ist sie apostolisch, da ihre Bischöfe – allen voran der Papst – in apostolischer Sukzession geweiht sind und sie die Tradition der Apostel anerkennen. Darüberhianus bekennen sie sich zu apostolischen Lehren, die die anderen Kirchen nicht haben (z.B. das Papsttum3). Da allein die Katholische Kirche die vier Merkmale des ökumenischen Credos erfüllt, ist sie für die eine wahre Kirche zu halten, von der Paulus spricht und zur der sich der Christ bekennt.

 

Hier sei noch ein weiteres Argument ausgeführt, dass vor allem der Sl. Kardinal Newman entfaltete, und sehr wesentlich war, bei der Frage ob Rom im Recht sei. In seinem berühmten Werk „Apologia pro vita sua“ schreibt Newman, dass es „kein Mittelding zwischen Atheismus und Katholizismus gebe.“ (S. 219) Dies mag aus den ersten Blick hart klingen, ist aber bei genauerer Betrachtung richtig und logisch. Denn Christus hat der Kirche verheißen (Mt.16:18) die werde niemals untergehen. Sofern aber der Protestant Recht hat und die Kirche abgefallen ist, so hat der Herr gelogen und auf einen Lügner zu bauen, wäre kein Fundament. Wir bauen jedoch auf einem guten Fundament, nämlich der Kirche, die „die die Säule und Fundament der Wahrheit ist.“ (1.Tim.3:15) Weil die Kirche Fundament der Wahrheit ist, kann auch Augustinus sagen: „Securus judicat orbit terrarum“ (Mit Gewissheit urteilt der Erdkreis)

Wäre die Kirche nicht Fundament der Wahrheit, so hätte sie auch nicht die Schriften der heiligen Schrift aussuchen können. Die Protestanten vor allem vergessen stets, dass die Kirche vor der Bibel vor und sie gemacht hat und heute noch bewahrt und hütet. Die Bibel kann nicht von der einen Kirche getrennt werden.

Darum ist der Protestant gezwungen Angesichts des Wandels der Zeit entweder Modernist zu werden (wie z.B. die EKD) und alle Glaubensinhalte zu leugnen, z.B. Gottheit Christi, Jungfrauengeburt, oder aber er wird Fundamentalist, wie die Westboro Bapist Church und muss die Bibel wörtlich nehmen. Weil der Protestantismus die Entfaltung der Lehre, also das immer tiefere Verstehen des Evangeliums in Laufe der Zeit gemäß Gottes Pädagogik, nicht halt und auch kein Lehramt, dass darüber urteilt, steht er vor dieser Wahl. Da ich als Christ beides nicht wollte, blieb nur der Katholizismus als Alternative. Rom oder Atheismus, denn sowohl ein modernistisches wie ein fundamentalistisches Christentum entsprachen nicht der Wahrheit.

 

Wer also meint die Trennung habe keine Basis ist im Unrecht. Wir sind zu Recht getrennt, nicht nur wegen Einzelfragen (z.B. Maria oder Frauenordination usw.) sondern auf Grund fundamentaler Unterschiede in unseren Prinzipien. Auch wenn in Deutschland Liberale und Sozialisten sich einig sind, in der Ablehnung des Betreuungsgeldes, so unterschiedlich sind die Grundsätze, die die Einheit unmöglichen machen.

Wenn die Katholische Kirche dem Aufruf Folge leisten würde, dann müsste sie ihren Anspruch die wahre Kirche zu sein aufgeben. Das hätte aber die oben genannten Folgen zur Konsequenz. Das gesamte Gebäude des Katholizismus wurde einstürzten und mit ihm das Evangelium.

Alles Gerede die Einheit müsse man voran bringen, vor allem da Zahl und Einfluss der Christen geringer werden, muss der Katholik zurückweisen. Besser in Wahrheit getrennt, als in Lüge vereint. Der Katholik kann nicht einer Einheit zustimmen ohne den Papst als Haupt. Denn dann würde er den Grundprinzip aufgeben, dass Christus seine Kirche heute noch leitet und der Heilige Geist durch das Lehramt spricht.

Daher müssen wir folgern, dass wir nicht eine Kirche sind und nicht einen Glauben. Einheit ist unmöglich, wenn die Katholische ihre Ansprüche aufgeben soll. Mit ihr steht und fällt das gesamte Christentum für den Katholiken, da ja schon Augustinus sagte er würde selbst dem Evangelium nicht glauben, wenn ihm die Autorität der Katholischen Kirche dies nicht gebiete.

Schließen wir mit einem Zitat von Newman, aus dem bekannten Werk:

Und ich bete für sie alle4 von ganzem Herzen und hoffe wider alle Hoffnung, daß wir alle, die wir vor Zeiten so eng verwachsen und in unserer Eintracht so glücklich waren, zuletzt durch Gottes allmächtigen Willen in der einen Herde und unter dem einen Hirten wieder vereint werden.“

 

 

1Leo XIII. – Sapientiae christianae

2Ein Beispiel: „ Der dritte ist nämlich der Geist von Vater und Sohn“ Tertullian, Gegen Praxeas 8 und „ Denn der Geist Gottes ist der Geist des Vaters und Geist des Sohnes … aus dem Vater und dem Sohn hervorgehend.“ Epiphanius v. Salamis – Der Festgeankerte Brief 8

3z.B. „Mit der römischen Kirche nämlich muß wegen ihres besonderen Vorranges jede Kirche übereinstimmen, d. h. die Gläubigen von allerwärts, denn in ihr ist immer die apostolische Tradition bewahrt von denen, die von allen Seiten kommen.“ – Irenäus, Gegen die Häresien 3,3,2

4Seine protestantischen Freunde

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Religion veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s