Lebensschutz I. Personalität als Basis

Der Lebensschutz gehört zu meinen fundamentalen ethischen und politischen Überzeugungen. Ich kann mich nicht erinnern auch nur den geringsten Zweifel am Lebensschutz gehabt zu haben; ich war immer für Lebensschutz, ich kann mich gar nicht erinnern irgendwann nicht dafür gewesen zu sein.Er erschien mir immer als eine absolut logische Position; die Ablehnung war für mich immer völlig irrational. Gegen den Lebensschutz war für mich genauso vernünftig wie zu leugnen dass 1 + 1 = 2 sind. Immer war er für mich eine grundsätzliche moralische Forderung, das Gegenteil verabscheute ich immer als morallos.

Auch in der Zeit wo ich Atheist war und Religion für bestenfalls für eine Geisteskrankheit hielt, war ich fest vom Lebensschutz überzeugt. Es ist daher keine religiöse Überzeugung, sondern eine die der Ethik und Moralphilosophie zuzuordnen ist. Daher lege ich absichtlich und bewusst diese Reihe nicht unter der Kategorie „Religion“ ab. Schließlich lehrt auch schon die Katholische Kirche selbst ihre moralischen Forderungen können mit der Vernunft, ohne jegliche Offenbarung, sicher erkannt werden. Dem Menschen ist – wie Paulus schreibt – ein Gesetz ins Herz geschrieben. Dieses Gesetz im Herzen forderte immer schon den Lebensschutz. Ich habe es nie als Zwang oder etwas Anerzogenes empfunden, sondern als logische Aussage und das ist sie auch. Den Lebensschutz abzulehnen ist Ablehnung jeder Moral. Moral ohne Lebensschutz ist ebenso sinnhaft wie Vernunft ohne Logik.

 

Wenn wir uns nach der Wurzel der Gegnerschaft zum Lebensschutz fragen so kommen wir immer auf eine philosophische Denkrichtung nach der die Eigenschaften über das Menschsein befinden. Das zeigt sich z.B. daran, dass behauptet wird Embryonen seien deshalb noch keine Menschen, weil sie kein Bewusstsein hätten. Sie seien „noch keine Menschen.“ Auf die Frage warum sie das nicht seien wird mit mangelnden Eigenschaften geantwortet: Wille, Schmerzempfinden, Bewusstsein usw. Diese Position verkennt zwei Dinge:

 

Wenn wir in unser Grundgesetz schauen in den ersten Artikel finden wir den Satz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Richten wir unser Augenmerk auf das Wort „Mensch“. Es ist ein Gattungsbegriff. Mensch. Was ist ein Mensch? Ein Mensch ist eine Spezies. Wenn wir uns fragen was das Wort „Schimpanse“ meint, dann sehen wir, dass es eine Spezies meint. Das heißt unser Grundgesetz steht der Idee der Eigenschaften strikt entgegen. Denn es macht gerade die Würde nicht von den Eigenschaften, sondern von der Zugehörigkeit zur menschlichen Spezies abhängig. Es heißt nicht: die Würde der über Bewusstsein verfügbaren Menschen ist unantastbar. Unser Grundgesetz meint dagegen aber die Würde aller Angehörigen der Gattung Mensch.

 

Die Anhänger einer Eigenschaftsidee vergessen zudem die Personalität. Der Mensch ist Mit-Sein und nicht bloß Ich-Sein. Zum Menschen gehört wesentlich das Mit-Sein mit den anderen. Das Ich braucht notwendig das Du. Ich und Du brauchen das Wir und vermitteln es sich gegenseitig. So wie in einer Familie alle sich gegenseitig vermitteln: der Sohn macht den Vater zum Vater, der Vater macht den Großvater zum Großvater. Alle sind voneinander abhängig; ihre individuelle Idenität hängt gerade von anderen und ihrer Idenität ab. Keine Sozialität ohne Individualität und umgekehrt. Dabei kommt sowohl der Individualität wie der Sozialität gleicher Rang zu. Keines ist minderwertig; vielmehr steht im Mittelpunkt die Entfaltung des Einzelnen, dass aber gerade nur in der Einheit mit anderen geschehen kann. Näheres dazu siehe meinen Artikel „Katholische Soziallehre II. – Personalität.“

Weil also zum Menschsein das Mit-Sein gehört, können überhaupt nicht die individuellen Eigenschaften allein ausschlagend sein. Ich kann viel mehr keinem seine Rechte entziehen, ohne mir selbst die Rechte zu entziehen. Oder kurz: weil das Ich das Wir braucht, kann das Ich allein nicht ausschlaggebend sein. Dieser Fakt steht gerade die die meinen Embryonen seien „noch keine Menschen.“ Sie verstehen dieses Faktum nicht, dass Embryonen bereits Menschen sind, weil sie in das Mit-Sein hinein genommen sind.

 

Zudem gibt es ein letzteres was mir besonders wichtig erscheint: die Rechte des Menschen benötigen gerade die die sich nicht schützen können. Gerade Schwache und denen die die Rechte abgesprochen werden, braucht den Schutz durch das Gesetz am meisten. Daher ist der Lebensschutz kein Nebenthema, sondern steht im Zentrum. Wenn wir die Würde und die Menschenrechte hochhalten, müssen wir gerade denen zur Hilfe eilen, denen diese angesprochen werden.

 

Entweder sind Menschen immer Personen, oder sie werden es nie“

Robert Spaemann1

 

 

1 http://www.mscperu.org/deutsch/Debatte/EuthanasieSpaemann.htm

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