Die wahre Verschwörung – Ockhams Rasiermesser

Der Theologe und Scholastiker Wilhelm von Ockham ist bekannt für sein „Prinzip der Sparsamkeit“, gemeinhin als „Ockhams Rasiermesser“ bekannt. Gemäß diesem Prinzip nach ist die einfachste Erklärung für ein Problem auch die wahrscheinlichste. Als einfach gilt eine Erklärung dann wenn sie wenig zusätzliche Variable und Thesen benötigt.

Ein Beispiel: wenn wir am Rathaus ein Graffiti finden so ist die wahrscheinlichste und einfachste Theorie, dass einige Jugendliche für das Graffiti verantwortlich sind. Es könnte aber auch sein, dass es Aliens waren die eine Liebe zu Krimis haben und sehen möchten wie die Menschen der Stadt die Schuldigen finden.

Warum ist nun a priori die erste Theorie vorzuziehen? Weil sie einfacher ist. Bei der zweiten müssten wir zuerst mal fragen ob es Außerirdische gibt. Dann grundsätzliche Fragen ob sie überhaupt aus der gleichen Seiensebene sind wie wir und ob sie wirklich Ermittlungen mögen. Diese Theorie braucht viel zu viele zusätzliche Thesen und enthält viel zu viele Variablen.

Was hat das nun mit Verschwörungen zu tun? Die meisten Verschwörungen funktionieren nach dem gleichen Prinzip: für ein bestimmtes Ereignis bietet die Verschwörung eine Erklärung, die auf vielen zusätzliche Thesen aufbaut. Die Erklärung die Titanic ist gegen einen Eisberg gefahren ist einfacher, als das These es handle sich um einen Anschlag. Zu sagen 9/11 war ein Anschlag ist einfacher, als zu sagen die Freimaurer seien schuld und seit Jahrhunderten hätten sie die Weltherrschaft durch falsche Terroranschläge geplant. Die Alternativthese ist zu komplex: wer war es? Warum? Wie? (Die Erklärung eine „Mini-Atombombe sei es gewesen ist für besonders unwahrscheinlich zu halten). Wie konnte man das verstecken? Gab es die Flugzeuge? (Stellen einige in Frage). Wie können die ganzen Verschwörer dicht halten? Das Nein zur offiziellen Theorie vom Anschlag ist extrem kompliziert.

Allein schon diese theoretische Überlegung sollte bei uns tiefe Skepsis gegenüber Verschwörungenstheorien aller Art hervorrufen. Ich bin daher abgeneigt an geheime Absichten zu glauben. Es ist bereits von mir gesagt worden: ich unterstelle den Politikern keine bösen Absichten wenn sie für den ESM stimmen. Ich unterstelle ökologisch eingestellten Menschen nicht mit dem Wunsch nach mehr Regulierung schlechte Absichten zu verfolgen. Ich unterstelle sogar Sozialisten nichts böses. Ich glaube nur, dass sie falschen Theorien anhängen, obwohl ihre Intentionen meist die bestmöglichen sind. Nur existiert ein zweites Theorem: Hanlons Raziermesser: „Nimm niemals Böswilligkeit an, wenn Dummheit hinreichend ist.“ Bei Keynesianern, Ökologisten, Eurorettern, Sozialisten usw. ziehe ich eine falsche Meinung bei guten Intentionen vor. Und bei komplexen Verschwörungstheorien, die verschiedenste Gruppe und jahrhundertealter Bünde in ihre Argumentation miteinbeziehen äußerst skeptisch – allein schon a priori.

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