Über die Politische Korrektheit

Der Begriff der „Politischen Korrektheit“ (engl. political correctness) erregt immer wieder die politische Debatte. Die einen verteidigen sie als notwendig für einen respektvollen Dialog in einer Gesellschaft; die Gegenseite ruft „Zensur“ und „DDR“ und sieht die Freiheit gefährdet. Einige gehen sogar so weit in der Politischen Korrektheit eine Art Verschwörung gegen die Meinungsfreiheit zu sehen, die von langer Hand geplant sei. Viele Bücher – z.B. von Eva Herman oder Thilo Sarrazin – werden in positiver Weise als „politisch inkorrekt“ angepriesen, so als handle es sich um ein Gütezeichen. Ein islamkritischer Blog nennt sich sogar selbst: „Politically Incorrect“. Ich persönlich muss sagen, dass ich schon sehr früh in die Berührung mit der politischen Korrektheit kam. Meine Lehrerin in der Grundschule erklärte uns man solle beim Buchstabieren nicht „S-S“ sagen, sondern „Doppel S“, denn die SS war eine Terrororganisation des Nazi Regimes.
Zunächst einmal muss man festhalten, dass Sprachregelungen im Allgemeinen etwas sind was nicht nur in allen Gesellschaften vorkommt, sondern sie bedingt. Der Mensch braucht Sprache; einige Tiere benutzen auch Sprache. Sie ist dazu da bestimmte Dinge zu benennen. Daher ist Sprache ihrem Wesen nach ein Konsens. Wir haben uns – freilich nicht bewusst oder gesteuert – dafür entschieden den Stuhl Stuhl zu nennen und nicht Tisch. Wir könnten auch Chair sagen. Im Deutschen heißt Stuhl aber Stuhl. Hätten wir kein Wort, könnten wir darüber nicht sprechen und nicht fragen ob genug Stühle da sind.
Die politische Korrektheit stellt jedoch eine neue Art von Sprachregelungen dar. Es ist nützlich sich über den Ursprung dieses Wortes Gedanken zu machen. Wenn wir in die Geschichte des Wortes gehen stoßen wir auf die Amerikanische Bürgerrechtsbewegung, die sich Gedanken machte wie man den Rassismus in einer Gesellschaft – besonders den tief sitzenden und nicht sofort sichtbaren – bekämpfen könne. Es ist schließlich eine Sache bestimmte Gesetze gegen Diskriminierung zu implementieren, eine andere aber das Denken des Menschen vom Rassismus abzuwenden. Daher war es die Idee bestimmte abwertende Begriffe (z.B. Neger, Weib usw.) nicht mehr zu benutzen. Dadurch sollte die Diskriminierung überwunden werden.
Wir müssen festhalten, dass das der eine Weg ist Diskriminierung zu überwinden. Die Homosexuellen haben einen anderen gewählt: früher was Wort „schwul“ negativ; es hatte eine schlechte Konnotation. Heutzutage ist es die normale Selbstbezeichnung. Das ist die Alternative sprachliche Diskriminierung zu umgehen.
War die Bewegung der Politischen Korrektheit erfolgreich und positiv? Wir müssen das eindeutig verneinen. Denn nicht Begriffe, sondern die Haltung ist negativ. Wenn Martin Luther King von Negern sprach, dann meinte er damit etwas anderes als ein Rassist. Ob der Rassist nun Neger, Schwarzer oder Afroamerikaner ist gleichgültig; seine Haltung ist und bleibt rassistisch. Den Rassismus über Sprachregelungen abschaffen zu wollen ist falsch und führt zu einer Hyris – nämlich der Idee mit Sprache die Wirklichkeit ändern zu können.
Das zeigt sich z.B. daran, dass man nicht mehr von Ausländern spricht, sondern von Deutschen mit ausländischem Integrationshintergrund. Als ob dadurch irgendein Beitrag zur Integration getan wurde. Die Erfinder des Wortes empfinden es vielleicht so und vergessen das Handeln. Das zeigt sich in Deutschland z.B. daran, dass man lieber hunderte Diskussionsrunden, Talk-Shows und Gipfel veranstaltet, anstatt wirklich zu handeln.
Wir können daher sagen, dass die Politische Korrektheit ein falscher – wenn auch gut gemeinter – Weg war um Diskriminierung und Rassismus zu reduzieren, aber in Wahrheit keine bis gar keine positive Wirkung hat.

Es ist auch höchst nützlich sich über die Herkunft der politischen Korrektheit über den Tag hinaus Gedanken zu machen. Ihre Quelle sind 68-er, sondern der Relativismus, dem leider auch die Gegner der politischen Korrektheit angehören, und sich damit selbst ins Bein schießen. Denn ein vernünftiger Diskurs setzt Wahrheit voraus, sonst ist alles Palaber. Um jemanden wirklich überzeugen zu können, braucht man das Fundament der Wahrheit. Denn überzeugen heißt jemanden von der Wahrheit des Gegenstandes zu überzeugen. Existiert Wahrheit nicht, kann man den Gegenüber auch nicht überzeugen, sondern muss ihn mundtot machen. Wenn es keine Wahrheit gibt, gibt es nur noch das Recht des Stärkern seine Meinung anderen aufzuzwingen. (Siehe hierfür: Robert Spaemann – Aufhalten ist alles)

Interview mit Robert Spaemann zum Thema: http://gloria.tv/?media=106687 (Soundqualität etwas schlecht)

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