Gegen die Piusbrüder

In den letzten Jahren war öfters von der Priesterbruderschaft Pius X. zu hören, einer kleinen katholischen Gruppe, die sich unter ihrem Oberen Lefebvre von Rom getrennt hat, wegen der Reformen des Konzils. Bedauerlicherweise gibt es gute Katholiken – z.B. Robert Spaemann – die die Piusbruderschaft in Schutz nehmen. In guten katholischen Kreisen findet man oft Sympathie mit ihnen, obwohl die Piusbruderschaft schwer im Unrecht ist.

I.
Wo irren also die Piusbrüder? Ihr erstes und fundamentalstes Problem ist die Erkenntnistheorie. Lefebvre meint er habe die Gewalt darüber zu urteilen ob ein Konzil in bestimmten Punkt gefehlt habe. Jedoch sagt schon der hl. Augustinus: „Securus judicat orbit terrarum“ (Mit Gewissheit urteilt der Erdkreis). Wenn man ein Katholik sein will, muss man sich der kirchlichen Autorität unterwerfen. Der hl. Robert Bellarmin formulierte drei Kriterien der Kirchenzugehörigkeit: 1. Das gemeinsame Credo, 2. Die gemeinsamen Sakramente und 3. Die gemeinsame kirchliche Leitung.
Lefebvre stellt sich eigenmächtig außerhalb außerhalb des dritten Kriteriums und erfindet Gründe warum er das Konzil nicht anerkennen müsse. Es sei ein „Pastoralkonzil“. Dieser Vorwurf ist aber nicht richtig. Denn der Begriff „Pastoralkonzil“ schmälert die Autorität nicht. Der Begriff soll nur ausdrücken, dass – anders als bei anderen Konzilien – keine Dogmen erlassen werden. Das Konzil ist und bleibt verbindlich. Ich finde es interessant dass die Piusbrüder Rom vorwerfen es nähere sich dem Protestantismus an. Das Gegenteil ist der Fall: die Piusbrüder nähern sich dem Protestantismus an. Wie die Protestanten suchen die Piusbrüder Ausflüchte die Autorität der Kirche nicht anzuerkennen. Einmal wird in fast schon legalistischer Art die Verbindlichkeit bestritten, dann die Unfehlbarkeit, dort die Autorität der Kirche über die Frage zu befinden, dort ein Dokument überbewertetet und dort eine Bindung der Lehre proklamiert.
Die Piusbrüder verweigern den Gehorsam gegenüber ökumenischen Konzilien und dem Papst. Wo das katholisch sein will ist die Frage.
Sie behaupten zwar papsttreu zu sein, gleichzeitig weihen sie aber Kleriker ohne Erlaubnis und werfen Benedikt XVI. vor die Gottheit Christi zu leugnen. Dabei hat er sie stets bekannt! Einige Beispiele: „Im Bekenntnis von Nizäa sagt die Kirche immer neu mit Petrus zu Jesus: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“1 „Nur wenn er wirklich Mensch war wie wir, kann er unser Mittler sein, und nur wenn er wirklich Gott ist wie Gott, erreicht die Vermittlung ihr Ziel.“2 Der Vorwurf der Papst sei eine Häretiker ist nur eine Ausflucht seine Autorität nicht anerkennen zu müssen.
In gleicher Weise ist die These falsch, die Kirche habe nicht die Autorität die Messe zu ändern. Die Messe des alten Ritus sei die eine Messe der Kirche gewesen seit 2000 Jahren. Abgesehen von dem Faktum, dass die Katholische Kirche noch andere Riten in sich vereint, ist diese These falsch. Denn auf wen geht die Messe zurück? Auf Gregor des Großen. Er reformierte die damalige Messe und führte die Messe heutigen Stils ein. Die Veränderungen die Gregor durchführte waren viel größer als die der Liturgiereform. Wenn also behauptet wird die Liturgiereform habe keine Autorität, so müsse man die Messe als solche mitsamt Gregor verdammen.
Es ist bedauerlich, dass erst die höchste kirchliche Autorität eingreifen musste um die Messe zu regeln. In einer Kirche mit über 20 Riten könnte man etwas mehr Gelassenheit erwarten. Nicht jeder der zur neuen Messe geht ist ein Modernist und nicht jeder der zur alten Messe geht ein Reaktionärer.
Mir fällt in diesem Kontext immer der Gnadenstreit ein: Jesuiten und Dominikaner stritten über die Frage wie freier Wille und göttliches Allwissen zu vereinbaren seien. Die Jesuiten betonten den freien Willen und warfen ihren Gegnern Calvinismus vor, also die Lehre der Mensch habe keinen freien Willen und Gott suche einfach einige aus, die erwählt werden. Die Dominikaner betonten die göttliche Allmacht und warfen den Jesuiten vor Pelagianer zu sein, also Anhänger einer Lehre die die Selbsterlösung des Menschen propagiert. Beide Gruppen sprachen sich gegenseitig die Katholizität und Rechtgläubigkeit ab. Schließlich musste der Papst eingreifen und sagte feierlich, dass diejenigen die die Jesuiten als Pelagianer bezeichnen exkommuniziert sind. Weiter sind diejenigen exkommuniziert die die Dominikaner als Calvinisten bezeichnen. Wie die Gnadenlehre genau zu verstehen ist, wird der hl. Stuhl noch klären.
Das gegenseitige Verbot besteht heute noch; eine Erklärung von Seiten des apostolischen Stuhls gibt es immer noch nicht. Dieses historische Beispiel sollte zeigen wie man in der Kirche mit den beiden Formen der Messe umzugehen hat.

II.
Zu viel Verwirrung und Kritik führte der Schritt des Papstes die Exkommunikation von vier Bischöfen der Piusbruderschaft zurückzunehmen. Warum ging der Papst diesen Schritt? Die meisten Menschen wissen nicht warum. Dazu müssen wir uns die Frage stellen warum sie überhaupt exkommuniziert wurden. Der Grund war schlicht der, dass die illegal geweiht wird, d.h. ohne Einverständnis des Papstes. Der Vorwurf war also, die Nicht-Anerkennung des päpstlichen Primats. Dafür wurden die exkommuniziert. Als sie aber ausdrücklich sich zum Primat bekannten, war der Papst gezwungen die Exkommunikation zurückzunehmen. Der Papst darf sie nicht außerhalb der Kirche lassen, wenn sie nicht gegen ein Dogma verstoßen.

III.
Wie ist der Prozess zur Einheit zu werten? Die große Frage ist ob die Piusbrüder das Konzil anerkennen und sich bereit erklären wieder voll Teil der Kirche zu werden. Bisher scheint das nicht so zu sein. Eine Vereinigung mit Rom kann es aber nur dann geben, wenn die Piusbrüder diesen Schritt geben. Bleiben diese aus, muss man sich eben mit Trennung zufrieden geben.

1Benedikt XVI. – Jesus von Nazareth I, S. 407
2Benedikt XVI. – Einführung in das Christentum, S. 154
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4 Antworten zu Gegen die Piusbrüder

  1. women2121 schreibt:

    Rom muss sich den Piusbrüdern angleichen und nicht umgekehrt . Die wahren Glaubens Verteidiger sind die Piusbrüder . ur gut das sie sie gibt . Man sollte auf sie hören und nicht auf des Teufels Stimme . Leider ist das 2 Vat. Konz. unter Einfluss des Teufels gekommen mitsamt diejenigen ,die es verteidigen . Also auch SIE . die Piusbrüder halten die katholische Glaubenslehre noch hoch .

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