Argument Zugunsten der Unsterblichkeit der Seele

In diesem Artikel sei versucht ein schlüssiges Argument für die Unsterblichkeit der Seele darzustellen. Der Artikel ist in zwei Teile aufgeteilt: einen philosophischen Teil, der sich mit dem Argument widmet und einen zweiten der die Bibel mit ins Spiel bringt.

I. Philosophische Überlegungen

Wenn wir von der Unsterblichkeit der Seele sprechen, dann meinen wir die Unsterblichkeit des Selbst, des eigenen Bewusstsein. Die Materialisten glauben, dass Selbst sei einfach ein von materiellen Prozessen abhängiges Ding. Folglich ende es mit dem Tod des Körpers. Oder kurz: das Selbst ist materiell und somit sterblich.

Diese Folgerung ist aber irrig; das Selbst muss immateriell sein. Denn alle materiellen Dinge und Prozesse können kopiert und geteilt werden. Es ist möglich mich zu klonen, aber man klont nicht das Selbst, mein Ich, sondern meinen Körper. Selbst ein Parallel-Ich, ist nicht mein Selbst – es wäre nur wieder ein Gegenüber. Das Selbst ist unteilbar; es kann keine zwei Selbste und keine zwei Teile des Selbst geben. Das Selbst ist eine einfache, d.h. nicht zusammengesetzte Substanz.

Weil sie also nur eine Substanz ist, kann sie nicht zerstört werden. Den Leib tötet man ja gerade dadurch, dass man ihn zertrennt: man köpft jemanden, trennt die Luftzufuhr ab usw. Weil also die Seele immateriell ist, kann sie nicht sterben. Was immateriell ist, kann auch nicht materiellen Prozessen unterliegen. Ebenso wenig wie eine Idee stirbt die Seele mit dem Leib: die Idee der Demokratie lebt ewig. Auch wenn ihre Erfinder und Anhänger tot sind; auch wenn alle Spuren und Überreste ausgerottet sind, bleibt die Idee bestehend, weil sie geistig ist.

Ich finde zudem weist die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele auf ein Jenseits hin. Denn Teilhard de Chardinwies darauf hin, dass die Seele eine materielle Basis benötigt. Wenn das stimmt, dann kann die von Leib getrennte Seele auch nicht einfach in dieser Welt weiterleben. Es braucht eine immaterielle Welt, wo das immaterielle Selbst weiter existieren kann. Letztlich könnte man sogar auf Himmel, Hölle und Fegefeuer schließen.

Kurz: das Selbst muss immateriell sein, da es nicht teil- oder kopierbar ist. Weil es immateriell ist, ist es unsterblich.

 

II. Bibel:

Obwohl es sich hier primär um einen philosophischen Artikel handelt, sei es mir als Katholik erlaubt über Bibel und Seele zu sprechen. Einige christlichen Gruppierungen (z.B. Zeugen Jehovas) lehnen den Glauben an eine unsterbliche Seele ab; sie halten den Gedanken für heidnisch und der alleinigen Ewigkeit Gottes widersprechend.

Ein großes Missverständnis rührt daher, dass die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele verwechselt wird mit einem paganen Dualismus. In der Tat gehört der Dualismus zu den unchristlichsten Gedanken. Daher finden wir „nirgendwo in der Bibel …. jene Zweiteilung, wie wir für selbstverständlich halten, sobald von Religion reden.“1 Das zeigt sich in der Person Jesu Christi, wo sich alles vereint: Gott und Mensch, Schöpfer und Schöpfung, Macht und Machtlosigkeit usw.

Das Christentum ist nicht leibfeindlich; es propagiert nicht das Leben der Seele und den Tod des Leibes, sondern die Auferstehung. Die Auferstehung zu symbolisieren zu vergeistigen zerstört gerade dieses christliche Grundprinzip.

Wenn also der „christliche Mainstream“ bekennt, dass es eine Seele gibt, die im Jenseits weiter existiert, wird damit weder die Auferstehung geleugnet noch ein heidnischer Dualismus propagiert. Denn alle Kirchenlehren eindeutig, dass Leib und Seele am Tag der Auferstehung wiedervereint werden.

Relativieren wir mit der Lehre von der unsterblichen Seele die Ewigkeit Gottes? Natürlich nicht, denn ewig heißt immerwährende Gegenwart. Da die Seele aber von Gott geschaffen ist, ist sie natürlich nicht ewig. Und wenn wir von der Unsterblichkeit sprechen, dann meinen wir damit natürlich nicht, dass Gott sie nicht zerstören könnte, wenn er wollte. Wenn wir die Unsterblichkeit der Seele lehren dann relativieren wir nicht Gottes Macht, sondern demonstrieren sie deutlich. Zudem führen sich die Kritiker selbst ad absurdum. Denn auch sie lehren ja das ewige Leben. Niemand würde nun angenehmen das ewige Leben des Menschen greife die Größe und Ewigkeit Gottes an.

Was ist aber mit Bibelstellen? Es gibt eine Fülle von Stellen, die diese Lehre eindeutig bestätigen. Wir wenden uns zuerst dem Alten Testament zu und zitieren hier absichtlich die frühsten Texte um der Behauptung entgegenzutreten in der Zeit vor dem Exil habe es eine solche Lehre nicht gegeben: Genesis beschreibt an mehren Stellen (u.a. Gen.15:15; 25:8) das Sterben als eine Rückkehr zu den Vätern. Damit ist nicht das leibliche gemeint, also dass der Leichnam in die Familiengruft gelegt wird. Denn viele Väter starben außerhalb des hl. Landes bzw. einer gemeinsamen Gruft: Abraham starb in Kanaan, weit weg von Ur, Aaron aus dem Berg Hor, Moses auf dem Nebo usw. Damit kann also nur das Beisammensein mit den Vätern im Jenseits bedeuten. Das gleiche meint Jakob, wenn er sagt er müsse in zu seinem Sohn in die Unterwelt (wörtlich „Scheol“) (Gen. 37:35) Das Faktum der Existenz über den Tod hinaus zeigt auch 2. Mak. 12:44 wo es heißt die Israeliten beten für ihre Verstorben.

Wenden wir uns nun dem Neuen Testament zu. Der Herr Jesus Christus sagte zu seinen Jüngern sie sollten sich nicht fürchten vor denen die den Leib töten können, aber nicht die Seele (Mt.10:28). Wäre die Seele sterblich, d.h. würde mit dem Leib untergehen, dann bestünde wohl Grund zur Furcht vor denen die den Leib töten. Weiter gibt uns Christus die Geschichte von Lazarus, der in der Unterwelt ist (Lk.16:19ff.)

Seine hl. Apostel bezeugen gleichsam diese Wahrheit: Paulus spricht davon aus dem Leib auszuwandern und Daheim beim Herrn zu sein (2. Kor.5:8) Petrus berichtet davon, dass Christus den Toten predigte (1. Petr. 3:19) Der Apostel Johannes berichtet der Offenbarung davon, dass die Seelen der Märtyrer Gott fragen wie lange sie noch bis zum Gericht warten müssten. (Off. 6.9ff.)

Allein diese kleine Sammlung an Versen muss uns zur Erkenntnis führen, dass die Bibel die Unsterblichkeit der Seele und ihre Postexistenz im Jenseits lehrt. Die Kritik einiger Sondergruppen gewichtet Einzelverse zu stark und interpretiert ihren Sinn falsch; zumeist verstehen sie die Lehre nicht, woraus erhebliche Irrtümer erwachsen.

1 Alexander Schmemann – Aus der Freude leben, S. 11

Das angeführte Argument, dass das Selbst immateriell sein muss entstammt: http://www.denkforum.at/forum/showthread.php?t=3626

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Philosophie abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s