Gegen die Homo-Ehe. Ein Beitrag zur Debatte

(Siehe auch den Artikel „Wider die Gleichstellung„, welcher ausführlicher ist und das ganze Themenfeld behandelt)

Auf dem Parteitag der CDU stellten einige Delegierte den Antrag für die gleichgeschlechtliche Ehe. Das Argument war, dass in einer Homo-Ehe auch konservative Werte wie Verantwortung und Liebe gelebt werden können. Allein dieses Argument zeigt, dass die Pro Seite nicht verstanden hat, was die Gegenseite meint. Ich kenne kaum Vertreter der Homo-Ehe, die auch im mindesten die Argumente der Gegner verstanden hätten. Sie rufen einfach nur Homophobie und Diskriminierung; die Gegner sind gegen die homosexuellen Menschen. Bei solchen Argumenten bleibt es in der Regel – leider.

Der erste große Irrtum der Pro Seite ist es zu glauben es ginge um Religion. Wie beim Lebensschutz wirft man den Gegnern vor nur dafür zu sein, weil es religiöse Gebote seien. Gäbe es kein Gebot dazu, wäre die Meinung ganz anders. Das ist ein typisches ad hominem Argument; man greift die Person an und nicht die sachliche Aussage. Man weicht vom Thema ab und hat eine Rechtfertigung die Argumente der Gegenseite pauschal als religiöse Äußerungen nicht zu hören. Nun soll hier natürlich nicht auf das Verhältnis von Religion und Homosexualität eingegangen werden, wobei nur gesagt sei, dass die Katholische Kirche der Auffassung ist, dass ihre moralischen Weisungen mit der Vernunft erkannt werden können.

Ebenso absonderlich ist die Behauptung die Homo-Ehe beschädige nicht die Privilegien und Vorrechte der Ehe. Man muss sich nur fragen was ein Privileg ist, um zu erkennen, dass diese These falsch ist. Ein Privileg lebt von der Ausschließlichkeit. Wenn ich sage es ist ein Vorrecht den königlichen Garten zu betreten, so hört das Vorrecht auf eins zu sein, wenn alle in den Garten dürfen. Ein Privileg, dass allen zukommt ist kein Vorrecht mehr. Daher ist die Ausweitung der Ehe auf Homosexuelle definitorisch ein Aufweichen der Vorrechte.

Auf jeden Fall ist es bedauerlich, dass die Befürworter immer Dinge ins Spiel bringen müssen die mit dem Gegenschaft nicht viel zu tun haben: Religion und die Person. In diesen Kontext fällt auch immer die Frage was man den tun würde, wenn der Sohn homosexuelle wäre. Es ist bedauerlich, dass auf einem solchen Niveau argumentiert werden muss. Als ob die Ablehnung der Homo-Ehe identisch sei mit gewalttätiger Homophobie. In jedem Fall ist diese Argumentation höchst unsachlich und zudem auch unsittlich.

Es ist nützlich sich zu fragen warum der Staat Ehe und Familie eigentlich fördert. Schließlich kostet diese Förderung nicht wenig Geld; der Staat ist kein altruistischer Wohltäter. Der Grund liegt im egoistischen aller Triebe: Selbsterhalt. Der Staat will sich selbst erhalten. Er kann sich aber nur erhalten, wenn die Menschen Kinder zeugen. Er kann und darf zwar niemanden zwingen, aber muss doch Anreize setzen. Unser Staat räumt allen Menschen die Freiheit ein wie Diogenes in der Tonne zu leben und keine Kinder zu bekommen. Aber das wäre der Tod des Staates. Der Jurist Paul Kirchhof nannte diesen Umstand das „Diogenes-Paradoxon“.

Der Staat fördert also sein eigenes Überleben. Daher fördert er die Möglichkeit zur Reproduktion. Er setzt Anreize, zwingt aber nicht. Homosexuelle Paare sind nicht fähig zur Reproduktion, nicht mal theoretisch. Es besteht nicht die Möglichkeit. Bei heterosexuellen Paaren ohne Kinder besteht die theoretische Möglichkeit – diese fördert der Staat in der Subvention der Ehe. Daher ist die Kritik an dem Faktum, dass das Ehegattensplitting auch für Kinderlose Paare gilt, falsch. Denn es heißt im Grundgesetz ausdrücklich Ehe und Familie. Der Staat fördert das theoretische Potenzial; die Möglichkeit, auch wenn sie nicht wahrgenommen wird.

Zudem müssen wir uns fragen was normativ, d.h. ideal ist. Das klassiche und normative Modell ist und bleibt die Ehe, d.h. die Vereinigung von Mann und Frau. Der Staat soll dieses normative fördern, was natürlich nicht heißt, dass alle anderen Modelle böse und schlecht sind. Wenn wir ein Ideal haben, sind ja nicht alle die diesem nicht folgen (können oder wollen) schlechte Menschen.

Das große Problem in der Diskussion ist Semantik; es bereits gesagt worden: Liebe und Loyalität seien doch auch in der Homo-Ehe vorhanden. Die gleiche Semantik sehen wir in der Familienpolitik. Man muss nur fragen was Familie sei und schon man erhält merkwürdige und komische Definitionen: Gemeinschaften wo generationsübergreifend Verantwortung übernommen wird ist eine gängige Beschreibung was angeblich Familie sei. Wenn wir diese Definition anwenden werden wir feststellen, dass ein Kloster eine Familie ist: junge und alte Mönche übernehmen für einander Verantwortung in allen Lebenssituationen. Müssen wir jetzt besondere familienpolitische Leistungen für Klöster fordern? Oder was ist mit dem Ehrenamt? Dort übernehmen auch Menschen generationsübergreifend Verantwortung füreinander? Der Versuch eine Definition zu erbringen geht ins Lächerliche. Wenn ich mich frage was ist mein Bruder, dann ist doch immer der geneinsame Nenner, dass ich mit ihm verwandt bin – Blutsverwandt. Mein Bruder ist das Kind meiner Eltern, wie ich. Wir teilen die Gene. Familie ist daher eine Gruppe von blutsverwandten Menschen bzw. durch Heirat und Adoption Dazugekommenen.

Die gleiche Semantik gilt für die Ehe. Joe Biden, Vize-Präsident der USA, meinte das Wesen der Ehe bestehe in Liebe und Loyalität folglich können auch Homosexuelle eine Ehe eingeht. Auf die Widersprüchlichkeit dieser Aussage wies Dennis Prager hin: wenn also Liebe und Loyalität das Wesen der Ehe bilden, warum ist das Inzest verboten? Wenn wir als Axiom setzen Liebe und Loyalität seien entscheidend, nicht das Geschlecht, warum ist dann die Verwandtschaft ein Grund? Warum nicht Polygamie? Warum sollen nicht auch drei oder mehr Menschen Liebe und Loyalität leben? Wenn wir sagen das Geschlecht ist willkürlich und kein Grund für eine Verweigerung der Ehe, warum dann die Zahl der Partner? Warum der Verwandtschaftsgrad oder gar die Spezies?

Wenn nun argumentiert wird es sei doch im Wesen der Ehe dass es zwei Partner sind, schießt man sich selbst in den Fuß. Wenn die Befürworter der Homo-Ehe mit Verweis auf das Wesen der Ehe die Polygamie verbieten, müssen sie konsequent sein und auch akzeptieren, dass es in der Natur der Ehe liegt, dass ein Mann und eine Frau heiraten und nicht zwei Männer oder zwei Frauen.

Oder kurz: Ehe ist definitorisch die Vereinigung von einem Mann und einer Frau. Daher kann niemand anderes die Ehe beanspruchen. Das hat nichts mit Homophobie oder Hass zu tun, sondern mit der Frage was die Ehe ist. Hilfreich ist auch die Frage: haben unser Gründerväter als sei das Grundgesetz abfassten gedacht, dass Artikel 6 die Homo-Ehe meint? Das müssen wir doch verwerfen.

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Eine Antwort zu Gegen die Homo-Ehe. Ein Beitrag zur Debatte

  1. Hans schreibt:

    Man sollte politisch zeigen, dass die klassische Familie das Ideal darstellt und andere Verbindungen Ausnahmen sind. Wenn aber die Homo-Beziehung mit der normalen
    Ehe gleichgesetzt wird, so gibt es kein Ideal mehr.

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