Katholische Soziallehre V. – Nachhaltigkeit

Ähnlich wie die Solidarität ist die Nachhaltigkeit ein Thema, dass in vielen Teilen falsch verstanden wird – zu meist von beiden politischen Lagern. Beide Begriffe werden gerne gebraucht, ohne sich über ihren Inhalt gewahr zu werden. Sie hören sich schön an und mit ihnen lässt sich eine Politik machen, die zwar weder konkret noch stichhaltig ist, aber die moralischen Gefühle des Menschen befriedigt. Man schreibt über seine Thesen nachhaltig und solidarisch, schon sind sie richtig und stehen damit außerhalb jeder Diskussion. Gegenvorschläge werden nicht auf ihre Richtigkeit in Inhalt geprüft, sondern auch ihre Vereinbarkeit mit solchen Pseudo-Grundsätzen.

Leider irren auch die Gegner der Nachhaltigkeit: Broder irrt wenn er sagt für Nachhaltigkeit gäbe es keine vernünftige Definition und der Mensch strebe in der Nachhaltigkeit nur nach Ewigkeit. Ebenso ist Prof. Bolz im Irrtum, denn er meint Nachhaltigkeit sei mit einer dymanischen Gesellschaft, die niemals im Gleichgewicht, unvereinbar.

Was ist aber Nachhaltigkeit? Broder hat hier teilweise Recht, da es kaum jemand definieren kann. Man redet merkwürdige Phrasen und niemand weiß was sie bedeutet. Wenn wir den Begriff untersuchen stoßen wir auf die Forstwirtschaft. Dort heißt Nachhaltigkeit, dass man nur so viele Bäume abholzt wie nachwachsen, sodass der Wald bestehen bleibt. Aber die kürzeste und beste Definition gibt die Wirtschafts- und Wissenschaftsministerin von Sachsen-Anhalt Birgitta Wolff (CDU): Nachhaltigkeit heißt nicht von der Substanz leben.1 Für die Forstwirtschaft heißt das, dass man nicht von der Substanz des Waldes, sondern von seinen wiedergekehrenden „Erträgen“ lebt.

Freilich müssen wir immer unterscheiden zwischen der Ideologie der Nachhaltigkeit, die – wie es Alexander Gauland auf dem Deutschlandtag der JU sagte – Umweltprobleme als Vorwand nimmt für den sozialen Umsturz, und einer vernünftigen Umweltbewegung.

Interessant finde ich dabei, dass die Wurzel der Umweltbewegung nicht bei der ökologischen Linken liegt, sondern im Neoliberalismus. Ausgehend von der biblischen Lehre der Mensch sei Hirte der Welt (das ist die Bedeutung von „sich die Welt Untertan machen“) und der zunehmenden Entnaturalisierung kritisierte der deutsche Neoliberalismus die Verstädterung. Vor allem Wilhelm Röpke wurde nicht müde die Entfernung des Menschen von Natur und Land anzuprangern. Der Sohn eines Landarztes kritisierte scharf die übertriebene Technisierung und warnte vor der Welt die nur aus Stahl besteht. Für ihn war der Bolschewismus ebenso eine Horrorvision wie die Welt als Großstadt.

Es gibt in der Nachhaltigkeitsbewegung einen gigantischen Widerspruch: einerseits wird Nachhaltigkeit in Verkehr, Wirtschaft und Umwelt propagiert, gleichzeitig verschlimmert man die demographischen Probleme und praktiziert die größte finanzielle Unnachhaltigkeit: den Keynesianismus; sagte doch der Namensgeber langfristig sei man eh tot. Welch Verantwortungslosigkeit! Gleichzeitig freilich vermehrt diese falsche Politik die Zahl der Armen. Es ist eine Forderung der Gerechtigkeit die Armut nachhaltig – also für immer – zu beseitigen. Dies erfordert freilich Wirtschaftswachstum – nicht gespeist aus der Notenpresse, sondern aus der Häufung des Kapitals – also durch Sparen.´Leider wird zwischen Wachstum und Nachhaltigkeit ein nicht-existenter Widerspruch gesehen. Das ist allein schon deshalb falsch, weil es qualitatives Wachstum gibt, dass das Kapital durch Verbesserung macht mehrt. Das qualitative Wachstum führt also dazu, dass weniger Rohstoffe gebraucht werden, steigt somit die Nachhaltigkeit der Gesellschaft.

Ebenso unhaltbar ist der Vorwurf Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit seien Widersprüche. Allein das Beispiel der Forstwirtschaft sollte uns die Wahrheit zeigen; jeder schont sein eigenes Eigentum. Der große Beweis ist freilich das Preissystem: knappe und seltene Güter sind teurer. Der Markt drängt dazu die billigsten Güter zu benutzen, sodass jede die seltenen Güter geschont werden. Daher ist eine interventionistische Umweltpolitik ein großer Irrtum, der große negative Konsequenzen nach sich ziehen wird.

Wir haben bei der Frage nach der Personalität gesehen, dass in uns unsere Ahnen wie die noch kommenden Generationen gegenwärtig sind, weil wir einer einzigen Menschheit angehören. Daher ist es auch nicht falsch von der Verantwortung für die nächste Generation zu sprechen – wobei ein Freund bemerkte die Grünen sprächen von Kindern, die sie selber gar nicht haben bzw. wollen. Leider ist die Nachhaltigkeit fest verankert in theatralischer Phrasen, sodass ihr wahrer Inhalt kaum gesehen werden kann, und leider stets immer in Verbindung mit der falschen ökologistischen Ideologie gesehen wird. Dabei ist die Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema. Zu wichtig um es Ökologisten zu überlassen

 

 

1 Birgitta Wolf im Journal Interview Deutsche Welle (http://www.youtube.com/watch?v=axPMq5lm_q8)

 

 

 

 

 

 

 

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