Faschismus als Zweig des Sozialismus

Die Wahrheit benötigt
keine Propaganda;
sie enthält ihre eigene
Ludwig von Mises1

Vorwort

Ob Erika Steinbach oder Götz Aly – die These von einer inneren Verwandtschaft von Nationalsozialismus und Kommunismus löst Furore aus. Als Frau Steinbach auf Twitter die NSDAP als linke Partei bezeichnete regte sich Empörung.

Die taz titelte über die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen: „Steinbach irrlichtet auf Twitter.“2 Der Spiegel schrieb, dass „Kritiker und und Historiker … befremdet“ seien.3 Der im Artikel erwähnte Historiker, Herfried Münnkler, der u.a. an der Herausgabe der Marx-Engels-Gesamtwerk beteiligt ist und Marx als „scharfsinnigen und teilweise brillant formulierenden Denker“4 bezeichnete, gab zwar zu, dass der Nationalsozialismus „linke Elemente“ habe, aber behauptete die Einordnung als links sei „schief“. Im gleichen Artikel hieß es die Nazis hätten kein linkes Element gewollt und der Terminus »sozialistisch« habe damals eine andere Bedeutung gehabt. Die NSDAP, die laut dem Historiker Heinrich August Winkler die „rechteste Partei, die es je gegeben hat“ sei, habe nur aus taktischen Gründen sozialistische Parolen übernommen.
„Natürlich hatte die NSDAP einen ‚deutschen Sozialismus‘ im Programm“ sagte Michael Kohlstruck vom Zentrum für Antisemitismusforschung, „aber keinen internationalistischen, sondern einen, de rauf Exklusion, Verfolgung und Vernichtung basierte.“
Der bereits erwähnte Götz Aly, dessen beide Büchern »Hitlers Volksstaat« (wo er den Nationalsozialismus als wohlfahrtsstaatliche Gefälligkeitsdiktatur auf Kosten der anderen Völker beschreibt) und »Unser Kampf. 1968« (indem er Parallelen zieht zwischen den Studenten von ’33 und ’68) ebenfalls Kritik ernteten, erkennt jedoch Gemeinsamkeiten. So sieht er eine „innere Verwandtschaft von Begriffen wie Arisierung, Polonisierung, Magyarisierung, Nationalisierung oder Sozialisierung.“5 Dabei geht es Aly ausdrücklich nicht um eine „Gleichsetzung von Rot und Braun“.6
Aber worum geht es dann? Es muss schlicht darum gehen die Verwandtschaft beider kollektivistischer Systeme aufzuzeigen. Leider widmen wir uns dem nicht. Die berühmten Sätze von dem Lernen aus der Geschichte und dem Wehren der Anfänge muss ernst genommen werden. Und dazu gehört eben das Erkennen dieser ideologischen Gemeinsamkeit.
Ideologische Brillen verhüllen den Blick auf die Wirklichkeit. Wer glaubt links bzw. sozialistisch sei per Definition immer gut, gerecht und positiv, wird nicht erkennen können, dass diese Ideologie mehr Menschen umgebracht hat, als jedes Regime dieser Erde, einschließlich des Nationalsozialismus. Leider wird dieses Faktum von Linken bereits als »Verharmlosung« interpretiert. Wobei sich zwei Fragen stellen: ist nicht nicht Opfer? Egal ob Jude, Roma oder eben Chinese im Reiche Maos? Und warum ist es illegal den Holocaust zu leugnen, aber nicht die Morde Maos?
Weil der Sozialismus eine gute Idee ist, ist wohl die prägendste Formel. Also gemäß dem Motto: Hitler hat es Böse gemeint, die Kommunisten wollten das Gute. Aber wie heißt es so schön: The road to hell is paved with good intentions.
Bemerkenswert ist, dass das große Teile des Volkes der Phrase folgen Sozialismus sei eine gute Idee, die nur schlecht ausgeführt wurde. Immerhin „bewerten 46% der Westdeutschen […] den Sozialismus als prinzipiell positiv.“7 Hier zeigt sich schon eine statistische Parallele zwischen beiden Ideologien: 1968 waren 50% der Deutschen der Auffassung Nationalsozialismus sei eine gute Idee, die nur schlecht ausgeführt wurde.8 20 Jahre nach dem Faschismus frohlockte man über Autobahnen, Arbeitsplätzen und Familienpolitik. 20 Jahre nach dem Ende der deutschen sozialistischen Heimat loben Ostdeutsche Arbeitsplätze, Frauenemanzipation, mangelnden Neonazismus, Kinderbetreuung. Der Satz es sei doch nicht alles schlecht gewesen im dritten Reich findet seine Parallele in der Phrase in der DDR sei nicht alles schlecht gewesen und sie sei ein »legitimer Versuch«.
Zwar stimmt diese einzige dieser schönen Erinnerung über zwei Unrechtsregime aber so genau will man sich gar nicht erinnern. 1945 wollte man die Lager vergessen, 1990 wollte man die Mauer und die Stasi ins Reich des Nicht-Erinnerns abschieben.
Wir sehen zwischen Marxismus und National-Sozialismus bereits hier eine interessante Konvergenz, die sich in allen Politikfeldern widerspiegelt. Darum wundert es auch nicht, wenn Oskar Lafontaine meint Ausländer nähmen Deutschen die Arbeitsplätze weg und die NPD Mindestlöhne und eine Alternative zum »Neoliberalismus« will. National-Sozialistische Deutsche Arbeiterpartei eben.

Klasse und Rasse – die Bausteine des Kollektivismus oder was ist der Mensch?

Der Duden definiert Kollektivismus als eine „Anschauung, die dem Kollektiv unbedingten Vorrang gegenüber dem Individuum einräumt.“ Alle politischen, gesellschaftlichen, ethischen, ökonomischen – schlicht alle Bereiche jeder kollektivistischen Lehre bauen darauf auf. Bei kein Kollektivist den Satz oben benutzen würde. Er klingt viel zu sehr nach: »Du bist nichts, dein Volk ist alles«. Wobei schon Robert Spaemann über diesen Satz kritisch frage, was man sich denn unter einem Volk lauter Nichtse vorzustellen habe.
Auf jeden Fall braucht jeder Kollektivist ein Kollektiv, dass den Vorrang einfordern kann. Alles kann diesen Vorrang beanspruchen: Völker, Wertegemeinschaften, Geschlechter, Rassen, Überzeugte, Klassen oder Gläubige. Der Kollektivismus ist in der Auswahl seiner Gruppe so vielfältig, wie seine Spielarten.
Sozialismus und Faschismus nehmen sich Klasse und Rasse zu den Objekten ihrer Ideologie. Die Sozialsten haben den Proletarier und als Antithese die Bourgeoisie. Die Nazis nehmen sich den Arier und als Feind die Untermenschen zum Zentrum ihrer Weltanschauung. Interessanterweise ist das Bekenntnis zu der jeweiligen Gruppe niemals rein positiv. Es geht nicht um ein positives Kulturbekenntnis im Sinne von: »Patriotismus ist die Liebe zu den Seinen, Nationalismus Hass auf die anderen.« Das kollektivistische Bekenntnis verlangt die Antithese. Das erkannte Friedrich August von Hayek und schrieb, dass es „fast ein Gesetz der menschlichen Natur zu sein scheint, daß es leichter ist, sich auf ein negatives Programm, den Haß gegen einen Feind oder Neid auf die Bessergestellten, als auch eine positive Aufgabe zu einigen.“9
Aber der Hass auf die anderen muss mit einem Mythos der Unterdrückung gerechtfertigt werden. Die Sozialisten reden von der Massenausbeutung der Arbeiter, ungeachtet der Tatsache, dass der Markt die Arbeiter ungleich reicher gemacht hat. Die Nazis während dessen schmieden den Mythos die weiße Rasse sei unterdrückt. Das Judentum würde, manifestiert im internationalen Finanzkapitalismus, versuchen die Arier auszulöschen. Es geht folglich in beiden Ideologien um eine vermeintlich unterdrückte Mehrheit, gegenüber der kleinen Elite
In dualistischer Manier wird der Kampf zwischen beiden Gruppen zum Weltprinzip erhoben. Laut Marx sei die Geschichte eine „Geschichte von Klassenkämpfen.“10 Das ist die Basis seiner gesamten Ideologie, dem dialektischen Materialismus. Er übernahm die hegelsche Dialektik (These + Antithese = Synthese). Mit dem Kampf der Sklaven gegen ihre Herrn erklärte er die ganze Geschichte. Jeder Fortschritt sei Ursprung des Klassenkampfes, ebenso Religion, Kultur, Theater Musik usw. Darum bleibt Marxismus nicht beim rein politökonomischen stehen; er verlangt die Kulturrevolution.
Marx gab sich der Hybris hin er habe die Weltformel gefunden. Nun habe er die Gesetzmäßigkeiten erkannt; die Geschichte habe eine bestimmte Richtung. Folgerichtig ist der Sozialismus nur eine Frage der Zeit. Die Geschichte ist für Marx weder Willkür, noch Resultat einzelner Handlungen, sondern determiniert. Daher „sei es unmöglich, gegen den Strom des geschichtlichen Fortschritts anzukämpfen.“11 Hier offenbart sich bereits die absolute Wissenschaftsgläubigkeit und die Hybris für alles Gesetze zu finden, die auch für unsere heutige Gesellschaft so bezeichnet ist.
Marx meint nun der Kapitalismus werde untergehen. Was folgt? Zuerst kommt der Sozialismus. Aber er ist nicht das Ende, das Utopia. Er ist nur die Vorbereitung für die Endlösung; er ist nur die Wannsee-Konferenz für den großen Auftakt Namens Kommunismus. Gab es im Sozialismus doch die uneingeschränkte Herrschaft des Proletariats (»Diktatur des Proletariats«12), so folgt im Kommunismus die klassenlose Gesellschaft. Der sozialistische Staat wird abgelöst von der kommunistischen Anarchie. Planwirtschaft und Rätedemokratie verschwinden in dem langsamen Prozess vom Sozialismus hin zum Kommunismus. Denn es gibt keine neue Revolution; der Sozialismus geht langsam, ja sang und klanglos in den Kommunismus über.
Es ist interessant wie stark doch die Stereotypen von Bourgeoisie und Judentum einander ähneln. Beiden wirft man Egoismus, mangelndes Gemeinschaftsgefühl, kapitalistische Gewinnsucht und Verschlagenheit. Zu bemerken ist auch, wie die beiden Ideologien ihre Gegner entmenschlichen. Aus Juden werden – wie schon im Koran – Schweine und Ratten. Über Polizisten sagte Ulrike Meinhof, dass „ist ein Schwein, kein Mensch… Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden, und es ist falsch, überhaupt mit diesen Leuten zu reden. Und natürlich kann geschossen werden.“
Zu bemerken ist auch ihre totale Wissenschaftsgläubigkeit. Sie erkennen nicht die Grenzen der Wissenschaft. Im Gegenteil. Sie dehnen sie radikal aus. Emotion (vor allem Mitleid) sollen durch den Verstand eingeschränkt werden. Auch die Moral wird der rationalistischen Weltanschauung untergeordnet und umgestaltet. Denn schließlich heißt es im kommunistischen Manifest: „Der Kommunismus aber schafft die ewigen Wahrheiten ab, er schafft die Religion ab, die Moral, statt sie neu zu gestalten.“13 Im Sinne ethischer Umgestaltung wird aus dem Mensch Material und vor allem Herdentier. Darin besteht das Wesen des Kollektivismus.
Vor allem die Evolutionslehre spiegelt bei beiden eine Rolle. Wie schon Darwin selbst wird sie nicht als rein naturwissenschaftliche Lehre behandeln, sondern als gesellschaftliche Doktrin. Darwin, George Bernhard Shaw (der auch die Erfindung von humanem Gas forderte), Lord Keynes, Hitler und Marx waren sich einig, dass es eine evolutionistische Umgestaltung durch staatliche Eugenik-Programme bräuchte.
Für Hitler und Marx ist die Evolutionslehre die ideale Grundlage ihre Theorie. In der Pervertierung dieser wissenschaftlichen Theorie postulierten sie die Entwicklung durch Kämpfe könne so auf die Spitze getrieben werden, dass man einen »neuen Menschen« züchten könne. Alle die sich dem verweigern sind uneinsichtig und reaktionär. Sie sind gegen den Fortschritt und halten an einer veralteten Ethik fest. Es ist bezeichnet mit welchem Elan auch heutige Personen versuchen die Gesellschaft von dieser »neuen Ethik« zu überzeugen. Wie könne man nur glauben jeder Mensch – auch der ungeborene – habe individuelle Würde, von Gott verliehen? Kampf ums Dasein! Hier zeigt sich der Einfluss des Nietzschen Übermenschen. Wobei die Philosophie Nietzsches, mehr den spanischen Faschismus prägte. Sowohl für Kommunisten als auch für Nazis steht fest, dass Mitleid mit den Schwachen oder dem Klassenfeind unsinnig ist. Gerade die Linke, die immer betont wie negativ Sachzwänge seien, legt uns hier neue auf. Der Mensch ist in beiden System primär Mitglied einer Gruppe. Das heißt aber in letzter Konsequenz, „dass jemand nur als Mitglied der Gruppe Ansehen genießt, d.h. nur, wenn und insoweit er für die anerkannten Kollektivziele arbeite, und daß das seine ganze Menschenwürde sich nur auf dieser Mitgliedschaft und nicht aus eigener Eigenschaft als Mensch ergibt.“14 Der Glaube an die unendlichen Möglichkeiten des Menschen ist ein Grundübel beider. Dabei ist dies kein Spezifikum. Es kennzeichnet auch die Wissenschaftsgläubigkeit, die aber die Basis beider Ideologien ist. Wir müssen das Grundübel bekämpfen, denn wenn wir an die vermeintlich unbegrenzten Möglichkeit von Mensch, Gesellschaft und Wirtschaft glauben, „sind wir bereits mitten drin im Kommunismus.“15 Man wird bestimmt einwerfen der Nationalsozialismus sei antisemitisch, dem Kommunismus gehe es um alle Menschen, egal welcher Abstammung. Dies ist zweifellos richtig. Während ein Mitglied der Bourgeoise Kommunist werden kann, kann ein Jude kein Nazi werden. Aber dem Kommunismus geht es auch nicht um alle. Die Konterrevolutionäre müssen untergehen. „Dass die Revolution auch den Terror braucht, hatte schon Marx seinen Anhängern auf den Weg gegeben.“16 Auch der schöne Satz von Rosa Luxemburg, dass Freiheit immer Freiheit des Andersdenkenden ist, ist eine Lüge. Als Marxisten ließ sie keinen Zweifel daran, dass die Feinde der Revolution im Feuer des Proletariats untergehen. Ähnlich Rudi Dutschke, er war der Auffassung, dass, wenn die Masse sich erst mal bewusst geworden sei, die „Konterrevolutionäre nicht wieder auf legale Weise die Revolution in Frage stellen können.“17 Zudem findet wir auch bei den Linken Antisemitismus. Zwar war Marx jüdisch stämmig und eine Reihe berühmter Juden Kommunisten (z.B. Einstein, trotz seiner Intelligenz), aber doch ist besonders die moderne Linke nicht frei von Antisemitismus. Schon die 68-er waren extrem antisemitisch:„Die Vordenker des revolutionären SDS wussten schon 1967 eines genau: Israel verdanke seine Existenz angeblich dem „amerikanischen Imperialismus und jüdischen Kapitalisten“, der Sechstagekrieg im Juni 1967, „beseitige“ für sie „den letzten Zweifel“ am „reaktionären Charakter“ seiner führenden Politiker. Anerkennung verdiene demnach das „Existenzrecht der in Palästina lebenden Juden“, nicht jedoch das „zionistische Staatsgebilde.“ …
die Juden seien nicht von Deutschen, sondern „durch den Faschismus aus Europa vertrieben….“ worden und dann in Palästina „eingedrungen.“18 Zudem gab es einen Anschlag auf die jüdische Gemeinde Westberlin durch Aktivisten der 68-er. Der Täter, Albert Fichter, hatte das fehlgeschlagene Bombenattentat, unter Anleitung von Dieter Kunzel durchgeführt. Dieser hatte schon früher auf die „Scheißjuden“19 geschimpft. Kunzelmann war, wie die Terroristen der RAF, in einem Terrorkampf der »Palästinenser« ausgebildet worden. Aber der spätere Berliner Abgeordnete
für die Alternative Liste ging noch weiter. Die fehlgeschlagene Geiselnahme einer Al-El-Maschine durch Palästinenser kommentierte er mit dem Satz, diese „verzweifelten Terrorkommandos“ seien „durch besser organisierte, zielgerichtete Kommandso zu ersetzen, die von uns selbst durchgeführt werden.“20 Mit „uns“ meine Kunzelmann, Angehörige des Volkes, die bereits Erfahrung im Töten von Juden hatten. Der SDS verurteile zwar das Attentat auf die Gemeinde Westberlin sagte aber Israel sei „selber ein rassistischer Staat“ und die Israelis dort würden „die durch die Barbarei des Faschismus erzeugten Schuldgefühle, in die der BRD in einen positiven Rassismus in Gestalt des Philosemitismus umgeschlagen“ seien ausnutzen.21 Aber dies waren keine marginalen Ereignisse. So besuchte der israelische Botschafter Ben-Natan in der BRD 1969 die Universität Frankfurt und sprach über den Frieden in Nahost. Die linksradikalen Zuhöhrer riefen ihm zu: „Ha, ha, ha – Al Fatah ist da.“. Als der Botschafter Israel verteidigen wollte, wurde das Mikrophonkabel zerschnitten und der Ruf „Zionisten raus aus Deutschland“ ertönte.22 Auf dem Terminkalender Al-Natans stand auch Hamburg. Der dortige Allgemeine Studentenausschuss, vom SDS dominiert, kündigte an, dass der „Herrenmensch Asher Ben-Natan“ in Hamburg nicht rede werde. Er nütze den positiven Rassismus der Bonner Regierung aus. Auf die Frage warum gab der Aufruf folgende Antwort: „Die Blitzsieger von 1940 können sich ohne Schwierigkeit mit den Blitzsiegern von 1967 identifizieren; die Herrenmensches des Dritten Reiches betrachten mit Genugtuung die rassistische Politik der Dayan-Meir-Clique gegen arabische ‚Untermenschen‘.“ Der SDS-Vorstand ließ in seiner Stellungnahme zu den Ereignissen in Frankfurt verlautbaren, Al Fatah sei die „berechtigte sozialrevolutionäre Organisation“ und Ben-Natan Vertreter einer „rassistischen“ und „autoritären“ Ideologie.23 Das zweite Ereignisse war eine Diskussion in dem linksgerichteten republikanischen Club Westberlin. Dort diskutierte man ob Palästina ein neues Vietnam sei. Um die Skrupellosigkeit und den Unfehlbarkeitsglauben der Teilnehmer zu verstehen, muss man den Kalender öffnen: 9. November 1969 – Tag der Reichskristallnacht Der finale Vorfall war die Geiselnahme der Air-France-Maschine 1976 durch Angehörige der RAF. In Loyalität gegenüber den Palästinensern, die sich, unter Amin al-Husseini (Großmufti von Jerusalem und Mitglied der Waffen-SS), mit Hitler verbündet hatten, selektieren sie die Juden aus. Eine Frau zeigte den deutschen Terroristen ihren Arm, auf dem immer noch die Lagernummer eintätowiert war. Wie reagierte der Deutsche? Die Antwort war er sei kein Nazi, sondern Idealist.24 So viel zu den 68-ern. Aber auch die heutigen Linken sind vom Antisemitismus durchsetzt. Hier zu nennen ist u.a. die Seite der Duisburger Linkspartei. Ihr Aufruf gegen die vermeintliche israelische Aggression zierte ein Davidstern, in dem ein Hakenkreuz verschlungen war. Aber dabei blieb es nicht. Das Pamphlet entfielt die Forderung Israel zu boykottieren – „Deutsche wehrt euch. Kauft nicht bei Juden“ im 21. Jahrhundert. Aber dabei bleibt es nicht. Sevim Dagdelen (MdB für die Linken) protestierte gegen die Schmähung von Iran und Syrien. Die imperialistische Politik von Israel und USA müsse man entgegenwirken. Jüngst bezeichnete SPD-Chef Gabriel Israel als Apartheid, was ihm zu Recht zahlreiche Kritik einbrachte. Der »Antizionismus«, den vor allem die Linken an den Tag legen ist wie der Antisemitismus. Denn egal was Israel tut, es ist falsch. Der Antizionist stört sich nicht am Verhalten Israels – dann wäre er ein Kritiker – sondern an der Existenz Israels. Er bedient sich der gleichen Vorurteile wie der Antisemit, weil er einer ist.

Im Geiste vereint: Antiliberal, Antibürgerlich, Antikapitalistisch

Zwar sind sich Nazis und Kommunisten uneinig darüber wen man umbringen sollte – sind soziologischer oder biologische Merkmale entscheidend? – aber in der Feindschaft zu einer Bewegung sind sie sich einig: dem Freiheit, Individualismus und Marktwirtschaft sind verachtenswerte Begriffe für sie, „denn ‚Liberalismus‘ bedeutete ja für Mussolini die Freimaurer, für Hitler die ‚Juden‘, die ‚Itennligenzbestien‘ und ‚Schwätzer‘, für Lenin die verhaßte ‚Bourgeoise’“25 Das bringt uns zum zweiten Teil des Kollektivmus. Denn der Duden nennt zwei Bedeutungen für Kollektivismus. Die erste haben wir bereits behandelt. Die zweite lautet: „kollektive Wirtschaftslenkung mit Vergesellschaftung des Privateigentums“. Kollektivismus ist daher nicht nur ein Gesellschaftsmodell, sondern auch immer ein Wirtschaftskonzept. Ähnlich wie mit dem Menschenbild existieren viele Scheinwahrheiten über die Wirtschaftsordnung beider Ideologien. Man sollte sich im Klaren sein, was beide wollen. Oft heißt es die Nazis wären Kapitalisten gewesen. Ist das wahr? Stimmt es, dass der Faschismus eine kapitalistisch-reaktionäre Antwort auf den Sozialismus war? In der öffentlichen Diskussion scheint es so. Liberale Ökonomen werden oft als Faschisten beschimpft. So wurde u.a. das Konzept der aktivierenden Sozialhilfe von Hans-Werner Sinn, dass dem Grundsatz »Keine Hilfe, gegen Gegenleistung« folgte, mit dem Reichsarbeitsdienst im Dritten Reich gleichgesetzt. Dagegen stehen die freiheitlichen Linken, die sich gegen Arbeitszwang aussprechen. Aber stimmt das Bild? Sind Nazis Kapitalisten? Dieses Bild ist falsch und nur durch die ideologische Brille eines Kommunisten logisch. Denn der „deutsche Nationalsozialismus [ist] in einem zu mindesten technischen Sinne […] geradezu ein klassische[r] Fall eines ausgebildeten Sozialismus.“26Wir brauchen um das zu sehen, nur wenige Material. Beginnen wir mit dem Arbeitszwang. Anders als heute oft suggeriert, waren es niemals Liberale, die für ihn eintraten. Denker wie Milton Friedman oder Friedrich August von Hayek forderten ein bedingungsloses Grundeinkommen. Dagegen war Marx für „gleiche[n] Arbeitszwang für alle“27 Wofür wären die Nazis? „Abschaffung des arbeits- und mühelosen Einkommens.“28 Wenn man sich das 25-Punkte-Programm ansieht, so klingt das gar nicht kapitalistisch und radikal liberal. Ähnlich wie andere Denker – z.B. Silvio Gesell und unsere Tage Dirk Müller – forderten sie die „Brechung der Zinsknechtschaft“. Und es geht noch weiter: „Gewinnbeteiligung an Großbetrieben“, „Bodenreform, Schaffung eines Gesetzes zur unentgeltlichen Enteignung von Boden für gemeinnützige Zwecke. Abschaffung des Bodenzinses und Verhinderung jeder Bodenspekulation“, „sofortige Kommunalisierung der Groß-Warenhäuser“, „Wucherer, Schieber usw. sind mit dem Tode zu bestrafen“, „Gemeinnutz vor Eigennutz“, „Die Bildung von Stände- und Berufskammern“ usw. Allein schon der Name „NSDAP“ – Nationalsozialistische DeutscheArbeiterpartei, sollte doch jeden an der These vom kapitalistischen Nazi zweifeln lassen. Die Nazis wollen genau wie die Kommunisten eine verstaatliche Wirtschaft. Der Liberalismus war ihnen genauso verhasst, wie den Kommunisten. So ließ die nationalsozialistische Waffenstudentische Kampfgruppe verlautbaren: „Reaktionär ist, wer die zukunftsgestaltenden Kräfte festzuhalten sucht […]. Reaktionär ist auch der, der dem Moloch Kapitalismus opfert und verblendet die westeuropäisch-liberale Demokratie […] dem deutschen Volk aufschwätzt.“29 Beide Ideologien verachten den einfachen Bürger, den »Spießer«, mit dem keine Revolution zu machen ist. Der Vorsitzende des nationalsozialistischen Studentenbundes Baldur von Schirach machte ganz klar: „Wir hassen den Spießer. Sein geliebtestes Wort ist ›Ruhe und Ordnung‹.“30 In die Bemerkenswert ist auch dass der NS-Studentenfunktionär Schirach im „Gender-Ton“ stets von Studenten und Studentinnen sprach.31 Das Bild des heroischen Arbeiters zentrale Figur in Geschichte und Wirtschaft findet sich in beiden Ideologien wieder. Wieder mal hatten Intellektuelle ein Objekt ihrer Begierde gefunden: den Arbeiter als ehrlich arbeitendem und unterdrücktem, der die Geschichte verändern könne, aber vom Kapital beherrscht werde. Dieser Fetisch um den Arbeiter prägt beide Ideologien; er ist der edle Wilde. Es ist interessant, dass Intellektuelle oft solche Objektive brauchen; sie fordern dann Solidarisierung mit ihnen. Man kennt zwar die Lebenswelt nicht, aber sich mit dem Arbeiter, dem edlen Wilden und dem Migranten zu solidarisieren, der ständigen (vermeintlichen) Diskriminierungen ausgesetzt ist, befriedigt das intellektuelle Gewissen. Aus der Tatsache, dass die Nazis ihre Wirtschaftspolitik nicht voll (in Teilen tat sie es ja) umsetzen und auch »die Reichen« profitierten, kann man nicht ableiten, die seien Kapitalisten gewesen. Tut man dies, müsste man folgerichtig auch argumentieren die Begründer des realexistierenden Sozialismus wären Kapitalisten gewesen. Denn selbst im Mutterland des Kommunismus – der Sowjetunion – erreichte die Staatsquote niemals 100%, d.h. vollkommener Sozialismus. Anders als die politische Linke kann ich auf die Einwurf „Die UdSSR war nicht richtig sozialistisch“ nur sagen: Gott sei dank!

Sozialstaat Drittes Reich

Betrachtet man die Wirtschafts- und Sozialpolitik des Dritten Reiches so stellt man fest, dass es sich nicht um – wie fälschlicherweise oft behauptet – um eine an den Reichen orientierte Politik des liberalen Minimalstaats war, sondern eine expansive Ausweitung sozialer Leistungen.
Die linken Forderungen im Programm der NSDAP hören nicht bei Verstaatlichungen und Todesstrafe für Wucher auf. Die Nazis forderten den „großzügigen Ausbau der Alters-Versorgung“, „Um jeden fähigen und fleißigen Deutschen das Erreichen höherer Bildung und damit das Einrücken in führende Stellungen zu ermöglichen,“ „Wir fordern die Ausbildung geistig besonders veranlagter Kinder armer Eltern ohne Rücksicht auf deren Stand oder Beruf auf Staatskosten.“ und „Schutz der Mutter und des Kindes“ Die Sozialpolitik des Dritten Reiches war äußert großzügig. Sie propagierte zwar die Ungleichheit der Rassen, „versprach den Deutschen im selbem Atemzug mehr Chancengleichheit.“32 Innerhalb der Rasse sollte es keine Unterschiede geben. Soziale Gleichheit, soziale Gerechtigkeit und soziale Sicherheit bildeten die Grundlage der NS-Sozialpolitik.
Hitler sprach schließlich „vom ‚Ausbau des sozialen Volksstaates‘, eines ‚Sozialstaates‘, der vorbildlich sein werde und in dem ‚alle [sozialen] Schranken immer mehr einzureißen‘ seien.“33 Goebbels schrieb nach dem Seitenwechsel Italiens und aus Angst vor einem Umschwung in Deutschland: „der Nationalsozialismus muss eine Erneuerung durchmachen. Noch sozialistischer als früher […]. Das Volk muss auch immer wissen, dass wir seine gerechten und großzügigen Sachwalter sind.“34 Betrachtet man die Politik der Nazis so sieht man eine Fülle sozialer Leistungen: Einführung der Steuerfreiheit für Nacht- und Feiertagszuschläge nach dem Sieg über Frankreich 1940, die Einführung der obligatorischen Krankenversicherung für Rentner, Einführung der Steuerklassen III und IV aus familienpolitischen Gründen, die Schlechterstellung von Kinderlosen zu Gunsten der Familien, Grundlagen für das Ehegattensplitting, die EU-Agrarordnung, die Haftpflichtversicherung für Autos, das Kindergeld und des Naturschutzes.35 Die NS-Führung „stellte einen Teil des Lohns für Überstunden pfändungsfrei, außerdem Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Kinderbeihilfen und Versehrtenrenten,“. Außerdem durften die Familien der einberufenen Soldaten nicht mehr gepfändet werden.36 Die Privilegien der Beamten und Geistlichen in Bezug auf Pfändung wurde abgeschafft.37 Zudem sind „zahllose steuerrechtliche Privilegien für Unter- und Mittelschicht“ eingeführt worden, die auch heute noch gültig.38 Die Familien der Soldaten „erhielten an die 85 Prozent dessen, was de eingezogene Soldat zuletzt netto verdient hatte.“39 Die Urlaubstage wurden verdoppelt40 und durch die KdF wurde Urlaub für große Teile des Volkes möglich. Auch waren es die Nazis, die den ersten Anti-Raucher-Feldzug führten.41 Stärkung von Mieter- und Arbeitnehmerrechten haben ihren Ursprung in den 12 Jahren Diktatur. Anders als bei den westlichen Kriegsgegnern gab es keine Massensteuern für den Krieg. Nur die Tabak- und Biersteuer wurden erhöht, wobei letztere im Süden niedriger war, als im Norden.42 Nur Vier Prozent der Bevölkerung hatten höhere Steuern zu bezahlen43; 75 % der innerdeutschen Kriegslasten hatten Unternehmen und Bezieher großen Einkommen zu bezahlen.44 Kriegsgewinne wurden zu großen Teilen abgeschöpft; die Körperschaftssteuer wurde erhöht. Während der Kriegsjahre betrugen die Förderungen für Landwirtschaft, d.h. Ausgleiche für Wetter und Preissubventionen, zwischen 700 und 800 Millionen Mark.45 Zur Umrechnung gilt: 1 RM = 10€. Wie wurde diese gigantische Sozialpolitik finanziert? Denn schließlich hat nicht eine kleine Schicht, sondern 95% der Bevölkerung profitiert von den sozialen Wohltaten. Wie finanziert man dies gigantische Maschine? Über die Notenpresse und das Ausplündern fremder Völker. Für den Wohlfahrtsstaat Drittes Reich mussten die Juden und die besetzten Länder den Kopf hinhalten. Auch reicht nur ein Blick ins Parteiprogramm von NPD und Linkspartei. Beide fordern mehr soziale Leistungen, kritisieren Israel und die USA, fordern Regulierungen der „Spekulanten“, Gemeinnutz oder Eigennutz, einen starken Staat und, wie Hitler, dessen Vision ein kostenloses Schulsystem war, freie Bildung. Aber man muss nicht mal das Programm beider Parteien lesen. Es reichen bereits die Parolen der NPD: „Frei, sozial und national!

Antireligiös und Antikonservativ

Oft heißt es die Nazis seien christlich und konservativ gewesen. Vor allem Atheisten bringen dies als Vorwurf gegen die katholische Kirche vor. Einige atheistische Akteure fielen damit auf, dass sie zum Papstbesuch auf eine Gegendemonstration Hitler und Pius XII. Hand in Hand laufen ließen. Ist dieses Bild konkret? Nein. Pius XII. rettete nicht nur viele Juden, er war auch Gegner des Nationalsozialismus. Nicht nur weil der Nationalsozialismus wie der Kommunismus die Familie vergesellschaften will46 und das Eigentum ablehnt, sondern auch weil die Kirche stets betont, alle seien berufen. Denn schon der Apostel Paulus sagte klar und deutlich: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus.“ (Gal.3:28, EÜ) Diesem Zeugnis der apostolischen Wahrheit folgend verlautbarte Pius XII.: „Die menschliche Würde besteht in dem Umstand, daß wir eine einzige große Familie sind, die menschliche Gattung, die menschliche Rasse – das ist die Antwort der Kirche; das ist in unsern Augen der wahre Rassismus.“47 Die katholische Kirche stand der Ersatzreligion Faschismus ablehnend gegenüber, wenn auch nicht in offen Widerstand, sofern man die offene Gegnerschaft zur Euthanasie der Bischöfe nicht als Widerstand betrachtet.
Der ersatzreligiöse Charakter des Faschismus war Papst Pius XI. in seinem Schreiben „Mit Brennender Sorge“ klar. Dort schreibt er: „Wer die Rasse, oder das Volk, oder den Staat, oder die Staatsform, die Träger der Staatsgewalt oder andere Grundwerte menschlicher Gemeinschaftsgestaltung – die innerhalb der irdischen Ordnung einen wesentlichen und ehrengebietenden Platz behaupten – aus dieser ihrer irdischen Wertskala herauslöst, sie zur höchsten Norm aller, auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult vergöttert, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung der Dinge. Ein solcher ist weit von wahrem Gottesglauben und einer solchem Glauben entsprechenden Lebensauffassung entfernt.“ Ebenso analysiert Wilhelm Röpke in Maß und Mitte den ersatzreligiösen Charakter von Kommunismus und Nationalsozialismus als Zentralbegriffe einer „Soziologie des Kollektivismus.“
Die Nazis, die Kirchenaustritt als Bestätigung ihrer Politik sahen48, waren an einer Rassereligion interessiert. Politik und nicht Spiritualität war das Credo. In ihrem Reich rückte rassischer Paganismus immer mehr in den Alltag. Sonnenwende und Walhalla waren wichtiger als Maria Himmelfahrt und die hl. Dreifaltigkeit. Zudem ist auch interessant, dass die Nazis Jesus germanisieren mussten, um sich als vermeintliche Schützer des Christentums gegenüber dem atheistischen Bolschewismus zu profilieren. Dabei sagt aber der jüdischstämmige Apostel Paulus: „Ihr scheint ohne Bedenken alles zu glauben, was die Leute euch erzählen, selbst wenn sie einen anderen Jesus verkünden als den, den wir verkünden, oder einen anderen Geist als den, den ihr empfangen habt, oder eine andere Botschaft als die, die ihr geglaubt habt.“ (1.Kor. 11:4)
Aber es reicht auf ein kleiner Blick in die Praxis des Faschismus: Propaganda gegen Jesuiten, Schauprozesse gegen Priester und Nonnen, katholischer Widerstand, Verstaatlichung der Erziehung und Zwangsüberweisung katholischer Kinder in Jugendorganissationen (Dieses Faktum war Richard Dawkins nicht bewusst, als er schrieb: „From Hitler Youth to Pope“) und die simple Tat, dass katholische Priester der meist verfolgte Berufsstand waren. Die Nazis waren zwar nicht streng materialistisch wie die Marxisten (Marx: „Religion ist Opium fürs Volk.“), aber der Träger ihres Glaubens war nicht Gott, der nur als Puppe der Tradition vorgeführt wurde, sondern die Rasse und die Rassenseele. Waren die Nazis konservativ? Auch das ist falsch. Sie waren zwar nationalistisch, aber nicht konservativ. Wobei auch der Begriff nationalistisch die Nazis nicht beschreiben kann. Sie waren Rassisten und deswegen nationalistisch, weil sie Deutschland als Inkarnation des Ariers betrachteten. Es ist zudem widersinnig die Nazis primär als Nationalisten zu betrachten, da es ja schließlich auch nationalistischen Juden in Deutschland gab, die voll Elan in den ersten Weltkrieg zogen. Auch müssen wir nur einen Blick nach 1945 richte: der SPD-Vorsitzende Schumacher hatte unter den Nazis gelitten, war aber trotz dem nationalistisch eingestellt.
Die Nazis hatten kein Problem französische, islamisch-bosnische und andere SS-Verbände im Ausland zu schaffen. Die Erbfeindschaft zur Frankreich, die einige Konservative vertraten, interessierte die Nazis auch nicht. Auch plädierten sie für Revolution – und nicht wie Edmund Burkefür Evolution. Ihre Phrase war nicht „früher war alles besser,“ sondern wir sind die Neue Zeit. Mit uns beginnt die nationale Revolution. Im Horst-Wessel-Lied besangen sie sogar die „Kam’raden, die Rotfront Und Reaktion erschossen.“
Zudem dachten die Nazis weder daran den Kaiser an die Macht zu bringen – sie verboten sogar monarchistische Verbände und Otto von Habsburg war immer ein Gegner des Nationalsozialismus – , noch traten sie für eine strikt konservative Moral ein. Zwar war ihre Frauenpolitik konservativ, aber in Lebensborn wurden auch uneheliche Kinder – sofern sie Arier waren – aufgenommen. Aber wesentlich ist auch, dass die Nazis eine egalitäre Politik vertraten. Ständeschranken sollten fallen. Innerhalb der Rasse sollte es keine Unterschiede geben. Das heißt Hitler war weder wertkonservativ noch religiös. Er setze an die Stelle der Kirche den Staat, an die Stelle Christi die Rasse und an die Stelle des Papstes sich. So ist es bezeichnet mit welcher fast schon religiösen Ehrfurcht die Nazis an den Staat gehen. Zurecht bemerkt Mises, dass „wenn ein Deutscher sagt „der Staat“ oder wenn ein Marxist sagt „die Gesellschaft“, so sind sie überwältigt von Ehrfurcht. Wie kann ein Mensch nur so vollkommen korrupt sein, daß er gegen dieses höchste Wesen aufbegehrt?“49 Interessant ist auch welches Staatsverständnis der Sozialist Lassalle hatte: „Der Staat ist Gott!“ Hierin scheint sich der alte hegelsche Geist von einer quasi Göttlichkeit des Staates widerzuspiegeln. Die hegelischen Idee vom Weltgeist und seiner deterministischen Hand haben sowohl auf den Linkshegelianer Marx, wie auch auf den Nationalsozialismus abgefärbt. An die Stelle des Weltgeistes als Prinzip tritt bei Marx der Klassenkampf und bei Hitler die Rassenseele. Beiden Ideologien ist daher gemeinsam, dass die vor allem auf das Diesseits ausgerichtet sind. Während die Marxisten strikte Atheisten sind, sind es die Nazis (sie bewunderten u.a. den Islam und die Kastengesellschaft der Hindus) nicht. Hier scheint sich ein Rest deutschen Idealismus gehaltenzu haben.

Bruderkrieg

Meiner ganzen Argumentation könnte man entgegen halten Nazis wären antikommunistisch und Kommunisten antifaschistisch gewesen. Es ist wahr: Hitler hatte ohne jegliche Gewissensbisse viele Linke töten lassen. Aber widerlegt das die zentrale These? In keiner weise. Denn ich habe nicht gesagt Kommunismus und Nationalsozialismus sei völlig identisch. Sie sind Spross einer Pflanze: des Kollektivismus. Zwischen beiden Zweigen herrscht Konflikt, ohne Frage. Aber es ist ein Bruderkrieg; ein Kampf zwischen Flügeln. Das heißt sie sind nicht gegeneinander, weil sie verschieden sind, sondern weil sich beide einander so ähneln. Zudem sehen wir in der Geschichte, dass es Kriege zwischen Flügeln gab. Dabei ging es oft nicht um grundsätzlich verschiedene Ansichten, sondern um die Ausrichtung der Weltanschauung. Nehmen wir als Beispiel die Kämpfe zwischen Katholiken und Protestanten. Beide haben einander bekämpft als Flügel des einen Christentums. Sie kämpfen gegeneinander, weil sie einander so ähnlich waren. Beiden lag viel am Christentum. Beide behaupteten von sich die wahren Christen zu sein, ebenso wie die Nazis meinten die richtigen Sozialisten zu sein. Nichts anderes meint Goebbles wenn er sagt: „Wir sind Sozialisten, weil im Sozialismus, das heißt im schicksalsmäßigen Angewiesensein aller Volksgenossen aufeinander die einzige Möglichkeit zur Erhaltung unserer rassemäßigen Erbgüter und damit zur Wiedereroberung unserer politischen Freiheit und zur Erneuerung des deutschen Staates sehen. […] Gegen das politische Bürgertum: für den echten Nationalismus! Gegen den Marxismus: für den wahren Sozialismus! Für den ersten deutschen Nationalstaat sozialistischer Prägung!“50
Aus der Tatsache, dass Katholiken und Protestanten einander bekämpft haben, schließt aber niemand, dass die eine Gruppe nichtchristlich wäre. Genauso ist es mit dem Krieg zwischen Marxisten und Nazis. Argumente wie Nazis sind keine Demokraten, treffen den sozialistischen Charakter des Faschismus genauso wenig, wie der Vorwurf die Katholiken würden keine Frauen weihen den christlichen Kern des Katholizismus berührt. Wir können nichts anders als beide – Marxismus und Faschismus – als Teil einer größeren Ideologie, dem Kollektivismus, zu betrachten. Wir müssen, wenn wir ehrlich sind, sagen dass die Nazis eben das waren, was ihr Name sagt: Nationale Sozialisten. Wir müssen diese Tatsache anerkennen und daraus folgern, dass aus der Ablehnung des Faschismus folgerichtig die Ablehnung des Sozialismus im allgemein folgt. Dass aus der Ablehnung des kollektivistischen Totalitarismus folgt beide Richtungen, links wie rechts, abzulehnen.

Schluss:

Der Antifaschismus ist in Deutschland eine Art Nationaldogma. Es gibt kaum jemandem der sich nicht Antifaschist nennen würde; wir sind es zu Recht. Wir lehnen zu Recht eine Ideologie ab, die den Menschen als Material betrachtet, ihn in Kategorien einordnet, aufteilt in Gute und Böse und den Massenmord an dem Bösen plant. Wir lehnen zu Recht ein Regime ab, dass andere ausplündert für soziale Leistungen der anderen. Aber wer A sagt muss auch B sagen.Wenn wir sagen „Wie wieder Faschismus“, „Nie wieder Auschwitz“ und „Nie wieder ’33“, so müssen wir konsequent sein und sagen „Wie wieder Kommunismus“ und „Nie wieder Archipel Gulag“ und „nie wieder ’17“ Wenn wir sagen der Mensch hat ein unwandelbare Natur und ist ausgestattet mit Rechten und die These verwerfen er sei Material, so müssen wir der faschistischen und der kommunistischen Paroli bieten. Wenn wir den biologistisch-nationalen Sozialismus ablehnen, so müssen wir auch den soziologisch-internationalen Sozialismus verwerfen. Tun wir das nicht sind wir inkonsequent. Unsere Parole sollte daher sein: Ich bin Antifaschist und deshalb Antikmmunist.
Als Adenauer rief: „Wir wählen die Freiheit!“, so galt dieser Ausspruch dem Kommunismus. Er ist gen Osten gerichtet. Der Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ richtet sich auch und gerade gegen den Kommunismus. Den Gründer unserer Republik und der Sozialen Marktwirtschaft schwebte nicht ein „dritter Weg“, ein Misch aus Sozialismus und Kapitalismus vor Augen. Man sucht lange in der Geschichte bis man auf eine Klasse von Ökonomen trifft, die aus solch sittlichen Grundsätzen handelten. Sie lehnten den Kommunismus, wie den Faschismus, nicht aus rein ökonomischstatistischen Daten ab, sie lehnen die ethisch-moralisch ab. Erhard, Röpke, Eucken, und auch Personen wie Adenauer, waren Antikommunisten. Keine plumpen und dummen, sondern einen auf ethischer Grundlage basierenden – einen Antikommunismus wie unser Bundespräsident Gauck ihn, als Pastor, vertritt. Es ist sehr wichtig, dass man nicht nur immer gegen etwas motiviert, sondern auch für etwas. Was bringt es wenn man Antifaschist ist, aber sonst nichts. Schützen wir so unser Grundgesetz? Ein Volk von Antifaschisten kann auch zum Absolutismus überlaufen; unsere verfassungsmäßige Ordnung wäre auch dahin. Das heißt wofür stehen wir? Denn nur von einem festen Wertefundament kann überhaupt gegen etwas sein. Die erste Frage ist nicht wogegen sind wir, sondern wofür stehen wir?
Lassen wir unsere Gründerväter sprechen:

„Weil ich ein bestimmtes Bild vom Mensch zu haben glaube; das durch die geistige Erbmasse der
antik-christlichen Überlieferung geformt ist, weil ich in ihm das Ebenbild Gottes sehe, weil mir die
Überzeugung im Blute steckt, daß es eine grauenvolle Sünde ist, ihm zum Mittel zu erniedrigen
(auch im Namen hochtönender Phrasen), und jede Seele etwas Unvergleichliches,
Unvertauschbares und Unschätzbares ist, gegen das alles andere ist, weil ich einem in diesen
Überzeugungen wurzelnden Humanismus ergeben bin, für den der Mensch Kind und Ebenbild
Gottes ist, nicht aber selbst Gott, zu dem ihn die Hybris eines falschen, atheistischen Humanismus
vergötzt -, deshalb, so meine ich, stehe ich jeder Art von Kollektivismus mit äußerstem Mißtrauen
gegenüber.“
(Wilhelm Röpke, Jenseits von Angebot und Nachfrage, S.17)

Literatur:

Aly, Götz – Unser Kampf. 1968 – ein irritierter Blick zurück, 2. Auflage, Frankfurt a.M., 2008

Aly, Götz – Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 2.Auflage, Frankfurt

a.M., 2012

Engels, Wolfram – Mehr Markt. Soziale Marktwirtschaft als politische Ökonomie, 1.-20. Tausend,

Stuttgart, 1976

Fleischhauer, Jan – Unter Linken. Von einem, der aus versehen konservativ wurde, 2. Auflage,

Hamburg, 2010

Friedman, Milton – Kapitalismus und Freiheit, 7. Auflage, Frankfurt a. M., 2010

Geinitz, Frank Peter – Die Falange Espanola und ihr Gründer Jose Antonio Primo de Rivera – im
Rahmen der Bewältigung der Vergangenheit der Zweiten Spanischen Republik (1931-1939),

München, 2008

Hayek, Friedrich August – Der Weg zur Knechtschaft, München, 2007

Leo XIII. – Rerum Novarum, Rom, 1891

Mises, Ludwig von – Bürokratie, 2. Auflag, Sankt Augustin, 2004

Mises, Ludwig von – Wurzeln des Antikapitalismus, 2. Auflage, Frankfurt a. M., 1

Merz, Friedrich – Mehr Kapitalismus wagen. Wege zu einer gerechten Gesellschaft, Erweiterte

Taschenbuchausgabe, München, 2010

Pius XI. – Quadragesimo Anno, Rom, 1931

1. Ludwig von Mises – Bürokratie, S. 118
2. Taz vom 02.02.2012 – Schon Goebbels sagte, von von Reiner Wandler
3. Spiegel vom 02.02.2012 – Steinbach-Eklat auf Twitter, von Yassin Musharbash
4. Deutschlandradio Kultur, Blaue Bände ohne Ende, vom 12.03.2008
5. Götz Aly – Hitlers Volksstaat, S. 379
6. Götz Aly – Unser Kampf, S. 170
7. Friedrich Merz – Mehr Kapitalismus wagen, S.54
8. Götz Aly – Unser Kampf, S. 84f.
9. Friedrich August von Hayek – Der Weg zur Knechtschaft, S. 178
10. Kommunistisches Manifest
11. Ludwig von Mises – Wurzeln des Antikapitalismus, S.46
12. Lenin erklärte den Begriff so, dass er meine das Proletariat werde so gesetzlos herrschen, wie vorher der Adel
13. Kommunistisches Manifest
14. Friedrich August von Hayek – Der Weg zur Knechtschaft, S. 181
15. Wilhelm Röpke, Jenseits von Angebot und Nachfrage, S. 24
16. Jan Fleischhauer – Unter Linken, S. 87
17. Götz Aly – Unser Kampf, S. 92
18. Götz Aly – ebenda, S. 160f.
19. Götz Aly – ebenda, S. 159f.
20. Götz Aly – ebenda, S. 166
21. Götz Aly – Unser Kampf, S. 164
22. Ebenda, S. 162
23. Ebenda, S. 162f.
24. Jan Fleischhauer – Unter Linken, S. 192
25. Röpke – Maß und Mitte, S. 11
26. Wihelm Röpke – Jenseits von Angebot und Nachfrage, S. 37
27. Kommunistisches Manifest
28. 25-Punkte-Programm der NSDAP
29. Götz Aly – Unser Kampf, S. 184
30. Ebenda, S. 171
31. Ebenda, S. 173
32. Götz Aly – Volksstaat, S. 11
33. Ebenda
34. Ebenda, S. 75
35. Ebenda, S. 20
36. Ebenda, S. 21
37. Ebenda, S. 22
38. Ebenda, S. 24
39. Ebenda, S. 36
40. Jan Fleischhauer, Unter Linken, S. 288
41. Ebenda
42. Götz Aly – Volksstaat, S. 69
43. Götz Aly – Volksstaat, S. 37
44. Ebenda, S. 78
45. Götz Aly – Volksstaat, S. 71
46. „Aufhebung der Familie! Selbst die Radikalsten ereifern sich über diese schändliche Absicht der Kommunisten.“ – Kommunistisches Manifest
47. Osservatore Romano, Juli 1938
48. Götz Aly – Volksstaat, S. 334
49. Ludwig von Mises – Bürokratie, S. 83
50. Der Angriff, vom 16. Juli 1928

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