Lebensschutz II. – Abtreibung

Die Abtreibung ist die Frage des Lebensschutzes überhaupt. Oft wird die Ablehnung der Abtreibung als einziger Inhalt des Lebensschutzes gesehen, obwohl darunter viele Punkte fallen. Doch nimmt die Abtreibung eine Sonderrolle ein; sie sticht als besonders unmoralisch hervor.

I. Wann beginnt das Leben?
In ersten Teil dieser Reihe wurde bereits die Ansicht kritisiert, dass individuelle Eigenschaften (Bewusstsein, Schmerzempfinden usw.) ausschlaggebend seien für das Menschsein. Die Zugehörigkeit zur menschlichen Gattung wurde als einzige Bedingung genannt. Das zieht sich auch in diesem Thema fort, da ja die eigentliche Frage ist ab wann das Leben beginnt. Die Befürworter der Abtreibung rechtfertigen ja nicht den Mord an Menschen als solchen, sondern leugnen dass Embryonen Menschen sind.

Ab wann aber ist man Mensch? Man ist ab dem Zeitpunkt Mensch ab dem sich Eizelle und Samen verbinden. Ab diesem Zeitpunkt kommt diesem Wesen alle Menschenrechte zu, die jedem anderen zukommen. Der Lebensschutz hat diese Ansicht auf den Satz gebracht: Man entwickelt sich nicht zum Mensch, sondern als Mensch.

Unser Grundgesetz lehrt uns, dass die Würde des Menschen an die Gattung geknüpft sind. Der Menschheit kommen Würde und die Menschenrechte zu. Wer also teil hat an der menschlichen Natur, hat Anteil an diesen Rechten. Da es sich um einen menschlichen Embryo handelt und nicht um einen tierischen Embryo, hat dieser bereits an der menschlichen Natur teil. Daher müssen wir auch folgern, dass er natürlich die entsprechenden Rechte hat. Die oft vorgebrachte Behauptung es handle sich um einen „Zellhaufen“ ist so absurd, dass dies These schon fast lächerlich ist. Denn ein Zellhaufen ist eine Anhäufung von Zellen. Insofern ist jedes menschliche und tierische Lebens definitionsgemäß ein Zellhaufen. Ein Hund ist eine Anhäufung von Hundezellen, ein Mensch eine Anhäufung von Menschenzellen. Ebenso ist die Behauptung der Embryo verfüge über kein Bewusstsein und Schmerzempfinden ist nicht nur unwahr, sondern auch irrelevant. Da der Mensch Mit-Sein ist, sind individuelle Eigenschaften nicht wichtig. Vor allem aber müssen wir folgende Frage stellen: Demente im Endstation haben auch kein Bewusstsein mehr. Darf man sie deswegen töten, weil man Haus mir gehört?

Das bringt uns zum bekanntesten Satz der Abtreibungsbefürworter: mein Bauch gehört mir! Das ist natürlich richtig, da jeder Mensch das Eigentum an sich selbst hat, aber die darauf folgende Implikation ist absolut falsch. Denn aus der Tatsache, dass mein Bauch mir gehört folgt ja nicht das Eigentum an Embryo. Wäre die Frau Eigentümer des Embryo dann würde das nichts geringeres bedeuten, als dass der Embryo ein Sklave wäre – Eigentum über Menschen nennen wir Sklaverei.

Ein ebenso dürftiges Argument ist die These Abtreibung sei deshalb erlaubt weil das ungeborene Kind abhängig sei von der Mutter. Das ist deshalb falsch, weil ja auch das geborene Kind – ebenso wie Kranke, Behinderte, Alte usw. – abhängig sind. Die Abhängigkeit begründet ja keine Verfügungsgewalt über Leben und Tod. Auch die These Abtreibung gehöre in die Privatsphäre der Frau – damit begründete der Oberste Gerichtshof der USA das „Recht“ auf Abtreibung – ist absurd. Warum soll die Tötung eines Ungeborenen irgendwas mit Privatsphäre zu tun haben? Ist es Privatsphäre wenn die Mutter ihr gerade geborenes Kind tötet?

Aber, so werden einige einwerfen, man darf die Frau doch nicht nur Schwangerschaft zwingen! Nun das verkennt die Freiheit zur Verantwortung, die unseren Staat kennzeichnet. Denn man muss für sein Handeln die Konsequenz übernehmen. Wenn man Sex hat muss man in Kauf nehmen schwanger zu werden – es gibt eben kein Verhütungsmittel das 100%ig sicher ist. Mit dem eben gleichen Argument könnten Verbrecher klagen man dürfe sie doch nicht zwingen ins Gefängnis zu gehen. Man darf es, weil sie die Konsequenzen ihres Handels tragen müssen.

Was freilich wahr ist, ist das man die Frauen nicht dazu zwingen kann und darf ihre Kinder groß zuziehen. Aber dafür gibt es Adoption. Es gibt eine Fülle von Paaren, die keine Kinder bekommen können, aber liebend gerne welche adoptieren würden.

Als letztes ist festzuhalten, dass auch die „Pille“ danach Abtreibung ist; sie tötet as ungeborene Leben ebenso wie die „klassische“ Abtreibung.

II. In keinem Fall erlaubt?
Es gibt genug Menschen die zwar der Meinung sind eigentlich sei Abtreibung Mord, aber es gäbe „Ausnahmefälle.“ Wir wollen vier Argumente untersuchen:

Zuerst einmal die „soziale Indikation“, also die These das Kind werde in eine schlechte soziale Lage geboren. Als übertriebenes Beispiel wird oft eine Tenney-Mutter gebracht, die die drogenabhängig und kriminell ist und von ihrem Freund verlassen worden ist. Nun könnte man natürlich sich fragen wie häufig dieser Fall ist, aber wir müssen doch festhalten, dass es sich hier um unglaublichen Paternalismus handelt. Zuerst einmal gibt es wieder den Weg der Adoption, andererseits müssen wir uns doch fragen woher man wissen soll, wie das Leben des Kindes verläuft. Es gibt genug Menschen die sich von ihrer sozialen Herkunft emanzipieren konnten. Berühmt ist das Beispiel von Beethoven, dessen Vater Alkoholiker war. Man kann das Leben der Kinder nicht voraussehen; sind Kinder aus anderen sozialen Schichten per se glücklicher? Außerdem ist die große Frage: wo endet die soziale Indikation? Wird Sozialdarwinismus betrieben und alle Kinder der Unterschicht abgetrieben? Gelten IQ, Einkommen und soziale Herkunft bereits als gewichtiger? Ist es nicht die logische Folge, dass eines Tages der Staat eingreift und sagt er habe die Pflicht die Geburt solcher Kinder zu verhindern, die (angeblich) kein glückliches Leben haben? Diese Tendenz wird vor allem durch den Utilitarismus gestärkt. So propagierte Peter Singer bereits die Säuglinge bei Seite zu schaffen, deren Bilanz an Glück zu klein ist.

Das zweite Argument ist die „kriminelle Indikation“ – also Vergewaltigung. Bevor man darüber spricht ist es nützlich sich anzusehen wie viele Abtreibungen es wegen krimineller Indikation gab: im Jahr 2003 waren es ganze 27 1 Zudem müssen wir uns die Frage stellen was das Kind dafür kann? Kann das Kind denn nicht glücklich werden? Natürlich sind das unvorstellbare Leiden für die Frau, aber rechtfertigt das die Tötung ungeborenen Lebens? Zudem ist es ein enormer Widerspruch, dass die Todesstrafe illegal, aber die Abtreibung legal ist. Wenn wir sagen niemand kann so schlimm sein, dass er die Todesstrafe verdient, wie kann man dann die Tötung eines unschuldigen und ungeborenen Individuums für gerechtfertigt halten?

Einige Pseudo-Lebensschützer geben als These an, je liberaler das Recht desto weniger Abtreibungen. Man könnte Abtreibungen nicht verhindern. Wären die illegal würden sie eben illegal durchgeführt. Nun verkennt dieses Argument zwei Dinge: 1. Es geht um menschliches Leben und utilitaristische Argumente wie bei Cannabis können nicht gelten, 2. Statistisch stimmt das nicht. Die Liberalisierung hat sogar zu sprunghaftem Anwachsen gehört.2

Das große und letzte Argument ist die „medizinische Indikation“. Mal absehen davon, dass nur circa 3% aller Abtreibungen mit medizinischer Indikation durchgeführt werden3 müssen wir doch feststellen, dass der Begriff sehr weit gefasst werden kann. Kleinste Behinderungen am Arm oder Beinen können als Grund selbst für Spätabtreibungen herhalten. Die Frage ist nun freilich ob Behinderte kein Lebensrecht haben? Haben Menschen mit Downsyndrom kein Recht auf Leben? Ist ihr Leben nicht auch glücklich? Natürlich gibt es auch Leid und Unglück, aber ist das bei gesunden Menschen anders? Ist denn die Gesundheit Garant für ein glückliches Leben?

Ist also Abtreibung in jedem Fall illegal? Ich glaube es gibt nur einen einzigen Fall wo die Abtreibung unter Umständen legal sein kann. Wenn nämlich das Leben der Mutter gefährdet ist. Denn dort geht es nicht mehr um die Abwägung soll Person A leben oder sterben, sondern um die Frage soll Person A leben oder Person B? Es ist eine andere Frage. Obwohl beide Leben inkommensurabel ist, muss man abwägen. Bei Spenderorganen müssen wir das gleiche tun. Ebenso der Sanitäter, der sich fragt wenn er zuerst rettet. Nach welchem Kriterium tut er das? Nach der Überlebenschance. Da wir dem geborenen Menschen in der Regel die größere Überlebenschance zugestehen müsste die Entscheidung zu Gunsten der Mutter ausfallen.

Natürlich gibt es Einzelfälle; natürlich kann der oben genannte Grund missbraucht und zu weit gefasst werden. Das ist das Problem. Ich glaube jedoch, dass dieser Grund wirklich der einzige ist, den man vertreten kann. Sonst ist und bleibt Abtreibung bedingungslos und absolut unmoralisch.

1 http://www.pro-leben.de/abtr/abtreibung_argumente.php (siehe Frage 7)

2 http://www.abortions.ch/

3 http://www.pro-leben.de/abtr/abtreibung_daten.php

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