Was ist Kapitalismus?

Wenn von „Kapitalismus“ die Rede ist, dann zu meist negativ. Kaum jemand bekennt sich zum Kapitalismus. Dabei weiß kaum jemand was das eigentlich ist. Das ist einer der größten Defizite in der allgemeinen wirtschaftlichen Bildung. Sie geht einher mit einer falschen Definition von Sozialismus und linker Politik.
Wenn wir fragen was Kapitalismus sei bekommen wir oft als Antwort es sei eine auf Gewinnstreben aufgebaute Wirtschaftsordnung. Jedoch zeigte schon Ludwig von Mises, dass Gewinnstreben überhaupt nicht charakteristisch für diese Wirtschaftsform ist. Denn was ist Gewinn? Gewinn ist die Differenz zwischen eingesetztem Kapital und Ertrag. Wenn jemand hingeht und einen Baum pflanzt hat er einen Ertrag. Denn z.B. der Apfel ist mehr „wert“ als die Samen. Er hat einen Ertrag/ Gewinn. Da jeder einsieht, dass sowohl im Sozialismus wie auch im Kapitalismus Bäume gepflanzt werden können, kann das Gewinnstreben nicht kapitalistisch sein, vor allem da ja auch der Sozialismus Wertschöpfung anstreben muss, sonst würde das Volk verhungern – übertragen wir das Beispiel vom Baum auf die Landwirtschaft.
Gesine Lötzsch, frühere Vorsitzende der Linkspartei, meinte Kapitalismus sei „wenn man auf Kosten anderer reich werde.“ Das ist insofern erstaunlich, als dass der Staat – vor allem der merkantilistische – eben diesen Prinzip praktiziert. Nun würden wir natürlich nicht glauben der Staat sei kapitalistisch. Denn Kapitalisten sind doch gerade für wenig Staat.
Ist Kapitalismus definiert als System der Gier? Auch diese Beschreibung müssen wir als falsch verwerfen. Denn Gier ist nicht kapitalistisch, sondern menschlich. In jeder Wirtschaftsform finden wir Gier und Eigennutz. Zudem meint „Eigennutz“ – wie das Ehepaar Friedman zeigte – nicht kurzfristige Gier, sondern das Verfolgen eigener Ziele, die natürliche sozial sein können. Das Merkmal des Marktes ist, dass eine Ordnung entsteht, obwohl jeder eigene Ziele verfolgt. Diese Ziele können vom Ernähren der Familie, klösterlichen Leben, Weiterführung des Familienbetriebs bis zum schlichten Wunsch nach Verdient reichen.
Andere definieren Kapitalismus als eine Wirtschaftsordnung in der das Kapital dominant sei. Man muss sich nur klar machen was Kapital ist, um zu erkennen dass diese Definition ebenso falsch ist. Denn Kapital ist die Produktionsausrüstung: Geld, Maschinen, Werkzeuge usw. Wer bessere Maschinen hat ist dem anderen Unternehmen überlegen. Primitiv gesagt: bei gleicher Jagdkenntnis ist der Steinzeitmensch mit einer besseren Waffe den anderen überlegen. Dass Kapital dominant und der wesentliche Faktor des Fortschritts ist, liegt in Natur der Sache selbst und nicht am Kapitalismus. Auch im Sozialismus wäre Kapital „dominant“. Alle diese Punkte haben mit Kapitalismus selbst nichts zu tun. Sie unterstellen ihm Dinge, die mit anderen Faktoren zu tun haben; natürlich kann man den ‚Kapitalismus‘ für alle Leiden […] der Welt verantwortlich machen, wenn man sie zuvor in den Begriff hineinlegt.“ (1)

Was ist nun „Kapitalismus“? Die Antwort ist einfach: Privateigentum und Tausch. Die Menschen haben Eigentum an sich selbst und an externen Gütern. Sie tauschen ihre Güter. Dadurch entsteht ein Markt und das Preissystem, dass Knappheiten wiedergibt. Es ist bedauerlich, dass diese einfache Antwort nur so selten antrifft, sondern nur ideologische Phrasen.

(1) Wilhelm Röpke – Civitas Humana, S. 45

 

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2 Antworten zu Was ist Kapitalismus?

  1. KptnKook schreibt:

    vielen dank.
    viele Leute beschreiben aber auch oft eine „Akkumulation“, als Konsequenz eines kapitalistischen Mechanismus. Ist jene Akkumulation grundlegend schlecht? Bescheinigt diese nicht einfach nur die gesellschaftliche Wertanschauung über den jeweiligen Produzenten, der dadurch Geld akkumuliert? Ist Akkumulation überhaupt eine Konsequenz des grundlegenden Kapitalismus oder wie „die Gier“ einfach nur eine Art menschliches Versagen, welches mit allen anderen bekannten Formen möglich wäre. Könnte man diese Akkumulation von Superreichen, die „Geld für sich arbeiten lassen“ irgendwie kapitalismusgerecht unterbinden? Ist diese Akkumulation überhaupt ein Problem?

    Vielen Dank

    • christscha schreibt:

      Vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Akkumulation, also die Anhäufung von Kapital (nicht nur Geld!), ist lebensnotwendig für jede Gesellschaft, egal welches Wirtschaftssystem sie sich aussucht. Ohne Anhäufung, also Sparen, können wir nicht reich werden und nicht gut leben. Adam Smith, ein Mitbegründer der Volkswirtschaftslehre, betonte, dass Arbeitsteilung und Kapitalakkumulation die „Ursache des Wohlstandes der Nationen“ (Name seines berühmtes Buches) sind. Beispiel: man spart und kann dann eine Maschine bauen, die es erlaubt produktiver zu arbeiten.
      Grundsätzlich ist Akkumulation also ein normaler und notwendiger Prozess und hat mit Gier nichts zu tun. Im Gegenteil. Wenn jemand exzessiv gierig ist, wird er all sein Geld sofort ausgeben und kann nicht Sparen und nicht investierten.
      Akkumulation als solche ist normal und wirtschaftlich, und muss von einer Häufung des Geldes in den Händen der Superreichen zu unterscheiden. Dann zu Ihrer Anmerkung, dass die Reichen ihr Geld für sich arbeiten lassen. Man muss hier etwas weiter gehen und in unser Geldsystem (Siehe: „Der Grund für die Krise“; „Gold. Vorteile und Vorwürfe“) einsteigen. Kurz gesagt leben wir in einem ungedeckten Papiergeld, dass durch Kredite entsteht. Dass die Reichen ihr Geld auf Kosten stecken und dafür Millionen bekommen, liegt an diesem unmarktwirtschaftlichen Geldsystem. Denn einerseits kommt das Geld bei ihnen zu erst an und eine extreme Geldschöpfung aus dem Nichts erlaubt riesige unnormale Zinsen ohne Risiko. Die große Häufung des Geldes resultiert also aus einem Mangel an Marktwirtschaft.

      Ich hoffe ich konnte Ihre Fragen beantworten.

      Viele Grüße

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