Schrift, Tradition und Lehramt – Antwort auf häufige Fragen

Eine katholische Lehre macht vielen, vor allem Protestanten, Probleme. Nämlich dass die Katholiken nicht nur die Bibel akzeptieren, sondern auch die Tradition und die Autorität des Lehramtes zur Interpretation. Ich möchte hier nicht eine Apologie der Tradition machen, sondern bloß das Verhältnis der drei darstellen, denn oft genug hapert es schon hier. Viele Nicht-Katholiken verstehen viele Lehren falsch und daraus resultieren Fehlurteilen. Zum Beispiel sah ein Protestant 1.Petr 5,1 als Beweis gegen das Papsttum an, weil Petrus die Ältesten als „Mitälteste“ anredet. Der Protestant hier vergisst aber, dass die Katholische Kirche dem voll zustimmt. Der Papst ist Bischof und insofern sind die anderen Bischöfe seine Mitbrüder. Oft genug werden Bischöfe und Priester („Brüder im priesterlichen Amt“) als Brüder angesprochen: z.B. in der Enzyklika „Fides et Ratio“ von Johannes-Paul II., spricht er von den „Ehrwürdige[n] Brüder[n] im Bischofsamt.“ Der Protestant hat hier einfach die Lehre nicht verstanden.

Aber hier geht es um die Tradition, die der Katholik als eine Quelle der Lehre ansieht. Das erste große Missverständnis ist der Begriff selbst: „Tradition“. Damit ist nicht bloß die Geschichte der Kirche und ihr Tun gemeint. Die Tradition der Kirche ist etwas fundamental anderes als z.B. die traditionellen Dreikönigstreffen der politischen Parteien. Daher spricht man auch von der heiligen Tradition, weil sie eben nicht bloß das was die Kirche ebenso macht, sondern der überlieferte Glaube in mündlicher Form ist, der sich in der Liturgie, dem Glauben der Kirche und den Schriften der Kirchenväter zeigt.

Der Tradition kommt nicht aus ihr selbst Autorität zu, sondern aus ihrem Ursprung. Warum ist die Tradition bedeutend? Aus dem gleichen Grund warum die Bibel Autorität hat: weil sie von Gott kommt. Der Katholik glaubt nur deswegen an die Tradition, weil er glaubt, dass die Überlieferung von Christus kommt und den Aposteln übergeben wurde, die diese der Kirche übergeben haben. Der Ursprung macht die Autorität.

Das gleiche gilt für das Lehramt. Der Kirche kommt nicht aus sich Autorität zu, sondern weil das Lehramt von Christus – über die Apostel – kommt. Darum beruft sich der Papst auch immer auf die Autorität Christi, z.B. „durch Unsere apostolische Autorität“ oder „Kraft der Autorität des hl. Apostel Petrus.“ Das Lehramt schöpft seine Autorität, sein Wesen und seine Seinsberechtigkeit aus der Einsetzung durch Christus selbst.

Es sei hier noch auf einen weit verbreiteten Vorwurf eingegangen, nämlich, dass es unfrei sei dass die Kirche das Recht habe die Bibel und die Glaubenslehre auszulegen. Diese Kritik an der Autorität ist ein Wesensmerkmal der progressiven Theologie. Um diesen Vorwurf zu widerlegen braucht es nur einen Verweis auf die säkulare Welt: denn wir haben in Deutschland ein Verfassungsgericht. Es legt verbindlich die Verfassung aus und hat dazu die alleinige Letzt verbindliche Autorität. Nun gibt es wohl kaum jemanden der in der Existenz des Verfassungsgerichtes etwas unliberales sieht. Vielmehr wird das seine Existenz als Zeichen einer liberalen Demokratie betrachten. Ebenso ist es mit dem Lehramt. Genauso wie das Verfassungsgericht hat es nicht überall einzugreifen. Das gesamtkirchliche Lehramt soll nur dann greifen, wenn es nötig ist, z.B. denn die Gesamtkirche von einer Häresie bedroht ist (z.B. Arianismus) oder zwei Diskussionsgruppen verbieten sich gegenseitig die Katholizität abzusprechen (Jesuiten und Dominikaner im Gnadenstreit). Manchmal reicht es auch wenn das Lehramt schweigt. Selbst dann ist es nützlich. Denn wenn es den Papst gibt und er schweigt, kann niemand beanspruchen die Wahrheit mit Löffeln gefressen zu haben.

Wie hat man sich nun das Verhältnis von Lehramt, Bibel und Tradition vorzustellen? In welcher Beziehung stehen sie zueinander? Ich glaube ein ungewöhnliches Beispiel tut hier wunderbar seinen Dienst: Harry Potter. Wir haben natürlich die sieben Bücher als Quelle. Wir haben aber auch Interviews, Antworten auf Fan-Fragen usw. von Rowling. Sie beantwortet zusätzliche Fragen z.B. über die weitere Zukunft der Charaktere (Antworten die in den Büchern nicht vorkommen). Das entspräche der Tradition. Wenn man doch noch eine Frage hat könnte man Rowling direkt fragen, sollte man sie irgendwann mal selbst treffen. Diese „lebendige Stimme“ entspricht der lebendigen Autorität der Kirche. Dieses Beispiel zeigt, ich glaube in großer Deutlichkeit, das Verhältnis der drei Kompotenten und macht auch das Grundprinzip deutlich: der Ursprung macht die Autorität. Darum ist für die Kirche auch die apostolische Sukzession wichtig, also die Lehre, dass die Bischöfe die Nachfolger der Apostel sind. Nur dadurch kann garantiert werden, dass das Neue Testament und die Überlieferung wirklich von den Aposteln kommen, indem man sich auf sie zurückführen kann. Ebenso wie z.B. der Sohn von J.R.R. Tolkien – Christopher Tolkien – eine besondere Autorität hat, weil er der Sohn ist. Er hat als Kind an dem Werk seines Vaters mitgearbeitet (wie die Apostelschüler, z.B. Ignatius von Antiochien) und ist ihm als Sohn so nahe, dass er über Fragen urteilen kann.

 

Das große Problem bei diesem Thema ist, wie ich bereits sagte, dass die meisten Menschen gar nicht wissen was die Katholische Kirche eigentlich sagt, was die Begriffe meinen und was die Lehre genau meint. Dieses Problem wurde unter dem Stichwort „Seehund-Problem“ bereits behandelt.

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