Katholische Soziallehre VI. – Gemeinwohl

Die Werte des Gemeinwohls, der Solidarität und der Nachhaltigkeit sind oft Gegenstand der liberalen Kritik. Zwar ist die Kritik an den Auswüchsen einer Politik die sich diesen Prinzipien verschrieben hat, oft berechtigt und richtig, aber deswegen ist das Gemeinwohl als Wert nicht falsch. Daher sind diejenigen Liberalen im Unrecht die meinen Gemeinwohl sei, sofern es ein solches überhaupt gibt, einfach nur die Summe der Einzelinteressen. Gemeinwohl kann aber nicht die Summe der Einzelinteressen meinen. Gemeinwohl heißt nicht Interesse von A + Interesse von B + Interesse von C, sondern ist das Interesse des Wir. Das Interesse des Wir kann natürlich den Einzelinteressen widersprechen.

Das begründet natürlich keine kollektivistische Diktatur. Der Wert des Gemeinwohls ist an die Personalität und das Recht geknüpft. Zudem müssen wir uns im Klaren sein über die Definition des Gemeinwohls; die katholische Definition redet weder Egoismus noch Kollektivismus das Wort. Hier gilt wieder die Personalität: der Mensch ist Person, auf das Mit-Sein ausgerichtet und als Einzelner ein einzigartiges Individuum mit Würde und Rechten. Das Konzilsdokument Gaudium et Spes definiert daher Gemeinwohl als „Gesamtheit jener Bedingungen des gesellschaftlichen Lebens, die sowohl den Gruppen als auch deren einzelnen Gliedern ein volleres und leichteres Erreichen der eigenen Vollendung ermöglichen.“ In dieser Definition gibt es keinen Widerspruch zwischen Gemeininteressen und Einzelinteressen. Gemeinwohl ist eine Politik die beiden Polen entspricht.

Zudem ist es interessant, dass die Liberalen die den Begriff des Gemeinwohls ablehnen eine Politik propagieren, die ihm am meisten entspricht. Wenn Liberale immer wieder – zu Recht – betonen die Marktwirtschaft bringe für alle bessere Ergebnisse, dann sagen sie nichts anderes als die diene dem Gemeinwohl.Das gleiche gilt für Lobbyismus: indem die Liberalen kritisieren dass einzelne Wirtschaftszweige durch Lobbyismus die Gesetzgebung beeinflussen so fordern sie nichts anderes als eine Politik des Gemeinwohls.

Gemeinwohl ist nicht nur ein leerer Begriff, sondern die vernünftige und moralische Zielsetzung der Politik. Das Gegenteil wäre eine Regierung des Lobbyismus. Die gemeinwohlorienierte Politik folgt allein schon darauf, dass der Mensch Person ist, d.h. aus dem Mit-Sein lebt und insofern Verantwortung für den anderen trägt. Das bedeutet natürlich nicht jede Politikmaßnahme nur deshalb zu unterstützen, weil sie sich als Gemeinwohlorieniert definiert. Es bedarf einer sorgfältigen Prüfung ob dort wo Gemeinwohl drauf steht, auch wirklich Gemeinwohl drin ist.

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