Umverteilung und die Frage der Gleichheit

„We are all unequal. No one, thank heavens, is like anyone else, however much the Socialists may pretend otherwise.“ Margaret Thatcher1

In diesen Krisentagen erleben wir einen Aufstieg des Egalitarismus: in Form der amerikanischen Occupy Bewegung und der – Gott sei Dank schwachen – „Umfairteilen“-Bewegung in Deutschland. Man sah es auch schon zur Bundestagswahl 2009 als die Linkspartei auf ihren Plakaten forderte „Reichtum besteuern“. Komischerweise forderte sie gleichzeitig „Reichtum für alle“ – also im Grunde Besteuerung für alle. Auch die Gewerkschaften waren wieder dabei Dinge auf anderer Leuten Kosten zu fordern. DGB-Chef Sommer trat für eine Zwangsanleihe ab 200.000€ Vermögen ein. Dazu kommen allgemein noch die „Reichensteuer“ und die Finanztransaktionssteuer die merkwürdigerweise „Steuer gegen Armut“ genannt wird.
Nun könnte man die berechtigte Frage stellen ab wann man reich ist. Die Linkspartei will schließlich ab 52.000€ 56% Spitzensteuersatz und das Ehegattensplitting schaffen. Ist man ab 52.000€ Einkommen (betrifft auch Personengesellschaften, also den Handwerker um die Ecke) und 200.000€ Vermögen wirklich so reich? Was ist mit dem Fakt, dass die obersten 10% der Steuerzahler 50% des Steueraufkommens erbringen? Was mit der Staatsquote von circa 45% (man erinnere sich daran, dass Helmut Kohl sagte ab 50% beginne der Sozialismus). Frau Kipping ist ja der Auffassung ab 40.000€ im Monat müsse Schluss sein. Es ist sehr tröstlich, dass Personen die auf Kosten anderer Leben so fleißig sind neues Geld einzutreiben. Im diesem Kontext fällt mir immer ein Satz von Milton Friedman über die amerikanischen Linken – die sich paradoxerweise „liberal“ nennen – ein: „The Modern Liberal is only liberal with others peoples money.“2
Aber was müssen wir vom Egalitarismus halten? Zuerst wollen wir den Egalitarismus kritisieren und in einem zweiten Schritt aber auch die radikal libertäre Lehre kritisieren.

I.
Wie muss man also vom Egalitarismus denken? Ist es positiv was die Egalitaristen rufen? Zunächst einmal müssen wir uns im Klaren sein, dass der totale Egalitarismus mit der Marktwirtschaft unvereinbar ist. Was bringt Eigentum, wenn der Staat mit Steuern darüber bestimmt? In einer egalitaristischen Gesellschaft besteht das Eigentum nur nomimal. Im einem „Fiskalsozialismus“, der „30-40 Prozent des Volkseigentums […] in Anspruch wird die Marktwirtschaft zersetzt.“3 Vor allem der Fiskalsozialismus in Bezug auf die Erbschaftsteuer ist fatal. Er ist nicht nur mit dem vom Grundgesetz garantierten Eigentumsrecht unvereinbar, – denn was bringt Eigentum, wenn man es nicht vererben kann – sondern frisst auch Kapital auf, das so nötig ist um Wohlstand zu schaffen. Dieses Beispiel zeigt, dass die totale „Gleichheit der Ausgangspunkte“ mit einer freien Gesellschaft unvereinbar ist. Denn was soll der Handwerker tun, wenn er seinen Betrieb nicht vererben darf? Es bringt daher niemandem etwas, wenn wir „Kapitalvergeudung durch unproduktive Staatsausgaben“4 praktizieren. Man muss hier schon nationalökonomisch fragen wozu führt die Mehrung des Kapitals? Den Sozialisten ist dieser simple Umstand nicht klar. Je mehr Kapital, desto reicher ist das Land – und zwar in der Gesamtheit. Warum ist Algerien ärmer als Frankreich und das Lohnniveau niedriger? Weil Frankreich über mehr Kapital verfügt. Unter diesem Gesichtspunkt ist der Fiskalsozialismus gerade eine Missetat an den Armen in einer Gesellschaft. Daher schreibt Wilhelm Röpke, dass die Situation „um so ungünstiger für das Arbeitseinkommen [ist], [….] je kapitalärmer ein Land ist.“5 Röpke sagt uns weiter, dass „damit einer wirklich aussichtsreichen Politik der Hebung des nationalen Lohnniveaus der Weg gewiesen [ist]: Vermehrung des Kapitalreichtums.“6 Den gleichen Weg weist uns Ludwig Erhard: „Diese Erhöhung der wirtschaftlichen Leistungseffizienz ist aber nun keineswegs Selbstzweck. Der Tatbestand der sozialen Marktwirtschaft ist vielmehr nur dann als voll erfüllt anzusehen, wenn entsprechend der wachsenden Produktivität zugleich Preissenkungen wirksam und damit echte Reallohnsteigerungen möglich werden.“7 Die Betonung liegt aus „echte Reallohnsteigerungen“. Denn damit ist nicht etwa die Forderung der Gewerkschaften gemeint man müsse den Lohn nominal um x% erhöhen, sondern vielmehr, dass – durch die Mehrung des Kapitals – die Wirtschaft produktiver wird und dadurch die Preise senkt. Durch diese Senkung steigt die Kaufkraft des Lohns.
Das zeigt uns auch den Weg einer normalen Marktwirtschaft: in ihr sinken die Preise, steigt das Kapital, nehmen Produktivität und Lohn zu – der Wohlstand nimmt für immer mehr Menschen zu. Deswegen ist die Marktwirtschaft also solche sozial. In dieser Hinsicht ist der Ausspruch Erhard die Wirtschaft sei umso sozialer, je freier sie ist zu verstehen. Oder um noch mal Wohlstand für alle zu zitieren: „Die Wettbewerbswirtschaft aufrechtzuerhalten entspricht in jedweder Hinsicht einem sozialen Gebot.“8
Der Egalitarismus zerstört nun die Marktwirtschaft. Freilich ist sein Ziel deswegen nicht widerlegt. Ökonomische Gleichheit – sogar absolute – ist möglich. Die Frage ist nur: auf welchem Niveau? Egalitarismus kann uns nur Gleichheit in Armut bringen. Die Marktwirtschaft schafft zwar nicht Gleichheit, aber größeren Wohlstand. Selbst den ärmsten Menschen in Deutschland geht es besser, als den Reichsten in radikal egalitaristischen Staaten. Das Ehepaar Friedman weißt darauf hin, dass die Ungleichheit in China trotz Maoismus immer noch genauso ist, ja dass es sogar Anzeichen gibt, dass sie noch größer wurde.9 In den kapitalistischen Ländern ist die Ungleichheit kleiner. Überall wo der frei Markt wirkt, schließt sich die Lücke, die Einkommen werden auf höherem Niveau gleicher. Wenn wir 200 Jahre zurückblicken, werden wir feststellen, dass die Armen reicher sind, während die Reichen gleich oder sogar weniger reich sind.
Wir müssen zudem darauf hinweisen, dass Kritik am Egalitarismus nicht Kritik an Moral ist. Nur Vulgarliberale wie Ayn Rand sind nicht der Lage zu verstehen, was Adam Smith meinte wenn er von der „unsichtbaren Hand“ sprach. Er propagierte nicht den Egoismus – schließlich heißt sein anderes großes Buch „Theorie der ethischen Gefühle“. Was Smith sagte, war vielmehr, dass eine Ordnung entsteht, obwohl die Teilnehmer sich darauf nicht verständigen. Milton Friedman fasst es schön zusammen: „Eigennutz ist nicht kurzfristige Selbstsucht. Er ist immer genau das, was die Teilnehmer interessiert, was sie auch immer hoch schätzen, welche Ziele sie auch immer verfolgen. Der Wissenschaftler [….], der Missionar […], der Philanthrop […] – sie alle verfolgen ihre eigenen Interessen.“10
Worum es Menschen wie Friedman geht, ist nicht Egoismus, sondern die Frage wie man Gerechtigkeit erzeugt. Es ist sehr einseitig zu meinen Unternehmer und Marktwirtschaftler seien nur auf Profit aus. Man muss nur die Wirkungsstätte von Friedman Chicago ansehen: privater Unternehmer finanzierten uneigennützig das Art Institute, die Newberry Bibliothek, das Chicago Symphonie-Orchester, die Universität, das Field-Museum, die Crear-Bibliotetik usw.11 Das Ehepaar Friedman resümiert daher: „Es besteht keine Diskrepanz zwischen dem […] freien Markt und dem Streben nach sozialen und kulturellen Zielen. Es gibt auch keinen Widerspruch zwischen einem freien Marktsystem und dem Mitgefühl.“12 Es gäbe nur zwei Arten diesen Zielen nachzugehen ob 90% aus unserer Mitte bereit sind für die ärmsten 10% zu zahlen, oder ob 80% der Menschen darüber befinden, ob die oberen 10% Steuern zahlen sollen. Sozial kann nicht heißen, ich zahle gar nicht, während der andere mehr zahlt.
Der Begriff des Mitgefühls bzw. der Solidarität ist für Egalitaristen ein zentraler. Aber sie verstehen nicht, dass ihre Weltanschauung dem gegenüber steht. Denn einerseits wird der Neid geschürt, andererseits wird alles kommerzialisiert – etwas was Egalitaristen ebenso verabscheuen. Aber indem sie alles verstaatlichen – Ehrenamt, Caritas, private Wohlfahrt – wird aus einem privaten solidarischen Dienst, eine staatliche Leistung, die den Regeln unpersönlicher Bürokratie unterliegt. Es ist daher grotesk, wenn Linke das Ehrenamt verteufeln oder wie die Piraten Caritas und Diakonie verstaatlichen wollen. Sie zerschlagen gerade die Solidarität, um ihre sozialistischen Ziele zum Erfolg zu bringen. Zudem müssen wir uns doch fragen wer es besser machen würde: Menschen, die ehrenamtlich an etwas arbeiten, oder Bürokraten? Das soll keine Verteufelung der Bürokratie sein. Denn „würde man Unternehmer zu Gewerkschaftsführen, alle Gewerkschaftsführer zu Ärzten, alle Politiker zu Arbeiter machen – sie würden sie ebenso verhalten wie Gewerkschaftsführer, Ärzte und Politiker heute.“13 Es ist folglich eine Frage der Organisationsstruktur.
Wie verhält es sich aber jedoch mit der Unterschiedlichkeit der Einkommen? Die Egalitaristen sagen uns oft, es sei ungerecht, dass der Manager x-mal mehr Geld erhalte, als der Arbeiter. Das verkennt drei Dinge: 1. Ein Großteil der Ungleichheit in unserem System hat mit dem Markt zu tun. Wir sind – wie Ludwig Börne schreibt – „Noterbin der Vergangenheit“. Daher haben wir große Teile der Ungleichheit geerbt, die uns Feudalismus und Merkantilismus gebracht haben. Dass die Queen viele Paläste hat, während andere Obdachlos sind, hat nichts mit dem Markt zu tun. 2. Die Einkommenshöhe stellt auch den Nutzen dar, den der Einzelne erbringt. Wer Abhilfe für eine besonders große Knappheit schafft, hat ein höheres Einkommen. Anders als der Marxismus behauptet hat der Unternehmer davon nicht den Hauptteil. Engels stellt fest, dass Erfinder wie z.B. Haber und Bosch nicht viel von ihrem gestifteten Nutzen hatten. Ihre Erfindung brachte circa 270 Mrd. DM gesellschaftlichen Nutzen, ihr Vermögen war ein Bruchteil davon.14 3. Das Geldsystem. Es ist ein Rätsel, wie vor allem Linke immer wieder die Notenpresse anwerfen wollen, die doch die Gleichheit bedroht. Die hohen Gehälter der Aktiengesellschaft gehen im wesentlichen auf das staatliche Notenbanksystem zurück: die Notenbank drückt Geld aus dem Nichts, die Banken schaffen Buchgeld. Die Banken bekommen als erstes Geld durch die Verschuldungspolitik wird das Steuergeld zu den Gläubigern umverteilt. Da es aber mehr Geld als Waren gibt, gibt es Inflation, die gerade die Ärmsten trifft. Zudem geht das Geld vor allem in den Finanzmarkt, wo es Blasen bildet, was zu Krisen führt. In einem marktwirtschaftlichen Geldsystem mit Edelmetalldeckung hätten wir Deflation, also fallende Preise. Aber nicht die künstliche Deflation des Notenbanksystems, sondern eine wirkliche wie sie oben beschrieben ist. Daher sollten es gerade die Armen sein, die fordern müssten die Notenbank zu entmachten.
Das letzte und größte Argument gegen den Egalitarismus liegt in der Frage des Ziels. Unser Ziel muss doch sein, dass die Menschen selbstständig leben können. Wir dürfen es doch nicht als positiv betrachten, dass Menschen vom Sozialstaat leben. Wir sollten doch eher fragen was wir tun können, damit diese Menschen in Arbeit und Eigenständigkeit kommen, auch unabhängig vom ökonomischen Nutzen. „Ist es etwa ein Fortschritt,“ fragt Röpke „wenn wir den Kreis der als wirtschaftlich unmündig zu Behandelten und daher vom Kolonssalvormund Staat zu Betreuenden immer weiter ziehen?.“15 Er fragt weiter, ob wir nicht die Gerechtigkeit und den Fortschritt unseres System darin messen sollten in wieweit die Menschen auf eigenen Füßen stehen sollen. Darum muss es uns doch gehen. Nur diese Sozialpolitik (von Alexander Rüstow Vitalpolitik genannt) „ist schließlich freier und und mündiger Bürger würdig.“16 Der Egalitarismus macht nicht frei; Umverteilung schafft keine Gerechtigkeit. Vielmehr die Streuung des Eigentums – das was Thatcher Volkskapitalismus und Chesterton Distributismus nannte. Nicht die staatliche Hoheit und Verteilung, sondern die Streuung muss doch als vernünftiges Ziel gesetzt werden. Thatcher verglich diese Aufgabe mit den großen demokratischen Wahlrechtsreformen in England. War es früher um die politische Einbindung gegangen, so gehe es heute darum die Menschen in das wirtschaftliche Leben einzubinden, indem sie Teilnehmer werden. Man kann hier nur immer wieder William Boetcker zitieren: „Ihr werdet die Schwachen nicht stärken, indem ihr die Starken schwächt. Ihr werdet denen, die ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, nicht helfen, indem ihr die ruiniert, die sie bezahlten. Ihr werdet keine Brüderlichkeit schaffen, indem ihr Klassenhass schürt. Ihr werdet den Armen nicht helfen, indem ihr die Reichen ausmerzt. Ihr werdet mit Sicherheit in Schwierigkeiten kommen, wenn ihr mehr ausgebt, als ihr verdient. Ihr werdet kein Interesse an den öffentlichen Angelegenheiten und keinen Enthusiasmus wecken, wenn ihr dem Einzelnen seine Initiative und seine Freiheit nehmt. Ihr könnt den Menschen nicht auf die Dauer helfen, wenn ihr für sie tut, was sie selber für sich tun könnten und sollten.“17 Wenn Armut das Problem ist, kann es nicht angebracht sein den Reichtum zu besteuern. Wenn wir keine Armut wollen, können wir nicht den Reichtum bekämpfen.

II.
Nun zu einer Kritik am Libertarismus. Der „orthodoxe“ Libertarismus lehnt jede Form staatlicher Fürsorge ab. Ayn Rand geht sogar soweit zu meinen Altruismus als moralisch anzupreisen. Wobei sie dafür weder eine stichhaltige Beweisführung erbringt, noch erkennt, dass sie mit Moral die Unmoral moralisch zu rechtfertigen versucht.
Aber was müssen wir von dieser Philosophie halten? Ist wirklich jede Form staatlicher Fürsorge abzulehnen? Selbst die Libertären in Deutschland – die Partei der Vernunft – mag nicht so weit gehen. Es gibt aber auch radikalere Libertäre.
Zunächst einmal gibt es freiwillige Umverteilung. Wenn jemand spendet wird Eigentum verteilt. Nur geschieht dies freiwillig. Das gleiche trifft auf Versicherungen zu. Diese Form der Umverteilung befürworten die Libertären, während sie den Zwang strikt ablehnen und das Eigentumsrecht für absolut halten.18 Ich finde es immer merkwürdig, wenn Libertäre einerseits jeden (!) Zwang ablehnen, aber gleichzeitig den Staat befürworten. Freilich Zwang ist nicht schön, aber manchmal nötig (z.B. bei Kindern). Der Staat ist auf Zwang aufgebaut und Steuern sind immer Umverteilung. Keine libertäre Staatsreform kann das ändern. Wenn wir Steuern für die Polizei eintreiben oder eine Straße bauen hat davon immer einer andere Person einen Nutzen. Vielleicht wird eine Straße gebaut, die ich kaum oder gar nicht nutzte. Vielleicht fährt die Polizei Streife in einem Viertel, indem ich nicht wohne. Das heißt wer Zwang sei absolut und immer (!) abzulehnen, muss den Staat ablehnen und Anarcho-Kapitalist werden, wobei auch der Versicherungsstaat Probleme der externen Effekte und des Trittbrettfahrertums als Problem hätte. Die libertäre Lösung der sozialen Ausgrenzung19 kann da keine Lösung sein.
Der Liberale freilich ist kein Freund des Zwangs, aber er weiß dass er manchmal nötig ist. Man muss ihn minimieren, indem man die Staatsmacht an bestimme Aufgaben bindet. Der Vater der Marktwirtschaft Adam Smith nannte drei Aufgaben des Staates: 1. Gesellschaft vor Gewalt schützen, 2. Schwache vor Ungerechtigkeit schützen und 3. Aufgaben übernehmen, die zu teuer sind für einzelne (z.B. Straßen).20 Uns beschäftigt hier die zweite Aufgabe. Darunter ist nicht eine sozialdemokratische Umverteilungs- und Eingriffspolitik zu verstehen. Es ist in Bezug auf Punkt 1 zu verstehen: Schutz der Rechte. Der Staat setzt bestimmte Mindeststandards durch. Er verbietet Kinderarbeit, Sklaverei usw. Der Staat kümmert sich um „soziale Externe Effekte“, die der Markt nicht unbedingt von selbst beseitigt.
Daher ist es berechtigt, wenn der Staat Zwang ausübt und das Eigentumsrecht beschneidet, d.h. wenn er z.B. Sklaven befreit. Darüber hinaus muss doch gelten, dass nicht wegen dem Egoismus der Einzelnen und dem Legalismus (!) der Libertären andere verhungern sollen. Was ist wenn eine Hungersnot ausbricht und die Besitzer nicht wollen geben wollen? Soll das Volk verhungern? Ist es hier nicht angebracht, wenn der Staat die Besitzer zwingt – natürlich verhältnismäßig – etwas Essen herauszugeben?

III.
Es seien noch ein paar Schlussbemerkungen gemacht, die sich auf das Anfangszitat beziehen: Menschen sind nicht gleich. Das gilt nicht nur für den Charakter, sondern auch für den Menschen als Wirtschaftssubjekt. Der Mönch ist notwendigerweise ärmer, als der Handwerker. Der Minderproduktive kann nicht nicht so viel für sich produzieren. Das Leben ist leider ungerecht und kein System der Welt kann daran etwas ändern. Es ist ungerecht, wenn Kinder an Krebs sterben oder blind geboren werden. Das ist zu tiefst zu bedauern, aber wir müssen die Welt nehmen wie ist und versuchen das beste daraus zu machen. Aber eine bessere Welt bringt der Egalitarismus leider nicht. Er verschlimmert das Problem nur. Die Umfairteilung ist daher eine Unfairteilung.

1 Margaret Thatcher – Speech to Conservative Party Conference, 10.10.1975
2 Milton Friedman – Rights of the Worker (Q&A) (Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=n-n8P9ABiII)
3 Wilhelm Röpke – Jenseits von Angebot und Nachfrage, S. 45
4 Wilhelm Röpke – Die Lehre von der Wirtschaft, S. 265
5 a.a.O, S. 265
6 a.a.O, S. 265f.
7 Ludwig Erhard – Wohlstand für alle, S. 208
8 a.a.O., 209
9 Milton & Rose Friedman – Chancen, die ich meine, S. 165
10 a.a.O., 39
11 a.a.O., S.157
12 ebenda
13 Wolfram Engels – Mehr Markt, S.18
14 a.a.O., S. 36
15 Wilhelm Röpke, Jenseits von Angebot und Nachfrage, S. 214
16 ebenda
17 William Boetchker – The Ten Cannots
18 Kritik an letzterer Behauptung zu finden bei: Fulton J. Sheen – Does Capitalism still exists?
19 Oliver Janich – Diskussion zum Vortrag im Bamberg (Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=BkMQaXFsyQU)
20 Gemäß Milton & Rose Friedman – Chancen, die ich meine, S. 41

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2 Antworten zu Umverteilung und die Frage der Gleichheit

  1. alphachamber schreibt:

    Lieber Autor,
    Ihr Essay über die Umverteilung ist erfrischend und zeugt von überdurschnittlichen Kenntnisse dieser Materie. Leider fehlt, wie in den meisten politischen Debatten (bei Ihnen guterweise weniger), die ordentliche philosophische Grundlage. Sie zitieren u.a. Smith, Friedman und Rand, in diesen Zusammenhängen nicht überzeugend, vielleicht, weil Ihr Ansatz zu breit ist.
    Ich stimme Ihnen 100% zu, was die Unmoral der Umverteilung betrifft; argumentiere aber auf verschiedenen Weise. Ayn Rand haben Sie entweder nicht richtig (vollständig) gelesen (oder verstanden?). Dass Sie Rand als „Vulgärliberale“ bezeichnen, zeigt, dass sie Rands Thesen entweder nur von „Wikipaedia“, oder von politisch korrekten Kommentaren her kennen.
    Lenin (?) sagte: Mit den Deutschen wird eine Revolution nie etwas; wenn sie einen Bahnhof stürmen, kaufen sie erst eine Bahnsteigskarte…“ Elemente dieser Haltung erkennt man auch in Ihrem Text. Dieser Platz laesst lange Kommentare nicht zu. Daher so kurz es geht:
    1.) Die Tugend der Produktivität ist die Erkennung der Tatsache, dass produktive Arbeit den Prozess bildet mit dem der Verstand (Geist) des Menschen dessen Leben erhält. Sie ist der Weg zu grenzenlosen Leistungen und erfordert die höchsten Charaktereigenschaften: Kreativität, Weitsichtigkeit und Ehrgeiz und des Menschen Weigerung, unfreiwillig Katastrophen hinzunehmen. Dabei ist weder das Maß der Fähigkeit eines Menschen, noch der Umfang seiner Arbeit entscheidend, sondern der umfassende und zielgerichtete Einsatz aller seiner Sinne und Talente. [Anmerkung: dies ist also keine eugenistische Einstufung einer Person nach dem Umfang seiner geschaffenen materiellen Werte; sondern nach dem Grade, mit dem er seine mitgegebenen Fakultäten eingesetzt hat.]
    Die Tugend des Stolzes ist die Erkenntnis, dass wir das Produkt unserer erschaffenen Werte sind und dass wir die materiellen Dinge, die zu unserem Lebensunterhalt erforderlich sind, auch selbst produzieren (oder verdienen) müssen. “Moralischer Ehrgeiz” heißt, dass man sich das Recht, sich selbst als den höchsten Werte-Standard bei dem Erreichen seiner moralischen Perfektion einzusetzen, erst verdienen muss.
    2.) Rands Objektivistische Ethik
    Der moralische Kannibalismus aller hedonistischer und altruistischer Ethik liegt in der Annahme, dass das Glück des Einen das Elend des Anderen erfordert. Heutzutage gilt diese Annahme als weitverbreitetes soziales Prinzip, besonders das, der Linken und der Liberalen. Diese Prämisse bedeutet das Geständnis einer Gesellschaft, dass es (nach Ihrem eigenen Glauben) im Selbstinteresse ihrer Mitglieder liegt, andere zu schädigen, versklaven, enteignen oder zu vernichten – auf was alle Mitglieder natürlich selbstlos verzichten müssen! Die Idee, dass das Selbstinteresse der Menschen nur durch ein nicht-aufopferndes Verhältnis untereinander erreicht werden kann, ist den humanitären Aposteln der Selbstlosigkeit entgangen. Es erscheint ihnen und andern nicht plausible, solange das Konzept der Rationalität aus den Bereichen der Werte und der Ethik herausgelassen bleibt.
    Die Objektivistische Ethik besagt, das die rationalen Selbstinteressen der Menschen nicht gegeneinander zu wirken brauchen. Es entsteht kein Konflikt zwischen Menschen, die nicht das “Unverdiente” erwarten, die keine Opfer bringen und auch keine verlangen, die sich untereinander als “Kaufleute” verhalten und Wert mit Gegenwert begleichen. Dieses Prinzip des “Handels” ist das einzige ethische Prinzip in allen Menschlichen Beziehungen, persönlich, sozial, privat oder öffentlich, spirituell oder materiell. Es ist das Prinzip der Gerechtigkeit. Ein “Kaufmann” ist ein Mensch der verdient was er bekommt und nichts Unverdientes nimmt, oder gibt. Er behandelt andere weder als Herren noch als Diener, sondern als Gleichberechtigte. Solche Menschen erwarten nicht, dass sie für Ausfälle bezahlt werden, nur für ihre Leistungen. Sie übertragen nicht ihre Lasten auf andere und geben ihre Existenz nicht als Kaution für die Schulden anderer.

    Niemand glaubt daran, dass sich die Spirale des Altruismus (Umverteilung und Armut-Reichtum Ideologien) und die Einmischung des Staats nennenswert zurückdrehen lässt, im Gegenteil. Auch Rand versteht, dass ein (sehr limitierter) „Vertreter einer Gemeinschaft“ = Staat notwendig ist, schon um international handeln zu koennen. Aber selbst die geringste Zurückforderung der Selbstverantwortung an die Bürger erfordert deren philosophisches Begreiffen. „Die Partei der Vernunft“ scheint auf einem guten Weg. Das Problem ist, wenn man die gesellschaftliche Basis nur auf ökonomische Modelle wie Hayek, etc. stellt, welche ideologisch debattierbar sind. Die Vernunft, Ethik und Moral sind es nicht. Die liefert nur Rand in durchgehend und überzeugend. Lesen Sie dazu auch bitte Schriften von Alexis de Tocqueville, Walter Lippmann, Carl Schmitt und mehr Orginales von Rand.
    Wir sind Weggefaehrten zum gleichen Ziel!
    Bitte besuchen Sie auch mein Blog: http://liberalerfaschismus.wordpress.com/. Klicken Sie auf „Der Staats-lose Bürger“ MFG, alphachamber.

    • alphachamber schreibt:

      Christscha,
      Sie beziehen sich vorwiegend auf Ökonomen. Bei Smith streitet man sich noch über die Gegensätze in seinen beiden Magna opera. Sie wurden im 18. Jahrh. verfasst und unterlagen somit noch der philosophischen Stufe der Aufklärung.
      Die Umverteilung ist ein politisches Problem und Politik ist ein Zweig der Philosophie.
      Da befindet sich mein Ansatz.
      In Ihrem Text bewegen sich auf einem riesigen Feld historisch gewachsener gesellschaftlicher Probleme. Dabei entwickeln Sie gute Instinkte und treten beinahe auf die Lösung, wenn Sie z. B. schreiben: „Unser Ziel muss doch sein, dass die Menschen selbstständig leben können“. Dann gewinnt wieder der altruistische Reflex des Deutschen (z.B. mit dem Kirchhof-Zitat in Ihrer Antwort). Sie wechseln, sicher unbewusst, innerhalb Ihres Textes (und Ihrer Antwort) die Positionen in einem Spektrum von Ordoliberalismus und „nachbarlicher Fürsorge“, bei denen am Ende doch wieder staatliche Maßstäbe für den Einzelnen gelten sollen.
      In dem es ihr gelungen ist, als erste Philosophin überhaupt, die Ethik und Moral von dem Menschen als Individuum abzuleiten und nicht von Gott, dem Staat oder einer Masse, ist Rand dem „Heiligen Gral“ der Philosophie näher gekommen als jeder andere. Dabei ist die Bezeichnung unwichtig. In der Geschichte der Philosophie gab es den Rationalismus und den Realismus, ohne dass man den Urhebern Größenwahn vorgeworfen hatte (Hegel sagte von sich, dass seine Ideen der Abschluss der Abendländischen Universalphilosophie sein wird – womit er recht hatte). Glauben Sie, dass eine Wahrheit einen höheren Wert erlangt, wenn man sie bescheiden herunterspielt – und weniger wahr, wenn man für sie wirbt?
      Im Objektivismus sind Inkonsequenz, politisch-korrekte Bereitschaft zu Kompromissen, Koalitionen und Demut die Wurzel allen Übels . Um das zu verstehen, müssen Sie (mit Verlaub) Rands originale Werke lesen („Virtue of Selfishness“, „Capitalism: The unknown Ideal“). Sie ist leider bei ihrem ersten Treffen mit dem damaligen Chefideologen der US Republikaner, William F. Buckley, sofort in den Fettnapf getreten, als sie bemerkte, sie verstünde nicht, wie ein so vernünftiger, fortschrittlicher und gebildeter Mensch noch mit Gott Politik machen könne. Damit hatte sie einen potentiellen dramatischen Einfluss auf die US und Weltpolitik verspielt. Verständlich, dass ihre Philosophie verunglimpft wird. Trotzdem hatten ihre Werke „Fountainhead“ und „Atlas Shrugged“ (in denen sie ihre Philosophie literarisch verarbeitet) die höhchsten Auflagen in der Literaturgeschichte erziehlt.Die Stellungsnahmen Ihrer politischen Erben würde sie wohl nicht mehr billigen. Bitte urteilen Sie selbst!
      Sie ziehen angelsächsische Ökonomen heran, wodurch eine weitere Problematik entsteht: Der gesellschaftlichen Differenzen zwischen der US und Europa. Vom Staatsaufbau sind die US eine Republik, eher als eine Demokratie; Deutschland ist eine Demokratie, eher als eine Republik. Die kulturelle Geschichte macht den entscheidenden Unterschied, wie Sie es selbst in Ihrem Text erkannten („…wir haben die Ungleichheit geerbt, die uns Feudalismus […] brachte. Dieses Erbe erschwert Ihnen auch das Verständnis der rationellen Ethik.
      Als langjähriger Berater von Behörden asiatischer Nationen und der Kambodschanischen Regierung kenne ich die Wirkungen und Resultate westlicher „demokratischer“ Politik und Wirtschaftskonzepte aus erster Hand und besitze das Privileg, mir praktische Urteile darüber erlauben zu können. Mit Ethik (jeglicher Art) habe ich sehr intensive Erfahrungen gemacht.
      Noch ein gutgemeinter, respektvoller Rat: Versuchen Sie weniger lose Zitate zu finden, die auf Ihre Ansichten passen (wie das z.B. von CS Lewis); das verschließt den Geist und verhindert die Reise in neue Erkenntnisse. Gerne führe ich unsere Diskussion fort, wenn Sie Ihre philosophischen Positionen klar definiert haben. Ich erleichtert, dass es noch scharfsinnige Menschen wie Sie in Deutschland gibt – leider sitzen die nicht in unseren Parlamenten.

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