Langfristig ist der Keynesianismus tot

In der aktuellen Finanz- und Eurokrise sieht man eindrücklich den Konflikt der zwei großen ökonomischen Denkrichtungen: Nachfrageorientert (Keynesianismus) und Angebotsorientiert. Die Keynesianer sind in der großen Mehrheit für den ESM und die aktuelle Politik (z.B. die linken Parteien, Peter Bofinger). Die Verfechter der Angebotspolitik verwerfen die Rettungspolitik (Hans-Werner Sinn, Liberale usw.) Das gleiche gilt für die USA, wo die eher angebotsorientierten Republikaner Kürzungen verlangen, während der Keynesianer Krugman meint man müsse noch mehr Nachfrage schaffen.

Worum geht es bei diesem Streit? Es gibt zwei gr0ße ökonomische Richtungen: die Keynesianer. Sie sagen die Nachfrage der zu beachtende Faktor. Wenn die Krise ausbricht, soll der Staat Schulden machen und investieren. Dadurch soll Nachfrage entstehen. Wenn die Wirtschaft in Folge dieser Politik wieder in Gang kommt, sollen die Schulden abgetragen werden. Die Angebotspolitiker sind der Auffassung, dass sich das Angebot verbessern, also wettbewerbsfähiger werden muss, z.B. durch Lohnsenkungen oder von Seiten des Staates Bürokratieabbau und Steuersenkung.

Diese beiden Richtungen zeigen sich eindrücklich in der Eurokrise: die Keynesianer sagen Griechenland brauche nur mehr Geld, um Nachfrage zu generieren. Daher seien Rettungspakte der richtige Weg. Die Gegenseite weißt darauf hin Griechenland müsse zuerst wettbewerbsfähig werden. Rettungspakte verschleppen die notwendigen Reformen – Griechenland muss den Euro verlassen.

Ich halte daher die Theorie von versteckten Interessen der ESM Befürworter in vielen Teilen für falsch. Ich unterstelle den drei linken Parteien keine bösen Absichten. Wenn Gregor Gysi fordert man solle eine europäische Bank gründen, die Griechenland ewiglich Geld überweist, so unterstelle ich ihm keine schlechten Hintergedanken. Ich sage nur er ist im Unrecht. Er ist im Unrecht, weil der Keynesianismus falsch ist:

Wenn wir uns die Frage stellen was der auf Lord Keynes zurückgehende Keynesianismus entstand kommen wir auf das Jahr 1936. In diesem Jahr veröffentlichte der britische Ökonom sein Hauptwerk: die „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ Darin erklärte er, dass die Marktwirtschaft nicht zum Gleichgewicht tendiere. Der Markt führte zu Unterbeschäftigung und mangelnder Nachfrage. Deswegen müsse der Staat durch Konjunkturprogramme nachhelfen. Das Buch will die Krise von 1929 erklären – es erklärt sie aber falsch. An anderer Stelle sahen wir die eigentlichen Gründe für die heutige Krise und auch für die Krise des letzten Jahrhunderts. Es ist offensichtlich, dass aus einer falschen Analyse schwerlich gute Schlüsse gezogen werden können. Hier ist wieder eine Parallel zuziehen zur Eurokrise. Die Keynesianer sehen nicht die Gründe, die wir aufgezeigt haben. Sie meinen das Problem sei ein Schock auf den Märkten und diese hätten irrationaler Weise Griechenland das Geld verweigert. Die steigenden Zinsen seien schädlich. Daher müsse man durch die EZB die hohen Zinsen bekämpfen und durch öffentliche Rettungspakte „Geld ins Schaufenster“ stellen um die Finanzmärkte zu beruhigen.

Zu den Grundthesen der Keynesianer gehört die Kritik an den Klassikern (Smith usw.) und den Neoklassikern. Dabei widerlegt allein Adam Smith Keynes eindeutig. Denn Smith weißt darauf hin, dass der Wohlstand wesentlich dadurch Sparen – also das Mehren des Kapitals – gesteigert wird. Es ist von diesem Standpunkt absurd zu glauben man könne sich – wie Roland Baader pointiert sagte – „Reich fressen.“ Die Nachfrage ist nicht das Problem. Nachfrage gibt es immer. Nur das Angebot ist knapp. Darin besteht das Grundaxiom der Volkswirtschaftslehre – es gibt mehr Bedürfnisse als Mittel zu ihrer Befriedigung. Was bringt uns aber Nachfrage, wenn das Angebot fehlt? An der Nachfrage freilich mangelt es nicht – wie das Saysche Gesetz uns zeigt: da die Marktwirtschaft eine Tauschwirtschaft ist, ist jedes Angebot eine Nachfrage. Wenn ich ein Produkt für 100€ anbiete und jemand kauft es, dann verbrenne ich das Geld ja nicht. Ich gebe es wiederum aus. Da es also um Tausch geht, wird mein Angebot zu einer Nachfrage. An der Nachfrage mangelt es also nicht. Oder um es kurz mit Ludwig Erhard zu sagen: „Es gibt keine Leistung des Staates, die nicht auf Verzichte des Volkes gründen.“ (1)

Außerdem vernachlässigt Keynes zu Unrecht das Geld. Er meinte schlicht: „The Money doesn’t matter.“ Das ist extrem falsch. Denn einerseits hat die Geldmenge erheblichen Einfluss auf die Konjunktur, andererseits übersehen die Keynesianer die Inflation. Indem sie Geld drucken fachen sie Inflation an. Aber schon Helmut Schmidt meinte 5% Inflation seien besser als 5% Arbeitslosigkeit. Was jedoch er und Keynes übersahen ist, dass die Inflation – wie die Staatseingriffe – die Informationen verzerren: denn die Preise geben Knappheiten wieder (knappe Güter teurer). Wenn der Staat hier eingreift kommen falsche Informationen bei den Unternehmern an. Über die Negativfolgen der niedrigen Zinsen – die zur keynesianischen Finanzpolitik gehören – sprachen wir bereits.

Letztlich muss man jedoch sich folgendes klar machen: man redet gerne davon der Staat solle investieren. Aber wo kommt das Geld her? Jede Ausgabe des Staates ist ein Verzicht der Bürger. Wenn der Staat von einem Unternehmen 100€ nimmt, so versackt schon ein großer Teil davon in der Bürokratie. Der Restbetrag wird in einem politisch gewollten Bereich investiert. Ob diese Investition wirklich sinnvoll ist weiß niemand. Die Verantwortung tragen muss der zuständige Beamte selten. Sollte die Investition nach hingen losgehen, druckt der Staat einfach neues Geld und erhebt neue Steuern. Hätte der Staat dem Unternehmen die 100€ belassen, so hätte der Unternehmer sie investiert. Er hätte die Verantwortung getragen und das Geld wäre nicht in der Bürokratie versackt. Der Unternehmer hätte sich aufstellen können für die Krise. Es wäre allen besser gegangen. Jedoch meinen einige Keynesianer in ihrer Hybris Gelddrucken und das Stärken der Nachfrage – im Grunde beides Dinge die mit der Stärkung der Realwirtschaft nicht viel zu tun haben – seien der Schlüssel. Dabei verschlimmert diese Politik die Krise nur noch: Inflation und Intervention heißen die Krise noch an und der Staat gießt durch die Weiterführung dieser Politik Benzin ins Feuer – langfristig führen die zunehmenden Interventionen zu immer wenifer Freiheit.

Man muss sich klar, dass wirtschaftlicher Aufschwung nicht durch staatliche Programme „erzeugt“ werden kann, sondern nur durch einen harten Weg der Verbesserung. Bessere Resultate sind nur möglich durch harte Verbesserung, den Verzicht im Sparen und vor allem monetäre Disziplin.

Letztlich ist der Keynesianismus nicht nur eine falsche ökonomische Theorie, – wie Wilhelm Röpke oft darlegte – sondern ein moralisches Problem: er propagiert Kurzsichtigkeit, Gier und eine falsche Vollbeschäftigung. Vollbeschäftigung um jeden Preis ist weder möglich, noch wünschenswert. Einen Ökonom der meinte langfristig seien wir eh alle tot kann man nicht für verantwortungsvoll halten. Man muss diesen Mann für jemanden halten der kurzfristig Maßnahmen unternehmen will, aber die lang- und mittelfristigen Schäden außer acht lässt und das noch rechtfertigt. Ludwig von Mises sagt über Inflationspolitik und Keynesianismus: „Brot für heute und Hunger für morgen.“

(1) Ludwig Erhard – Regierungserklärung vom 18. Okt. 1963

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