Keuschheit – Betrachtungen einer verkannten Tugend

Vorbemerkungen: Zwischen Lust und Liebe

Immer wenn es um das Christentum geht – speziell um den Katholizismus – kommt man schnell auf die sexuellen Themen: Kondom, Homosexualität, Sex vor der Ehe, Zölibat usw. Das ist für ein Manko zu halten, denn es muss doch für eine Schwäche in der Verkündigung gehalten werden, wenn die grundsätzlichen Glaubensinhalte (Gottheit Christi, Dreifaltigkeit, Inkarnation, Kirche usw.) gegenüber sexuellen Themen zurücktreten. Aber das darf uns nicht davon abhalten, trotzdem über diesen Bereich zu sprechen und unsere katholische Antwort auf die Fragen einer modernen und sexualisierten Welt zu geben. Oft wirkt diese leider alt, verstaubt und hinterweltlerisch. Man meint ehelose alte Männer würden über ein Thema rätseln, mit dem sie selbst in keinem persönlichen Kontakt stünden. So als ob Gehörlose über den Klang von Musik philosophierten. Das Ergebnis seien einfach nur weltfremde Regeln, die kein Mensch einhalten könne. Sobald es um Geld und Sex geht, hört der Mensch genauer zu, wird teilweise wütend. Das zeigt uns, dass die Sexuallehre eine Lehre ist, die die Menschen wirklich bewegt, mehr als intellektuelle Spekulationen über immanente und ökonomische Trinität (so wichtig die Erforschung der Dreifaltigkeit ist). Das ist einerseits, wie ich bereits sagte, eine Schwäche, dass nur dieses Thema so präsent ist, anderseits doch eine Chance, die man nutzen muss.
Zuerst einmal müssen wir uns dem sexuellen Relativismus entgegenstellen, der meint allein die Lust bei bedeutend und sexuelle Normen gäbe es nicht. Was Luststeigerung bedeutet sei gut, so die Gleichung.
Dass diese Gleichung falsche Parameter erhält, kann man dadurch zeigen, dass man die sexuelle Lust durch Hunger ersetzt. Was würden wir von einer Gesellschaft halten deren einziger Lebenszweck das Essen ist? Ja, wenn diese Gesellschaft so gierig ist, dass man nicht mehr von Essen, sondern schon von Fressen sprechen muss? Wenn Schilder mit Essen die Städte schäumen und nicht halbnackte Frauen Männer anziehen, sondern Tische mit Essen, würden wir nicht meinen es läge ein Fehler vor? Würden wir nicht denken, es handle sich um eine maßlose Übertreibung des Hungergefühls? Was halten wir von Menschen, die nicht in der Lage sind einen Moment zu warten bis sie essen? Würden wir hier nicht von einer Störung reden? Wieso meinen wir aber dann man müsse seine Sexualität ausleben, bei der Gefahr psychische Störungen davon zu tragen? Wer kann behaupten in der sofortigen Lustbefriedung liege die Freiheit? Dann sind wir nur Sklaven unserer Triebe. Gefangen darin jeden Hauch von Lust schlagartig zu befrieden. Darum spricht Benedikt XVI. auch stets von der „Diktatur des Relativismus.“
Dass das eine Schreckensvision ist sieht man an der Vergewaltigung: jemand will seinen Trieb befrieden, die andere Person aber nicht. Wnn die sofortige Lustbefriedung das einzig Richtige ist und die Sexulosigkeit das Krankhafte, dann müsste man doch „Zwangssex“ aus medizinischen Gründen verordnen. Nun wenn wir schon dabei sind, dann sind noch nicht mal die katholischen Priester das Problem, sondern doch wenn schon die Singles, die unfreiwillig keinen Sex haben. Zudem müssen wir uns ja die Frage stellen wo die Sittlichkeit beginnt. Muss Sex mit Kindern, Verwandten oder Tieren legalisiert werden, weil sonst die Menschen mit entsprechender Präferenz eine Krankheit erleiden? Ist es falsch, wenn der Kannibale von Rothenburg verurteilt wird, wenn er – einvernehmlich – einen Menschen ißt? Und waren nicht die Ideen einiger 68-er mit ihren eigenen Kindern – Zweck der „Sexualerziehung“ – zu schlafen nicht das genaue Gegenteil der Freiheit?
Wir müssen doch festhalten  Freiheit ist nicht das Grenzenlose, sondern die Grenze ist ein notwendiger Teil der Freiheit. Wie kann ein Fußballspiel sinnvoll sein und Spaß machen ohne Regeln? Fußball ist nicht Fußball wenn die Spieler mit Knüppeln und Äxten aufeinander losgehen. An derer Stelle („Freiheit als metaphysisches Prinzip“) zitierte ich Hattrup mit der Aussage Freiheit sei gerade das Schattenspiel aus Zufall und Notwendigkeit.
Darüber hinaus ist das Wesen des Menschen seine Triebe und biologischen Notwendigkeiten in Sitte und Ritual einzubetten. Das Essen bietet hier wieder ein Beispiel. Wir können auch aus Trogen essen und unsere Nahrung nach Formeln festlegen gemäß ihre Nützlichkeit. Aber was wäre das Mittagsessen ohne das Ritual, des gemeinsamen am Tisch sitzen? Was ist unser Essen ohne Messer, Gabel und Manieren?
Leider gibt in diesem Kontext einen fatalen Irrtum: Liebe ist ein Gefühl. Richtig davon ausgehend, dass Liebe das höchste ist, meinte man daher dem Gefühl folge leisten zu müssen. Dabei verwechselt man die Verliebtheit („verknallt“) mit der Liebe. Das wird allein schon an dem biologischen Faktum deutlich, dass nach spätestens drei Jahren die Hormone, die die Verliebtheit erzeugen, weg sind. Lieben die Partner sich jetzt nicht mehr? Sind wir zu Drei-Jahres-Beziehungen verdammt? Natürlich nicht, eben weil Liebe kein Gefühl ist, sondern ein Glaube: „Ich glaube daran, dass ich meinen Partner liebe“. Mit Gefühlen hat das nicht so viel zu tun, wie wir gemeinhin annehmen. Es ist gerade so, dass die Liebe uns fähig macht unsere Gefühle zu ändern – z.B. von Wut in Vergebung. Weil Liebe also kein Gefühl ist, ist auch ein Versprechen möglich, wie in der lebenslangen Ehe. Nun liegt das Wesen des Versprechens gerade darin, dass man sich von seinen Gefühlen befreit. Wenn ich jemandem verspreche ihm morgen beim Umzug zu helfen, dann ist natürlich meine Unlust und Mündigkeit am nächsten Tag kein Argument. Ich gebe meinen Gefühlen hier also nicht nach. Wäre Liebe ein Gefühl, läge darin auch keine Tugend. Hunger und Mündigkeit sind auch keine Tugenden.
Das soll natürlich kein Plädoyer für den emotionsfeindlichen Zwang sein, aber wir müssen uns doch im Klaren sein, dass wir nicht nur dem Gefühl nachlaufen müssen. „Wenn ein Jugendlicher oder Erwachsener sich bemüht einem bewussten Verlangen zu widerstehen, so hat das mit Verdrängung nichts zu tun. “1
Im diesem Kontext wird oft ein sehr wichtiger Satz gesagt: Liebe kann keine Sünde sein. Da ist etwas Wahres dran, aber wir müssen es doch etwas genauer untersuchen. Zunächst einmal kann Liebe nicht nur positive Formen annehmen, denken wir nur an die Eifersucht. Aber auch der Ehebruch ist hier ein Beispiel. Was ist wenn ein Ehemann sich in eine andere Frau verliebt und mit ihr schläft. Hat er etwa nicht gesündigt und seine Frau betrogen? Die Liebe zu der fremden Frau hat ihn in die Sünde getrieben. Es ist in diesem Zusammenhang eine große Notwendigkeit davon zu sprechen, dass einige die sexuellen Sünden überhöhen und in ihr religiösen Zentrum schieben. Ja, „die Sünden des Fleisches sind schlimm, aber sie sind nicht die schlimmsten.“2 Viel schlimmer ist die Heuchelei. Darum sagt Christus auch, dass die Huren den Himmel eher bekommen, als die Pharisäer. Daher sollen wir nicht die Sünder in die Hölle wünschen, sondern zur Buße rufen. Wenn man von Verdammnis predigt, dann noch nur mit der Intention die Betroffenen zu retten. Die Überbetonung der sexuellen Sünden geht mit einem falschen Jungfräulichkeitskult einher, der sich in einigen Gruppen des amerikanischen Evangelikalismus entfaltet. Diese Gruppen haben offenbar nicht verstanden, was Keuschheit ihrem Wesen nach ist. Es ist nicht die bloße sexuelle Abstinenz oder Sex nur um der Kinderzeugung Willen.

Was ist Keuschheit?

Was also ist Keuschheit? Leider gibt es viele falsche Vorstellungen über diese christliche Tugend. Keuschheit ist das Gegenteil sexuell verklemmter und unterdrückter Menschen, die ihre Sexualität von sich abkapseln und im Geheimem, voll Scham, ausleben. Keuschheit ist mehr als ein herzloses Befolgen von Regeln. Hier wie überall gilt, dass es um die innere Einstellung gehen muss, nicht bloß um den losen Vollzug von Riten und Gebräuchen, deren Sinn man nicht kennt und die eher einengen, als befreien. Daher definiert der Katechismus (Nr. 2237) Keuschheit als „geglückte Integration der Geschlechtlichkeit in die Person.“ Das mag auf den ersten Blick sehr intellektuell und unverständlich klingen, aber auf den zweiten Blick wird es doch klarer. Es geht nicht um loses Regelhalten, sondern darum, dass meine Sexualität in sein Gesamtleeben integriert. Das heißt sie weder voll Scham im kleinen Kämmerlein zu verstecken, noch den Sexualtrieb zu überhöhen, wie das heute leider oft vorkommt. Man muss ihn in das rechte Maß zu sich selbst und seiner gesamten Persönlichkeit bringen. Das sezt aber eins voraus: eine Beschäftigung mit dem Thema. Der Vorwurf katholische Priester würden sich nicht genug mit Sexualität beschäftigen, muss eigentlich auf die ganze Kirche ausgeweitet werden. Jeder Katholik, der keusch leben will, muss sich mit der Sexualität und ihrer Rolle beschäftigen. Jedoch darf darunter nicht nur Sexualkunde verstanden werden, die falsch ausgerichtet ist. Sie beginnt sofort mit Biologie und Verhütung, reduziert also den Themenkomplex auf das rein körperliche und vergisst dabei wesentliche andere Aspekte. Weil also Keuschheit verbunden ist mit der Beschäftigung mit der eigenen Sexualität schreibt C.S. Lewis „wer ernstlich um Keuschheit ringt, handelt viel bewusster.“3
Den meisten Menschen erleben die Sexualität doch in Rahmen einer Beziehung und dort kann sie gedeihen. Die heutige Überhöhung des Sexualtriebs und seiner Abkapselung vom Rest des Menschen erleben doch viele als nicht glückbringend, eben weil viele Aspekte verloren gehen.
Ein Beispiel mag dies zeigen: wenn mich jemand fragt wie spät es ist und ich sagte, nach einem Blick auf meine Uhr, acht, dann kann diese Aussage entweder wahr oder gelogen sein. Wenn es wirklich acht Uhr ist, dann stimmen meine Aussage und die Wirklichkeit überein – meine Aussage ist wahr. Eine Lüge ist es dann, wenn Aussage und Wirklichkeit nicht übereinstimmen.
Nun ist es so, dass der Mensch nicht nur mit dem Mund spricht, sondern auch mit seinem Körper. Er ist ebenso in der Lage damit bestimmte Dinge zum Ausdruck zu bringen. Ein Handschlag drückt etwas anderes als als eine Umarmung oder ein Kuss. Wir alle sind uns darin einig, dass es bestimmte angemessene Formen gibt. Einen Geschäftspartner umarmt man nicht und seine Bekannten küsst man nicht auf den Mund. Insofern gilt hier wieder, dass die Aussage (in Form der Körpersprache) und die Wirklichkeit in Eingang stehen müssen. Es ist falsch den Geschäftspartner gekünstelt zu umarmen; es entspricht nicht der Beziehung zwischen Geschäftspartnern.
Unabhängig davon, welche Zwischenstufen wir setzen – also welchen  Handlung wir welchen exakten Beziehungsstand zuordnen – sind  wir uns alle einig, dass Sex die höchste Stufe (quasi 100%) darstellt. Sonst würde niemand sagen: „Schatz, da war nichts, wir hatten nur Sex.“ Auch würde keine Mädchen ihrer Freundin sagen, dass die Beziehung mit ihrem Freund einen neuen Stand erreicht habe: früher Sex, heute Händchenhalten. Um es zu wiederholen: Sex steht an der Spitze der Skala. Da wir gerade gesagt hatten eine Lüge sei es dann wenn Aussage und Wirklichkeit nicht übereinstimmen, so müssen wir doch sagen, dass dem 100% ebenso 100% Wirklichkeit gegenüber stehen müssen. Was ist nun die „100%“? Nur die Ehe. Denn sie drückt ja aus, dass man lebenslang als Lebens- und Leidensgemeinschaft (!) zusammenbleiben mag. Die Ehe ist das Ja zur gesamte Person des anderen und daher keusch.
An diesem Abschnitt, der schon eine Antwort auf die Frage nach vorehelichem Sex ist, sieht man, dass hinter körperlichen Handlungen noch auch immer Aussagen stehen. Das ist ein Grund, warum rein körperliche Handlungen verletzten können. Daran sehen wir auch, warum es schlimmer ist, wenn zwischen Partner und Fremdem eine intime Beziehung besteht, als wenn „nur“ Sex stattfindet – weil hinter der körperlichen Handlung, dann auch noch eine Wirklichkeit steht. Darum ist, wir greifen das Beispiel noch mal auf, der Pharisäer schlimmer als die Hure.
Anders gesagt der Körper ist in der Lage zu „sprechen“ und das gilt auch und gerade für die Sexualität. Die moderne Auffassung Aussage und Körper voneinander zu trennen muss sich doch als falsch herausstellen, vor allem in dem Wunsch – der in der der Single-Gesellschaft um so stärker ist – Ehe und Familie zu haben.
Weil also der Körper sprechen kann, müssen wir uns klar sein, was wir tun und, dass wir damit – wie mit unseren Worten – verletzen, wie aber auch Glück bringen können. Darum gibt es die materielle Welt – die Kirche ist ja keineswegs materiellfeindlich. Es geht immer um Seele und Leib. Der Leib ist kein Abfallprodukt, sondern bewusst geschaffen. Deswegen bekennen wir die Auferstehung des Leibes und die Inkarnation (wörtlich: „Fleischwerdung“) Jesu Christi. Eben weil der Leib nichts schlechtes ist. Und weil der Leib nicht schlecht ist, sind auch die sexuellen Freunden nicht schlimm oder sündig, sondern gottgewollt. Die Kirche hat immer gesagt die Ehe ist ein Sakrament und Sex der Vollzug des Sakramentes. .C.S. Lewis schreibt hierzu, dass die alten christlichen Lehrer der Auffassung waren, „daß die sexuelle Lust […] noch größer wäre als heute“4 wäre der Mensch nicht gefallen.
Dass die Ehe ein Sakrament ist, hat zur Folge, dass der eheliche Sex eine heiligende Handlung ist; jeder Geschlechtsverkehr stellt die gegenseitige Spendung des Sakramentes zwischen den Ehepartner dar. Manfred Lütz geht sogar so weit zu sagen man könnte dort Gotteserfahrung sammeln. Insofern ist es absolut falsch zu meinen, dass der Katholizismus die Sexualität verteufle oder meine man dürfe nur Sex haben um Kinder zu zeugen. Er fordert nur den richtigen Rahmen. Die Kirche will die Keuschheit, also die Beschäftigung mit diesem Aspekt des Seins, aber ganzheitlich. Der inflationäre Gebrauch dieses Wortes macht es teilweise schwer den Sinn dahinter zu sein. Aber wir müssen sowohl den animalischen Biologismus wie den starren Intellektualismus.

Verhütung:

Da wir nun wissen was im Kern mit Keuschheit gemeint ist, können wir uns mit einer wichtigen Frage beschäftigt: die Verhütung. Die Kirche ist hier nicht übermäßig dogmatisch, sondern folgt ihren oben dargelegten Prinzipien: Keuschheit als Integration der Sexualität in die Persönlichkeit. Das ist das ganze Ziel. Die Lehre zur Verhütung ist in gewisser Weise nur das „Mittel zur Zweck“, nämlich die Förderung der Keuschheit.
Wir wollen uns zuerst mit der Pille beschäftigen. Es ist bemerkenswert, dass hier solche Debatten auftreten, und man Katholiken – oft genug – Dummheit vorwirft. Dabei müsste selbst gottlosen Hedonisten klar sein, dass die Pille – unabhängig von irgendwelchen metaphysischen Fragestellungen – ungesund ist. Sie stellt einen massiv in den Hormonaushalt dar und hat enorme Nebenwirkungen (z.B. Thrombose). Entgegen der landläuflichen Meinung hat sich durch die Pillen der neuen Generation diese Situation nicht wesentlich verbessert. Wir müssen also um die Pille abzulehnen nicht religiös sein, sondern nur über ein gesundes Eigeninteresse verfügen.
Aber was ist mit dem Kondom? Was mit den anderen Verhütungsmitteln? Warum ist die Kirche dagegen? Hier gilt wieder, dass diese Lehre Mittel zum Zweck ist. Der Kirche geht es wiederum um die Keuschheit im oben genannten Sinne. Der Mensch ist kein animalisches Wesen, sondern ein ganzer Mensch: Seele und Leib, Vernunft und Wille. Daher kann die Sexualität nicht auf das materielle begrenzt werden. Das heißt aber auch, dass man seine Fruchtbarkeit anerkennen muss und seine Natur mit. Pfarrer Dr. Prader sagte dazu, dass die Trennung von Fruchtbarkeit und Liebe in der Ehe kein bedingungsloses „Ja“ sei, sondern nur ein „Ja,aber.“5
Weil es der Kirche also um die Integration der Sexualität geht, ist sie für die natürliche Empfängnisregelung (NER). Kurz gesagt heißt das, dass man diejenigen Tage auslasst, an denen die Frau fruchtbar ist. Die Pillen-Enzyklika Humanae vitae von Papst Paul VI. erlaubt ausdrücklich NER. Aber warum ist die Kirche für diese Möglichkeit – die übrigens so sicher ist wie die Pille. Eben weil sie die Integration will. Denn NER hat zwei Folgen: 1. Ich muss mir über meine Sexualität im Klaren sein. Der Mann muss darüber nachdenken, was da eigentlich passiert. 2. Noch viel wichtiger ist, dass die Ehepartner miteinander reden! Über Bedürfnisse und Wünsche, über die Zukunft und ihren Lebensplan miteinander reden. Gerade diese Vorgang führt zur Keuschheit. Eben weil der Mensch ein ganzer ist und seine Sexualität in seiner Persönlichkeit integrieren soll und mit seinem Partner lebt ist NER der richtige Weg. Er ist schwer ja. Er ist ein Ideal, ja. Aber schon der Sl. Kardinal Newman sagte: „Gebt euch mit nichts geringerem als mit der Vollkommenheit zufrieden“6 Wenn wir scheitern, so müssen wir wieder aufstehen. Mühsam, aber heilsam.
Dass es der Kirche um die Keuschheit als Ziel geht, sieht man u.a. daran, dass die Kirche es gutheißt, wenn in einer Ehe mit einem HIV-Positiven Partner ein Kondom benutzt wird – ja sogar soll; dass der Partner darauf bestehen soll. Aber hier ist wieder: Integration der Sexualität in der Persönlichkeit und gemeinsames Sein. Was speziell die Kondome angeht, so gibt es ein großes Missverständnis: wenn wir uns den afrikanischen Kontintent ansehen wie viele Menschen sind Katholiken? Wie viele Menschen sind so katholisch, dass sie keine Kondome benutzen? Von dieser Gruppe wie viele wurden mit AIDS geboren oder wurden vergewaltigt (als ob der Vergewaltiger wegen dem Papst kein Kondom benutzt)? Wie viele dieser Menschen haben öftig wechseltende Sexualpartner oder vorehelichen Sex? Wir werden feststellen, dass es die besagten Katholiken die angeblich wegen der Kirche in Massen an AIDS erkranken nicht gibt. Zudem ist die kirchliche Sexuallehre ein effektiverer Schutz. Darüberhinaus wird oft vergessen, dass einige Männer Kondome – unabhängig von ihrer Konfession – als Einschränkung ihrer Männlichkeit betrachten.

Fassen wir also zusammen: die Keuschheit ist die Integration der Sexualität in die Persönlichkeit und das bewusste Leben mit ihr. Weder Überhöhen noch verteufeln. Es geht darum, dass der ganze Mensch die Sexualität als Teil seines Seins begreift, sich aber über ihr Wesen klar ist. Sich klar ist, dass er eine Person darstellt. Bei der Keuschheit geht es um ein richtiges Maß – um Maß und Mitte. Keuschheit ist der Aufruf zu Maß und Mitte in Sexualität und Liebe. Der Weg zur Verwandlung.

http://www.stjosef.at/dokumente/humanae_vitae.htm Papst Paul VI. – Humanae Vitae

Sehr zu empfehlen ist die Diskussion zwischen drei jungen katholischen Christen: http://www.youtube.com/watch?v=v-PtVm_es7E (Sex, Kirche, Gott und so) Die Videos eines Diskussionsteilnehmers – Raphael Bonelli – auf kathtube (http://kathtube.com/index.php?men=1&)

Fulton J. Sheen – Youth and Sex Vier Parts http://www.youtube.com/watch?v=3ZgWOmnSoIY

Zudem sei auf Johannes Hartl verwiesen mit seiner Lehrreihe „Am sechsten Tag schuf Gott den Sex“ und „Sex gehört in die Ehe. 26 Argumente.“ Beides zu finden auf Youtube.

1. C..S. Lewis – Pardon, ich bin Christ, S. 98
2. a.a.O, S. 99
3. a.a.O, S. 98
4. a.a.O, S. 95
5. http://gloria.tv/?media=105220 Pfarrer Dr. Helmut Prader: „Natürliche Empfängnisregelung als Weg ehelicher Treue und Erfüllung“ Vortrag am Weltgebetskongress für das Leben in Rom, Oktober 2012
6. „Heiligkeit notwendig zur Seligkeit.“ – Predigten, Band 1

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2 Antworten zu Keuschheit – Betrachtungen einer verkannten Tugend

  1. Bene schreibt:

    Hi, ich habe den Artikel gelesen und fand ihn im Vergleich zu anderen Kirchlichen Schriften und Aussagen sehr passend. In vielen Punkten will ich gerne Recht geben. Nur 2 Punkte stören mich.
    1. Das hier behauptet wird, dass die natürliche Verhütung nach dem Kalender genau so sicher sei wie die Pille zu nehmen. Dies ist mit Sicherheit nicht der Fall.
    2. Das die kirchliche Lehre nicht an dem Massen-Aids-Erkranken schuld sei weil die Menschen dort keine Kondome benutzen.
    Es gibt einschlägige Dokus wo Betroffene Personen angeben, dass die katholische Kirche sagt, dass man wenn man Kondome benutzt in die Hölle kommt etc.
    Wo ehrenamtliche Frauen Kistenweise Kondome verteilen um ihrer an Aids erkrankten Bevölkerung zu helfen, aber gleichzeitig fürchten nicht in den Himmel zu kommen, weil sie ja dadurch sündigen. Das Problem der Menschen dort ist nicht, dass es dort zu wenig Kondome gibt, sondern dass die Kirche nicht hinter der Verhütung steht. Das ist meiner Meinung einfach millionenfache schwere Körperverletzung.

    Weswegen ich diesen Artikel gelesen habe ist, dass ich selber seit 2 Wochen keusch lebe. Also keine Masturbation. Gut Pornos gucke ich noch… Ich bin männlich, 24 Jahre, gutaussehend, aber nie in einer Beziehung gewesen. Und irgendwann habe ich mir gedacht, dass die übermäßige Selbstbefriedigung mir bei der Partnersuche im Wege steht, da man es unterbewusst nicht „nicht nötig hat“ irgendwo (Stadt, Disco, Bar, Supermarkt) Frauen anzusprechen wenn man ständig befriedigt ist oder im Internet totalen Zugriff auf nackte Frauen hat.
    Und in der Tat, seit dem ich weder Samenerguss noch Orgasmus hatte fühle ich mich irgendwie besser und kann auch besser auf Frauen zugehen und sie ansprechen…..

    • christscha schreibt:

      Hallo,
      ich freue mich sehr über Ihren Kommentar. Ich hoffe, dass es mir im Folgenden gelungen ist auf Ihre Anregungen so gut wie möglich einzugehen. Über weitere Anregungen würde ich mich sehr freuen.

      „Das hier behauptet wird, dass die natürliche Verhütung nach dem Kalender genau so sicher sei wie die Pille zu nehmen. Dies ist mit Sicherheit nicht der Fall.“
      Das Problem ist, dass das Wort „natürliche Empfängnisregelung“ mehr ein Oberbegriff ist und alle Formen und Methoden umfasst, die natürlich unterschiedlich sicher ist. Das sehr bekannte „Kalender zählen“ ist recht primitiv und unsicher.
      Wenn wir uns dagegen die Methode von Prof. Rötzer ansehen (symptothermale Methode) hat diese, wenn man sie richtig anwendet, d.h wirklich die fruchtbaren Tage auslässt, eine sehr hohe Sicherheit.
      Um die Sicherheit von Verhütungsmittel zu messen wird der sogenannte „Pearl-Index“ benutzt. Die Rötzer-Methode hat einen Pearl-Index, der, je nach Studie, der Pille doch recht nah kommt. Generell sollte man sich jedoch immer vor Augen führen, dass es 100%ige Verhütung schlicht nicht gibt. Wer um keinen Fall in der Welt Schwangerschaft „riskieren“ will, muss schlicht auf Sex verzichten.
      Für den Pearl-Index siehe z.B: http://www.gynaekologie.hexal.de/verhuetung/entscheidungshilfen/

      „Das die kirchliche Lehre nicht an dem Massen-Aids-Erkranken schuld sei weil die Menschen dort keine Kondome benutzen.“
      Ihre zweite Frage führt etwas weiter. Zum einen: Ist Verhütung eine Sünde? Ja, eindeutig, das lässt sich von einem katholischen Standpunkt aus kaum leugnen. Nun zum zweiten Teil: Kommt man, wenn man verhütet, in die Hölle? Hier kommt man tief in den Bereich von Erlösung, Vergebung usw. Generell ist es ja so, dass jeder Mensch ein Sünder ist. Aus eigener Kraft kann niemand in den Himmel kommen. Gott ist freilich geneigt jedem von uns zu vergeben.
      Es ist auch wichtig zu bedenken, was „Himmel“ eigentlich ist. Viele denken das als eine Art Test: Wer 1.000 Punkte hat kommt rein, wer weniger hat ist „durchgefallen“ und landet in der Hölle. Der Himmel ist die Gemeinschaft mit Gott, was freilich verlangt, dass man diese auch wirklich will. Für diejenigen, die noch nicht „bereit“ sind, d.h noch mit ihrem Sünden zu kämpfen haben, gibt es schließlich das Fegefeuer.

      Nun zum eigentlichen Thema. Ich wollte schon seit längerer Zeit einen ausführlichen Artikel darüber schreiben, aber ich bin die letzten Monate leider sehr eingebunden und dazu noch nicht gekommen; weshalb ich auch erst jetzt auf Ihren Kommentar antworten kann, wofür ich um Entschuldigung bitte.
      Nun gut, betrachten wir das Problem. Um die Frage zu beantworten, ob die Kirche Schuld trägt am Leiden der Menschen, muss man sich mehrere Fragen stellen: 1). Behindert die Kirche die Behandlung? Offensichtlich nicht. Die Kirche hat, und das bestreitet niemand, nichts gegen die entsprechende medikamentöse Behandlung.
      2). Fördert die Kirche die Verbreitung von AIDS? Das ist die eigentliche Frage.
      Wie bekommt man AIDS? Hier gibt es im wesentlichen drei Möglichkeiten: 1). Über die Mutter während der Schwangerschaft, 2). Durch verunreinigte Nadeln oder Blut von AIDS-Kranken u.ä. und 3). Sex.
      Fall 1 ist recht leicht. Um die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung während der Schwangerschaft zu senken, gibt es entsprechende Medikamente. Ist die Kirche gegen diese Medikamente? Nein.
      Fall 2: Ist die Kirche dafür, dass Menschen Bluttransfusionen von HIV-Positiven bekommen? Ist sie gegen Hygiene bei Nadeln? Offensichtlich kann man der Kirche hier nichts vorwerfen.
      Nun Fall 3: Sex. Diesen Fall muss man genauer gliedern: 3.1 Sex in der Ehe, 3.2 Sex außerhalb der Ehe, 3.3. Prostitution, 3.4 Vergewaltigung
      Es ist allgemein bekannt, dass die Kirche lehrt, dass Sex in die Ehe gehört. Betrachten wir also den Fall von einem Ehepaar, wobei einer von ihnen HIV-positiv ist. Verbietet die Kirche hier Kondome? Nein! Wieso? Die Kirche ist gegen alle Mittel der künstlichen Empfängnisverhütung, aber unser Ehepaar hier benutzt Kondome nicht, um die Empfängnis zu verhüten, sondern um AIDS zu verhüten. Die empfängnisverhütende Wirkung ist eine „Nebenwirkung“ und wird nicht aktiv angestrebt, so wie bei einem Medikament. Auch hier nimmt man negative Konsequenzen im Kauf, weil man die positive Wirkung des Medikamentes haben will.
      => 3.1 Sex in der Ehe: Die kirchliche Lehre trägt nicht zur Verbreitung von AIDS bei.

      Nun Sex außerhalb der Ehe. Die Kirche lehnt diesen rundum ab. Wenn jemand einen One-Night-Stand hat oder durch seine Freundin AIDS bekommt, kann man wohl kaum der Kirche die Schuld geben, denn die Kirche kritisiert ja den Akt an sich. Hätte man sich an die Lehre der Kirche gehalten, wäre der Akt – und dadurch die Übertragung – nie passiert.
      => 3.2 Sex außerhalb der Ehe: Die kirchliche Lehre trägt nicht zur Verbreitung von AIDS bei.

      Prostitution ist ähnlich. Würde man sich an die kirchliche Lehre halten, gäbe es das Problem nicht. Nun ist es jedoch so, dass die Kirche den Gebrauch von Kondomen zur AIDS-Prävention bei Prostitution ausdrücklich erlaubt (!), denn wenn man schon ein Übel begeht, soll es wenigstens das kleinere Übel sein.
      => 3.3. Prostitution: die kirchliche Lehre trägt nicht zur Verbreitung von AIDS bei

      Vergewaltigung ist offensichtlich nicht von der kirchlichen Lehre gedeckt. Es gibt wohl keinen Vergewaltiger der sich sagt: „Ich vergewaltige jetzt diese Frau, aber weil die Kirche das sagt, werde ich kein Kondom benutzen.“ Ein Katholik, der sich an die Lehren seiner Kirche hält, wird wohl kaum bei Vergewaltigung die Lehre brechen, aber die Lehre von der Ablehnung der Empfängnisverhütung befolgen.
      => 3.4. Vergewaltigung: die kirchliche Lehre trägt nicht zur Verbreitung von AIDS bei

      Wenn wir uns all diese Fälle ansehen, fällt es mir schwer zu sehen, wo und inwiefern die Kirche an AIDS schuld sein soll. Die Anwendung ihrer Lehren hatten z.B in Uganda zu einer starken Reduktion von AIDS geführt. Es ist also nicht so, dass die kirchliche Lehre in den AIDS-Tod führt. Im Gegenteil.
      Außerdem sollte man nicht so tun, als sei Afrika ein katholischer Kontinent. Man kaum wohl kaum argumentieren, dass ein protestantischer Afrikaner keine Kondome benutzt, weil der Papst es sagt. Es wäre recht nützlich sich die konfessionelle Verteilung in Afrika genau anzusehen.
      Diese Tabelle von dieser Website (http://www.k-l-j.de/empfaengnisverhuetung.htm) zeigt auch deutlich, dass ein höherer Anteil an Katholiken an der Bevölkerung nicht zu einer höheren AIDS-Rate führt.

      Dass Sie keusch leben, freut mich sehr. Ich wünsche Ihnen alles gute.

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