Gegen Pantheismus und Polytheismus

Der „heidnische“ Glaube kennt wesentlich zwei Formen: Pantheismus (Unpersönlichkeit Gottes) und Polytheismus (Vielgötterei). Das frühe Christentum hatte es vor allem mit diesen Glaubensformen zu tun. Das heißt natürlich nicht, dass die beiden Formen antik und veraltet wären, so als ob wir uns nicht mit ihnen auseinander setzen müssten. Vor allem die Globalisierung sorgt dafür, dass die Religionen sich auf der ganzen Welt verbreiten. Das ist natürlich positiv, jedoch führt das zu einem zunehmend „Entscheidungschristentum“ (J. Ratzinger) und der Notwendigkeit vernünftiger Apologie. Im unserem konkreten Fall haben wir uns vor allem mit östlicher Philosophie und der Vermischung im Westen, d.h. verwestlichem Buddhismus, Esoterik usw. zu tun. Oder mit der verbreiteten These „da gibt es etwas, aber es ist keine Person.“
Der Polytheismus ist in Europa nicht wirklich verbreitet. Er ist ein Thema anderer Erdteile. Die Globalisierung hat nicht wirklich dazu geführt hier polytheistische Gruppierungen entstehen zu lassen. Auch die „heimischen“ germanischen Religionen sind sehr klein. Das hält uns natürlich nicht ab uns mit dieser Lehre auseinander zu setzen.

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Was ist Polytheismus? Polytheismus (griech. Poly = viel, theoi Götter) ist der Glaube dass es nicht einen Gott gibt (Monotheismus), sondern, dass es viele Götter gäbe. Klassische Beispiele sind hierfür die antiken Religionen der Römer, Griechen und Ägypten – und eben der Kelten und Germanen. Man kann sagen dass Polytheismus zu den ältesten Formen der Religion gehört.
Was ist an diesem Glauben kritisierbar? Zuerst einmal das Gottsein der Götter. Fast überall wird es eingeschränkt und die Götter vermenschlicht und damit ihrer Souveränität und Allmacht beraubt. Das wird allein schon daran klar, dass man nicht sagen kann fünf Götter seien gleichzeitig allmächtig, denn „eine Mehrzahl unterschiedlicher Götter würde sich gegenseitig begrenzen; dann wäre aber keiner wirklich Gott, nämlich alles bestimmende Macht.“1 Die große Frage ist freilich warum man Götter anbeten soll, die im Grunde Menschen sind nur auf höherem Niveau. Man betet eigentlich keine Götter, sondern Übermenschen an. Der Polytheismus bekommt nochmal scharfen Gegenwind, als dass viele polytheistische Religionen die Endlichkeit ihrer Götter postulieren. Aus einem ewigen Prinzip seien die Götter entstanden. Wenn wir genau handelt es sich nicht um Götter, sondern bloß um Geschöpfe. Damit wäre der Polytheismus zum Pantheismus geworden, da man in dieser Hinsicht eigentlich dem großen Prinzip bzw. der großen Kraft anhängt.
Aber auch aus einem weiteren Charakteristikum kann geschlussfolgert werden, dass der Polytheismus nicht schlüssig ist: die Wahrheit ist göttlich. Es gibt aber definitorisch nur eine Wahrheit. Die These die „absolute Wahrheit“ sei Ideologie ist falsch. Denn wie soll „relative Wahrheit“ aussehen? Entweder gibt es Gott oder es gibt ihn nicht. Entweder ist Jesus der inkarnierte Logos oder nicht. Wäre die Wahrheit von mir gemacht oder eine meiner Befindlichkeit wäre sie keine Wahrheit. Gemachte Wahrheit ist Lüge. Da es nur eine Wahrheit gibt und diese göttlich ist, kann es nicht viele Götter geben. Daher hat Benedikt XVI. recht wenn er sagt eigentlich könnte es Gott nur als Einer geben.
Freilich wollen wir noch einen Einwurf thematisieren. Es gibt genug Menschen die sagen Gott sei doch mehr als eine Person. Der Christ wird zustimmen, denn er glaubt nicht dass Gott eine Person ist, sondern trinitarisch. Ebenso wird er mit der Trinität antworten, wenn gefragt wird wie es sein kann dass Gott Person ist, wenn man Personsein nicht allein kann – eben weil Gott in sich selbst Beziehung dreier Personen ist.


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Wie bereits gesagt versammelt der Polytheismus kaum große Massen in unseren Breiten. Verbreiteter ist der Pantheismus. Die Idee es „gäbe da etwas, aber es ist keine Person, vielmehr eine göttliche Kraft.“ Der Pantheist (pan = alles, theos = Gott) glaubt nicht daran, dass Gott personal ist oder es viele personale Götter gibt. Er glaubt dass die Welt Gott ist; dass es eine göttliche Kraft, ein göttliches Prinzip gibt.
Allein die Definition zeigt ein großes Problem. Wie können wir sagen Gott sei die Welt? Was ist dann Gott? Gott wird zu einem irgendetwas. Dieses Problem wurde u.a. von Schopenhauer kritisiert, der sogar soweit ging im Pantheismus im Grunde Atheismus zu sehen. Aus diesem Fakt heraus kennen die meisten Pantheisten keine Anbetung, sondern nur Meditation. Eine Kraft lässt sich schlecht anbeten, sondern man kann nur in „Kontakt“ mit ihr treten, „eins“ mit ihr werden, wobei sich natürlich die Frage stellt wie man eins mit Gott sein kann, wenn er doch die Natur ist.
Wie Reinkarnation scheint Pantheismus auf den ersten Blick eine menschenfreundliche Religion zu sein; naturfreundlich und universell. Aber bei genauerem Hinsehen stellen wir etwas erschreckendes fest: wenn Gott die Welt ist, dann ist die Krankheit Krebs Gott. Wenn der Arzt ihn entfernt „tötet“ er den Krebs, also einen „Teil“ Gottes. Der monotheistische Gott muss sich die Frage gefallen lassen warum er Leid zulässt, der pantheistische Gott sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt das Leid zu sein, ja das Böse selbst zu sein.
Zudem wird Pantheismus oft nur missbraucht als Mittel zum Trost. Die Lehre von der unpersonlichen Kraft ist ein „zahmer Gott“2 Jedoch kann unser letztes Ziel nicht Trost sein, sondern Wahrheit. Wenn wir nur Trost suchen, suchen wir den Selbstbetrug. Natürlich bringt die Wahrheit letztlich Trost, aber nicht der Trost des Selbstbetrugs durch falsche Versprechungen.
Im Pantheismus wird auch die größte Tugend sinnlos: Nächstenliebe. Denn wenn wir im Grunde nur Teil eines göttlichen Organismus sind, dann ist unser Ich eigentlich kaum existent. Aber Nächstenliebe heißt „meinen Nächsten lieben, nicht er ich ist, sondern gerade weil er nicht ich ist.“3 Denn „nur wenn jedes Selbst ein wirkliches Selbst ist, kann es recht eigentlich selbstlos sein.“4 Die Gott-in-mir-Lehre führt gerade nicht zu mehr Moralität. Denn glauben wir, dass Gott im Menschen ist, „dann bleibt der Mensch stets bei sich“5 Bekennen wir den personalen Gott gehen wir über uns hinaus. In der pantheistischen Lehre von Präsenz Gottes in einem selbst ist auch Grund für die Tendenz zur Werkegerechtigkeit und Selbsterlösung, die höchst unsozial wird. Denn besonders die Esoterik macht die Menschen für ihr Schicksal in überzogener Weise verantwortlich und redet ihnen ein Heilung sei nicht bloß deshalb nicht gekommen, weil sie nicht genug getan hätten. Behinderungen und Versagen können in solchen Kreisen auch als Zeichen für frühere Vergehen beeutet werden. Esoterik gehört zu den modernen Menschenfeinden im Gewand der Philanthropie.
Das bringt uns zum Fundamentalargument. Jede Religion kennt Sünde. Auch ein Pantheist kann an Sünde glauben, nämlich als Verstoß gegen das göttliche Prinzip. Aber was ist mit Vergebung? Wesentlich zur Vergebung gehört die Bitte, das gilt sowohl in religiösen wie im profanen. Ob ich Gott und einen anderen Menschen um Vergebung bitte, ich muss bitten. Der Pantheismus kann das nicht denken; denn „eine unpersönliche Intelligenz um Nachsicht oder Straferlaß zu bitten, wäre genauso sinnlos, wie das Einmaleins um Nachsicht zu bitten, wenn man falsch gerechnet hat.“6 Es daher nicht verwunderlich, wenn einige Esoteriker Sünde allgemein leugnen. Das heißt der Pantheismus führt sich in mehren Fällen über die Moral ad absurdum.

In diesem Kontext sei noch eine Jenseitsvorstellung zu betrachten, in Beziehung steht zum Pantheismus, nämlich die Vorstellung dass das Leben nach dem Tod nicht im personalen Sein, sondern in einer Art „Aufgehen im Göttlichen“ bestünde. Diese Doktrin ist ein Widerspruch in sich selbst. Denn mit dem Aufgehen, dem Ende des Ich, gehöre ich auf zu existieren. Es wäre mein Tod. Von ewigem Leben kann man nur sprechen unter der Bedignung der Weiterexistenz des Ichs. Wenn die Lehre vom Aufgeben richtig ist, könnte ich auch ein materielles ewiges Leben postulieren, da meine Zellen nicht verloren gehen: Würmer essen sie, verwandeln sie in Zellen um. Dann essen andere Tiere die Würmer und wandeln die wiederrum in Zellen um. Niemand würde aus in diesem biologischen Vorgang irgendeine Art von ewigem Leben oder Leben nach dem Tod sehen.

 

1Gisbert Greshake – Der Dreieine Gott, S. 191
2C.S. Lewis – Pardon ich bin Christ, S. 37
3G.K. Chesterton – Orthodoxie, S. 247
4a.a.O., S. 248
5a.a.O., S. 252
6C.S. Lewis – Pardon ich bin Christ, S. 40
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7 Antworten zu Gegen Pantheismus und Polytheismus

  1. Lea schreibt:

    Der Verfasser dieses Textes scheint dem Pantheismus sehr abgeneigt zu sein und bringt ihm heradezu eine herausfordernde Kritik entgegen. So wird zum Beispiel die Frage gestellt, wenn Gott die Welt wäre, wie man dann sagen könnte, was Gott wäre. Ganz einfach, denn die Frage klärt sich von selbst: Gott IST die Welt! Überall auf dieser Erde ist er zu finden – in der Natur, und damit nicht zuletzt in uns Menschen. Denn auch wir sind der Natur entsprungen! Und somit ist er auch in uns, in unseren Gedanken. Der glaube ist in uns. Und auch im Christentum ist Ähnliches zu finden: Wenn Gott tatsächlich die Welt geschaffen haben sollte, so hat er sich auch als Person, als Kraft darin verinnerlicht, indem er seine Ideen/sein Gedankengut darin hat einfließen lassen. Und so steckt auch in jedem Christ ein Stück Gott, denn er ist von und vielleicht auch aus Gott geschaffen!!
    Außerdem wird im Text gesagt: Wenn Gott die Welt ist, dann ist auch die Krankheit Krebs Gott. Ich denke, das kann man nicht direkt so sagen – denn zuallererst ist Krebs Natur, und dann erst Gott. Denn auch wenn sich in der Natur Gott wiederfindet, so kann Gott sich (und damit auch der Welt) kaum schaden. Denn alles gleicht sich aus. Und wenn Gott mutwillig, also in Form einer PERSON (siehe Christentum), dieses Leiden geschaffen hätte, hätte er gegen sich selbst gekämpft und sich selbst geschadet. Aber auch nur, wenn er als Personifizierung „gehandelt“ hätte. So, da er in der Natur ist, geht Gott auch nicht gegen sich selbst an. Denn nicht er hat die Natur geschaffen, sondern die Evolution. Und die Evolution richtet sich nie gegen sich selbst, sie hält alles in der Waage und richtet/“verbessert“ höchstens, aber sie zertört nicht sinnlos. Deshalb kann es auch Krebs geben, da der Krebs auch ein Teil ist, um die Wasge zu halten!

    • christscha schreibt:

      1. Die Gegenwart Gottes im Christentum unterscheidet sich doch deutlich vom Pantheismus. Denn der christliche Gott ist ja nicht mit der Welt identisch, sondern von ihr unterschieden. Das sind zwei fundamental andere Sichtweisen.
      2. „Ich denke, das kann man nicht direkt so sagen – denn zuallererst ist Krebs Natur, und dann erst Gott.“ Das hebt das Problem aber nicht auf. Dass man das nicht richtig sagen will, zeigt deutlich, dass man die unschönen Konsequenzen verstanden hat. Wenn Sie sagen der Krebs ist die Natur und Gott ist die Natur, dann sagen Sie auch: Gott ist der Krebs. Dass Sie die Natur als Zwischeninstanz einführen hebt das Prinzip ja nicht auf. Wenn Gott die Natur ist, und der Krebs die Natur ist, dann ist Krebs Gott und Gott der Krebs.
      3. Ein personaler Gott richte sich gegen sich selbst, weil er ja das Leiden bekämpfe. Die Frage ist natürlich nur, ob Gott das Leid will. Der Christ ist ja der Auffassung, dass der Mensch frei geschaffen ist, aber sich zum Bösen entschieden kann. Wenn Gott hingeht und den Menschen erlöst, geht er ja nicht gegen sich selbst vor.
      4. „.Deshalb kann es auch Krebs geben, da der Krebs auch ein Teil ist, um die Wasge zu halten.“ Glauben Sie dann auch Auschwitz war dazu da alles im Gleichgewicht zu halten? Das läuft doch auf die Ansicht hinaus man leide, weil man es verdient habe, das lässt sich moralisch schwer denken.
      5. „Denn nicht er hat die Natur geschaffen, sondern die Evolution“ Zur Frage des Verhältnisses von Evolution und Gottglaube habe ich an anderer Stelle geschrieben. Sofern Sie an Gott glauben finde ich diese Aussage etwas merkwürdig, denn wenn die Evolution der Schöpfer ist, und nicht Gott, wäre die Evolution eigentlich Schöpfer.

  2. Pantheist schreibt:

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht so ganz, wieso ein pantheistischer Gott umbedingt unpersönlich sein muss. Es gibt auch Pantheisten, für die Gott etwas Persönliches ist und sogar Gebete zu Gott senden und trotzdem glauben, dass Gott und alles Sein eine Einheit bilden.

    In Österreich gibt’s sogar eine Pantheistische Religionsgesellschaft: http://religion.pantheismus.at

    • christscha schreibt:

      Gott wird hier mit der Welt gleichgesetzt, sodass – ex definitione – kein personaler Gott möglich ist. Das sehe ich auch durch den Link beschädigt, den Sie geschickt haben.
      Eine Variante, Pantheismus und persönlichen Gott zu vereinbaren, ist der sogenannte „Panentheismus“. Das wäre eine Haltung, wie sie Sie in Ihrem zweiten Satz beschrieben.

  3. Zerduest schreibt:

    das angebliche Christentum mit dem wir zu tun haben, hat mit dem wahren Christentum das Gleiche gemacht was die Nazis mit der nationalsozialistischen Idee gemacht haben. Die Methoden waren die gleichen….. alle Andersdenkenden umzubringen. Kein Wunder wenn man den Psychopathen Jahwe für Gott hält. Dabei muss man bedenken, dass Jahwe nichts anderes als ein Anunnaki namens Enlil aus dem alten Sumer ist und die Anunnakis bekanntlicher weise allesamt Pantheisten sind also lieber Christscha : wie kann man sich mit Dir unterhalten, wenn das was Du als Gott anbetest, selbst ein Pantheist ist…… sag Mal Chrstscha aus welchem Zeug hat „der Gott“ die Welt gemacht ? aus Etwas was nicht Er (oder Es) gewesen ist oder aus sich selbst. Sollte das Erste zutreffen, dann war er kein Gott, da er zur Schöpfung ein fremdes Material benötigte daher nicht allmächtig also kein Gott war oder aus sich selbst, also wir alle sind Gott. andere Möglichkeit gibt es nicht…. Beweis erbracht… den ganzen Artikel kannst Du in die Tonne schmeißen. In dem Dokumentarfilm The Fourth Kind (2009) kannst Du sogar die Stimme Deines „gottes“ hören Du nicht erwachter Schläfer.

  4. Zerduest schreibt:

    und ich empfehle sich auf die wahren Lehren Jesu zurückzubesinnen und das ist der „Duale Gnostizismus“ der als Pantheismus ausgelegt werden kann , sagte er nicht einmal : “ Ich bin das Licht“ , haben nicht die ersten Christen Ihn als Sonnengott verehrt ? wird er nicht in Indien, Kaschmir, Nepal als Sonnenkönig verehrt ? … wie jämmerlich sich so ein Motto auszudenken : „gegen Pantheismus“, da degradiert Ihr Euch schon am Anfang direkt

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