Darstellung und Kritik des Marxismus

November 2011

How do you tell a Communist? Well, it’s someone who reads Marx and Lenin. And how do you tell an anti-Communist? It’s someone who understands Marx and Lenin.“

(Ronald Reagan)

Der zentrale Inhalt der marxistischen Lehre ist ein „gesellschaftlicher Evolutionsmus“. Die Evolutionslehre, die gerade entstand, als Marx und Engels in London im Exil waren, stellte eine gute Bestätigung ihrer Lehre vom dialektischen Materialismus dar. Diese Ideologie, die davon ausgeht, dass es nur Materie gibt, besagt, dass die Realität aus Widersprüchen besteht, die zwangsläufig Veränderungen hervorrufen.

In den Worten der Evolution: die Lebewesen kämpfen um das Überleben und im Kampf kommt es zu Fortschritten. Laut Marx und Engels unterlägen auch die menschlichen Gesellschaften diesem Prinzip. Diese Ansicht zeigt sich im ersten Kapitel des Kommunistischen Manifestes:

Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen. Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeigener, Zunftbürger und Gesell, kurz, Unterdrücker und Unterdrückte standen in stetem Gegensatz zueinander, führten einen ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen.“

Das zentrale Prinzip ist der Klassenkampf, so wie in der Evolution der Kampf ums Dasein und im Nationalsozialismus der Rassenkampf. Der Klassenkampf, so Marx und Engels, führte zu einer Entwicklung der Gesellschaft. Und zwar zu einer zwangsläufigen, quasi deterministischen, Höherentwicklung: von Jäger und Sammler Gesellschaften zu den griechischen Polis von dort zum mittelalterlichen Feudalismus und schließlich zum Kapitalismus, der sich durch die Herrschaft des Bürgertums (der Bourgeoise) auszeichne und dessen integraler Bestandteil der „Mehrwert“ sei, der laut Marx eine Ausbeutung darstellte. Der Mehrwert bedeutet, dass ein Unternehmer einen Arbeiter angestellt (der über kein Eigentum verfügt und daher seine Arbeitskraft anbieten muss) und ihm für die Herstellung eines Produktes Geld gebe. Aber gleichzeitig verkauft der Unternehmer das Produkt zu einem höheren Preis, als der Lohn. Diese Differenz, der Mehrwert, sei Ausbeutung.

In dieser falschen1 Theorie spiegelt sich gleichzeitig die Ablehnung der Arbeitsteilung im Marxismus wieder. Marx war der Auffassung, die Arbeitsteilung entfremde den Menschen vom Produkt. Er verschloss jedoch die Augen davor, dass Arbeitsteilung einerseits ein natürlicher Prozess ist und aus der Freiheit resultiert2, sowie zweitens dies eigentlich nur für Industriearbeiter gilt, die täglich die immer gleiche Tätigkeit ausführen. Wo Ärzte, Lehrer, Handwerker u.ä. entfremdet werden bleibt Marx uns schuldig.

Aber wenden wir uns nun wieder dem Klassenkampf zu. Laut den Duo Marx und Engels werden die Proletarier irgendwann die Revolution beginnen, weil sie immer weiter verarmen, weil die „Kapitalisten“ ihre Profite immer weiter erhöhen.3 Dies ende darin, dass die Proletarier ihre Macht erkennen und die Revolution beginnen. Sie werden die „Diktatur des Proletariats“ errichten und die Phase des „Sozialismus“ einläuten. In diesem Zustand wird die bürgerliche Gesellschaft grundsätzlich umgewandelt.

So werde der Marxismus ewige[n] Wahrheiten ab[schaffen], er schafft die Religion ab, die Moral, statt sie neu zu gestalten, er widerspricht also allen bisherigen geschichtlichen Entwicklungen.“ (Kommunistisches Manifest)

Die christliche Ethik diene angeblich nur dem Bürgertum und verhindere die Revolution. In der materialistischen Ansicht ist kein Platz für Gott oder ein Naturrecht. Sie sind nur Erfindungen einer, sich im Klassenkampf befindlichen, Gesellschaft. Dies zeigt sich in dem Satz von Marx: „Religion ist das Opium für das Volk.“

Darauf reagierte u.a. Papst Pius XI. in einer Enzyklika „Quadragesmio Anno“ von 1931. Darin verteidigte er die christliche Ansicht vom Naturrecht, allen vor an das Eigentumsrecht, dass er – wie schon die Scholastik und der Liberalismus – mit dem persönlichen Eigentums eines Jedem an seinem Körper rechtfertigte. Jedoch ist der Marxismus solch einer Ethik nicht verpflichtet. Für ihn gilt: Was der Revolution dienlich ist, ist gut.

Der Marxismus macht vor nichts halt. Alles gilt ihm als Relikt des Klassenkampfes. So fordert Marx im Kommunistischen Manifest:

Aufhebung der Familie! Selbst die Radikalsten ereifern sich über diese schändliche Absicht der Kommunisten. Worauf beruht die gegenwärtige, die bürgerliche Familie? Auf dem Kapital, auf dem Privaterwerb. […] Aber, sagt ihr, wir heben die trautesten Verhältnisse auf, indem wir an die Stelle der häuslichen Erziehung die gesellschaftliche setzen.“ (Kommunistisches Manifest)

An der letzten Aussage kann man die zentrale Idee des Marxismus beschreiben. Der Marxismus will nicht geringeres als die Schaffung eines „neuen Menschens.“ Wie schon all die vielen anderen4 erdreistet sich der Marxismus grundsätzlich die menschliche Natur ändern zu wollen. Es ist offensichtlich, dass dieses Unternehmen immer im Gulag endet. Auch Marx hat Gewalt niemals kritisiert, sondern den gewaltsamen Umsturz, im Zeichen der Diktatur des Proletariats, befürwortet und für notwendig gehalten. Für ihn ist gewaltsame Revolution die „Lokomotive der Geschichte“ und die „Geburtshelferin einer neuen Gesellschaft“. Richtig schreibt daher der SPIEGEL-Journalist Jan Fleischhauer:

Dass die Revolution den Terror braucht, hatte schon Marx seinen Anhängern auf den Weg gegeben.“5

Was für die Idee des „neuen Menschens“ gilt, dass gilt auch für die ökonomischen Ideen des Marxismus. Hat nämlich das Proletariat erstmal die Macht errungen, beginnt beginnt mit der Transformation der menschlichen Natur, von der auch die Wirtschaft betroffen ist:

Das Privateigentum ist für Marx, (wie auch für Rousseau, den Jan Fleischhauer treffend als einen Vater der Linken bezeichnete) verwerflich. So will Marx nicht nur eine ohne Gewaltenteilung organisierte, radikaldemokratische Räteordnung, sondern auch die „Vergesellschaftung“ der Produktionsmittel.

Diese Phase, der Sozialismus, sei jedoch nicht die letzte Etappe. Für Marx ist es nur die Vorstufe zum „Kommunismus“ – der Klassenlosigkeit. Der Staat werde überflüssig und der „neue Mensch“ lebe wieder in Freiheit. Hier zeigen sich wieder Anlehnung an Rousseau.

Für den Marxismus gilt der prägende Satz von Friedrich August von Hayek, einem wohl der größten Kritiker des Sozialismus im letzten Jahrhundert:

The curious task of economics is to demonstrate to man how little they really know about what they image they can design.”

Der Marxismus erhebt den Anspruch einer unfehlbaren Wissenschaft und handelt entsprechender mit Arroganz. Sie glaubten nicht nur den Menschen umerziehen zu können, sondern auch die Wirtschaft, in ihrer unglaublichen Komplexität, planen zu können. Es ist Anmaßung von Wissen, den Alltag von Milliarden in Hinsicht auf Konsum und Produktion von Menschen planen zu wollen.

Planwirtschaft und ein totaler Staat führen immer in die Knechtschaft. Es muss in einer überbürokratisierten und unfreien Wirtschaft enden, die letztlich eine Versorgung der Menschen nicht zu Stande bringt und einem Staat, der zur Waffe greifen muss, weil das Volk, das ja laut Marxismus sowieso die Lenkung Partei benötige, Aufstände beginnt, weil es es sich mit ideologischen Phrasen nicht abspeisen lässt.

Die Idee der Wissenschaftlichkeit gepaart mit der Vorstellung der schicksalhaften Notwendigkeit der sozialistischen bzw. kommunistischen Gesellschaft (auf Grund der falschen Annahme Gesellschaften würden, der „Weltformel“ des dialektischen Materialismus folgen) enthalten eine Dynamik, die immer in den Terror führt und immer den Verlust der Menschenrechte zur Folge hat.

Es ist zwar trivial, aber kaum jemand, vergleicht Kommunismus und Nationalsozialismus. Aber allein schon der Name der Nazis sollte uns zum Aufhorchen bringen. Wenn wir uns aber weiter damit beschäftigen, sehen wir schreckliche Parallelen:

  1. Klassenkampf & Rassenkampf

  2. Anspruch als Wissenschaft

  3. Neuer Mensch als Ziel

  4. Ablehnung von Christentum, Naturrechten, Individualismus und Kapitalismus

  5. Ein totaler Staat, der unmittelbar Macht ausübt

  6. Eine verstaatlichte Wirtschaft mit gleichem „Arbeitszwang für alle“6

  7. Ein verstaatlichtes Familien- und Privatleben

  8. Ausrottung des Feindes und Terror als notwendig u.s.w.

Das einzige, was uns darin hindert solche Vergleiche durchzuführen scheint darin zu liegen, dass wir meinen Sozialismus sei eine gute Idee, die nur schlecht umgesetzt sei, während der Faschismus durch und durch böse sei. Wir billigem den Linken die Entschuldigung der guten Absichten zu. So „bewerten 46% der Westdeutschen […] den Sozialismus als prinzipiell positiv.“7

Unwissenheit und gute Absichten der Sozialisten sind der wesentliche Grund dafür, dass Menschen blind in die Diktatur laufen und diese noch rechtfertigen. Beflügelt von guten Absichten und dem Wunsch nach „sozialer Gerechtigkeit“rennt der Idealist in Richtung „klassenlose Gesellschaft“ und alle die ihn kritisieren, sind gegen seine guten Absichten und wollen die Befreiung des Menschen nicht. Sie sehen die hohen Ziele nicht, wollen nicht verstehen, verdrehen den Menschen den Kopf. Wenn man sie doch nur zu ihrem Glück zwingen könnte.

Der wesentliche Fehler im marxistischen Denken liegt im Materialismus. Wir sind nicht allein Materie. „Materie [ist] nicht nur Material für unser Machen.“ 8 Das ist der fatale Irrtum, die Überhöhung des Irdischen.

Dem Materialisten müssen Einrichtungen wie Staat, Klasse, Kultur… wichtiger sein als der einzelne Mensch; denn das Individuum lebt nach seiner Auffassung nur etwa siebzig Jahre, während soziale Gruppierungen Jahrhunderte überdauern können. Dem Christen hingehen ist der einzelne Mensch wichtiger, denn er lebt ewig; Rassen, Zivilisationen und dergleichen sind daneben nur Eintagsfliegen.“

(C.S. Lewis – Gott auf der Anklagebank, 5.Auflage Basel 2009, S.81)

Literatur:

Jan Fleischhauer – Unter Linken. Von einem der aus versehen Konservativ wurde

Milton Friedman – Kapitalismus und Freiheit

Friedrich August von Hayek – Der Weg in die Knechtschaft

Papst Pius XI. – Quadragesimo Anno

C.S. Lewis – Pardon, ich bin Christ (zum Naturrecht)

Friedrich Merz – Mehr Kapitalismus wagen

1A). Der Arbeiter hat kein Eigentum am Produkt. Was der Unternehmer damit tut, geht ihn nichts an. B). Wäre der Mehrwert Ausbeutung, dann wäre der Händler unmoralisch, wenn er beim Großhändler Produkte kauft und sie mit einem Mehrwert weiter verkauft.

2„Erst Arbeitsteilung und Spezialisierung ermöglichen den Übergang von unfreien Lebensverhältnissen zu grundsätzlich freien.“ – Friedrich Merz, Mehr Kapitalismus wagen, Erweiterte Taschenbuchausgabe, München 2010, S.23

3Auch diese Theorie ist falsch, weil die Arbeiter in unseren heutigen, kapitalistischen Gesellschaften nicht ärmer, sondern reicher geworden sind.

4Siehe hierzu: Jan Fleischhauer – Unter Linken, Kapitel 3: Auf dem Weg zum Sonnenstaat – eine kleine Geschichte der Linken

5Jan Fleischhauer – Unter Linken, 2.Auflage, Hamburg 2010, S.87

6Kommunistisches Manifest, vgl. z.B. Reichsarbeitsdienst und das 25-Punkte-Programm der NSDAP

7Friedrich Merz, Mehr Kapitalismus wagen, Erweiterte Taschenbuchausgabe, München 2010, S.54

8Joseph Ratzinger/ Benedikt XVI – Rede im Deutschen Bundestag am 22. September 2011

 

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3 Antworten zu Darstellung und Kritik des Marxismus

  1. Stefan Wehmeier schreibt:

    Warum ist die Ausbeutungstheorie von Karl Marx ebenfalls als “Zinsentschuldigungstheorie” zu bezeichnen? Weil Marx den Zins gar nicht verantwortlich macht, sondern mit einem gigantischen Wortschwall, der an Unwissenschaftlichkeit und inneren Widersprüchen kaum zu überbieten ist, versucht, eine Ausbeutung der Arbeiter durch die Unternehmer aus deren Besitz an den Produktionsmitteln (Sachkapitalien) abzuleiten. Damit stellte Marx für alle, die bereit waren, an diesen Unsinn zu glauben, die Realität auf den Kopf. Die aus seinem grundlegenden Denkfehler abgeleitete Konsequenz, dass die Ausbeutung nur durch Verstaatlichung der Produktionsmittel und Planwirtschaft zu überwinden wäre, hat bis heute mehr Schaden angerichtet, als die Verwüstungen des Nationalsozialismus! Dabei ist letzterer ganz offensichtlich menschenverachtend, während viele Naive noch heute glauben, der marxistische Sozialismus sei eine “Alternative zum Kapitalismus”, wobei sie Marktwirtschaft und Privatkapitalismus verwechseln und nicht wissen, warum der “real existierende Sozialismus” niemals etwas anderes sein kann als Staatskapitalismus, die schlimmste Form der Ausbeutung und das Ende jeder persönlichen Freiheit.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/07/der-zins-mythos-und-wahrheit.html

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