Interkommunion?

Einer der großen Fragen in der Ökumene in der Katholischen Kirche ist die Interkommunion, also die Möglichkeit gegenseitiger Teilnahme am Abendmahl; Protestanten sollten in einer katholischen Eucharistiefeier Brot und Wein empfangen können und umgekehrt. Die katholische Haltung das zu verweigern wird als intolerant und „Rückschritt“ empfunden. Vor allem progressive Theologen in der Katholischen Kirche fordern daher die Interkommunion als zentraler Teil ihres Programms. Mal abgesehen davon, dass dadurch die Einzigartigkeit und der Wahrheitsanspruch der Kirche verloren geht, und letztlich der Grund Katholik zu sein, vergessen die die so etwas fordern einige Dinge:

Zunächst einmal sind die Vorstellungen was Eucharistie eigentlich ist so unterschiedlich, dass es schwerlich vorstellbar wie das zusammen gehen soll. Wie soll ein Katholik, der an die Realpräsenz das Messopfer und die Wandlung durch priesterliche Autorität glaubt, zusammen mit einem Reformierten Christen, der jeden einzelnen Punkt ablehnt, zusammen zur Eucharistie gehen? Eucharistie soll doch gerade die Einheit der Gläubigen symbolisieren. Es wäre bloß eine Einheit des Leibes, eine de jure Einheit, ohne tieferen Kern. Aber sagt uns doch Paulus: „Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.“ (2. Kor. 3:6) Es ist nicht die pure physische Einheit, sondern die Einheit des Geistes. Wenn Eucharistie bedeutet, dass die Anwesenden das gleiche tun, denken und bekennen, dann kann Interkommunion gar nicht Kommunion sein (lat. „Gemeinschaft“), sondern bloß Trug.
Außerdem muss man doch erkennen, dass es bestimmte Überzeugungen gibt, die spaltend sind. Einheit um jeden Preis ist nicht wünschenswert. Die Tatsache dass in Deutschland nicht jede Partei mit jeder Partei koalieren würde ist positiv. Wenn wir sagen Einheit um jeden Preis, müssten wir fordern die NPD als Koalitionspartner in Betracht zu ziehen. Man müsste fordern eine deutsche Einheitspartei zu gründen oder wenigstens die Möglichkeit in mehren Parteien gleichzeitig zu sein. Jeder würde diese Idee verwerfen und betonen bestimmte Ideen können nicht zusammen kommen.

Außerdem müssen wir uns fragen was bei der Eucharistie überhaupt passiert. Es wird ja nicht nur der wahre Leib und das wahre Blut Christi gegenwärtig (nach katholischer Auffassung) gegenwärtig, sondern auch der Leib Christi in einem anderen Sinne, nämlich als Kirche. In der eucharistischen Präsenz konstituiert sich die Kirche; das Sakrament ist Ausdruck der Einheit. Mögen wir alle verschiedene Sprachen sprechen, verschiedenen Kulturen, Nationen oder Altersgruppen angehören – wir alle empfangen Christus und werden zu einer Einheit. Kaum jemand anders als der hl. Augustinus hat diesen Umstand entfaltet; er bringt ihn auf die Formel: „Empfangt, was ihr seid!“ 1 Wir sind der Leib Christi, also die Kirche und empfangen daher den Leib Christi.
Die Eucharistie ist daher gerade das tiefe Symbol und der Urgrund der Einheit der Katholischen Kirche. Wenn also die Kirche besonders gegenwärtig wird, ist es natürlich logisch, dass Nicht-Mitglieder der Kirche nicht daran teilnehmen können. An der Eucharistie teilnehmen heißt Teil der Kirche sein. Da das der Nicht-Katholik ist, kann er nicht kommunizieren.

Letztlich ist ein wesentlicher Punkt bei der Betrachtung der Interkommunion ein falsches Eucharistieverständnis, nämlich das zwinglianische. Also die Idee nicht Jesus werde real gegenwärtig, sondern in der Eucharistie gehen es bloß um die Erinnerung an ihn. Für den Reformator Zwingli ist das Abendmahl eine Handlung, bei der sich die Gemeinde versammelt, Brot und Wein als Symbole (keine Realpräsenz!) zu sich nimmt und sich erinnert. An Jesus erinnern können sich natürliche alle Konfessionen.

Es ist daher kein Wunder, dass mit der Forderung nach Interkommunion oft genug Häresie verbunden ist. Die Progressiven in der Katholische Kirche leugnen oft genug gleichzeitig die Realpräsenz, die Transsubstantiation und das Messopfer. Indem sie sich dem reformatorischen Verständnis nähern, wird es natürlich nur logisch die Interkommunion zu suchen. Wenn man jedoch die katholische Lehre bedenkt muss man gegenteilig handeln.

1 Sermo 272

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