Die Reform des Sozialismus ist der Kapitalismus

Wenn man über den Osten und „real existierenden Sozialismus“ spricht, sind sich alle einig, dass der Bolschewismus nicht als Modell war, ausgenommen einiger Splittergruppen wie DKP oder MLPD. Sogar die Linke – als Ex-SED – gesteht ein, dass die DDR Fehler hatte, auch wenn sie „ein legitimer Versuch“ war.

Bereits vor dem Fall der Mauer, der Einheit und der Ende des sowjetischen Imperiums gab es nicht nur konservativ oder liberale Kritik am Bolschewismus, sondern auch linke. Besonders die Linken kritisierten, dass der Bolschewismus nicht das sei was sie sich vorgestellt hatten. Der Arbeiter- und Bauernstaat war nicht das himmlische Paradies von Freiheit und Gerechtigkeit. Im Sowjetreich zählten nicht die oft gepriesenen linken Werte wie Gleichheit, Basis, Individualität und Selbstverwirklichung traten zu Gunsten von Hierarchie, Befehl, Gehorsam und Bürokratie zurück. Hatte Lenin vor der Revolution noch die Zerschlagung der Bürokratie gefordert, so musste er nach der Revolution eingestehen, dass die UdSSR in einem Meer von totem Papier versinke und der bürokratische Sumpf die Sowjets aussauge. Auch diejenigen westlichen Intellektuellen die den Sowjetismus als Modell der Zukunft gefeiert hatten, mussten sein Versagen anerkennen.

Die Linke reagierte darauf mit der Konstruktion neuer Ideen – wie dem Eurokommunismus und dem Jugoslawischen Modell – und meinten die Sowjetunion sei nicht kommunistisch bzw. sozialistisch gewesen. Man wollte den Sowjetkommunismus demokratisch, freiheitlich und dem linken Traum gemäß reformieren. Der autoritäre Sozialismus sollte dem freiheitlichen weichen. Das sei das Ziel bei einem zweiten Anlauf zum Kommunismus. Die Linkspartei propagierte ja diese Idee: Schwächen und Stärken des real existierenden Sozialismus heraus finden und dann es besser machen.

Die gesamte linke Szene versteht eins jedoch nicht: die Reform des Sozialismus ist der Kapitalismus. Der Versuch aus dem Sozialismus eine freiheitliche Idee zu machen, die Selbstverwirklichung, Initiative von unten und Gleichberechtigung achtet, muss immer in der Marktwirtschaft enden. Denn es ist die Organisationsweise des Staates, die Bürokratie, die dies unmöglich macht. Der Sozialismus muss Güter zuteilen, weil Tausch unmöglich ist. Verteiler und Empfänger, können niemals auf der gleichen Stufe stehen, es kommt zu Hierarchie und Befehl. Das Ziel Lenins muss sich selbst abschaffen und scheitern. Je mehr die Reformer sich also ihrem „Reformsozialismus“ annähern, desto kapitalistischer werden sie ohne es zu merken.

Ihr Ziel die Gleichberechtigung ist nur möglich im Tausch des Kapitalismus. Denn im Tausch sind die Partner gleich. Kooperation und nicht Befehl ist die Basis dieser Handlung. Die Initiative geht vom Einzelnen, also der Basis, aus. Es braucht nicht den Befehl der Bürokraten, sondern jeder ist selbstverantwortlich – sein Ziel ist nicht der Gehorsam, sondern das Erreichen eigen gesetzter Ziele, also die Selbstverwirklichung. Es folgt seinen subjektiven Präferenzen, nicht den Vorgaben der Planer. So sehr es orthodoxe Marxisten, wie Reformsozialisten auch abstreiten mögen: das Organisationssystem des Staates und des Planes ist die Bürokratie, die unvereinbar ist mit Freiheit, Selbstverwirklichung und Basisinitiative. Der langsam arbeitende Staat ist statisch und „reaktionär“, der Markt ist „eine »linke« Einrichtung.“1

Die Linke verspricht Gleichberechtigung, Herrschaftslosigkeit und Selbstmotivation. Ihr sind Befehl, Gehorsam und Bürokratie verhasst. Gleichzeitig tritt sie für das System ein, dass diese Komponenten enthält. Sie tritt für ihre Feinde ein und bekämpft ihren besten Freund: den Markt. Würden die Linken das begreifen, würden sie auf ihre Plakate nicht schreiben „Umfairteilen“, sondern „Mehr Markt.“ Leider meinen die Linken noch ihre Ideale könnten im Etatismus verwirklicht werden, wenn man nur reformiere oder demokratisiere. Daher hat Ludwig von Mises Recht, wenn er  meint, dass „die falschen Schlagworte und irreführenden Lehren der Verteidiger von Staatszugriffen, Sozialismus, Kommunismus, staatlicher Planung und Totalitarismus […] durch national-ökonomische Überlegungen entlarvt werden“ können.2 Würden die Linken dem Rat von Mises folgen, würden sie Hayek zustimmen,wenn er sagt: „Sozialismus und Freiheit schließen einander definitionsgemäß aus.“ Sie würden erkennen, dass ihre Reformversuche im Kapitalismus enden und enden müssen, wenn sie ihren Werten treu bleiben wollen.Daher ist die Reform des Sozialismus der Kapitalismus. Reformsozialismen sind kapitalistisch, wenn sie einhalten was sie versprechen: Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichberechtigung und Basisinitiative.

1W. Engels – Mehr Markt. Soziale Marktwirtschaft als politische Ökonomie,S. 19

2L. von Mises – Bürokratie, S. 116

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