Türkei in die EU?

2014 erinnern wir uns an 100 Jahre Erster Weltkrieg, 2017 „feiern“1 wir das 500 Jahr Jubiläum der Reformation und 2023 wird die türkische Republik 100 Jahre. Zu diesem historischen Datum will man nicht nur einen Bosperus Kanal bauen, sondern die Befürworter möchten auch endlich in die Europäische Union. Nun könnte man sich fragen welcher freie Staat in die EU will, aber die Frage berühmt doch einen immer wieder: Soll die Türkei in die EU?

Bedauerlicherweise ist die Frage zur Glaubensfrage geworden – kann ein muslimisches Land in die EU? (= Christliche Identität Europas?) Was ist mit den EU- Hilfen (= Umverteilungsmechanismen in der EU) usw. Darüber hinaus werden oft Demokratie, Menschenrechte und andere Reformen von der Türkei verlangt, damit sie der EU beitreten kann.

Ich empfinde diese Frage immer als eine sehr merkwürdige, denn seit wann sind Menschenrechte, Marktwirtschaft und Demokratie alleiniges Kriterium für eine EU-Mitgliedschaft? Und da kommen wir an den Kern der Sache: die Türkei ist kein europäisches Land, sondern ein asiatisches. Daher kann sie niemals – unabhängig von ihrem politischen System – Mitglied werden. Das hat nichts mit einer Geringschätzung dieses Staates zu tun. Eine Partnerschaft besteht ja heute schon. Nur ist die EU – als eine per Definitionem geographisch begrenzte Vereinigung – kein Rahmen für die Türkei.

Nun wird oft selbst dieses Faktum in Abrede gestellt, indem man auf den europäischen Teil der Türkei und die osmanische Präsenz auf dem Balkan verweist. Wenn man dieses Argument zu Ende denkt, kommt man zu einem erstaunlichen Schluss: wenn das kleine Landstück ausreicht um eine Mitgliedschaft in der Türkei zu rechtfertigen, warum darf dann Spanien – das über die Städte Ceuta und Melilla über einen Anteil an Afrika verfügt – nicht Mitglied der Afrikanischen Union sein? Diese Gedanke wird noch dadurch verstärkt, dass Spanien viele Jahre Kontrolle über Teile Afrikas (z.B. Spanisch-Marokko) verfügt. Wenn wir also meinen die beiden Faktoren – historische Besetzung und kleiner Anteil am Kontinent – würden eine „europäische Identität der Türkei“ rechtfertigen, müssen wir auch das Recht Spaniens zum Beitritt anerkennen.Ja, wenn wir noch etwas weiter gehen müssten wir auch Kanada einladen der EU beizutreten, schließlich sind viele Kanadier ursprünglich Europäer.

Als Fazit müssen daher ziehen, dass das erste und wichtigste Kriterium für eine Mitgliedschaft in der EU die europäische Identität ist und als zweite das entsprechende politische System. Es ist bedauerlich, dass eine solche Selbstverständlichkeit diskutiert werden muss.

 

1 Die Anführungszeichen sein mir als Katholik erlaubt

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