Was ist Liberal-Konservativ?

Ich selbst bezeichne mich gerne als „liberal-konservativ“ (siehe About). Was ist damit gemeint? Was ich mit jeweils mit Liberal und mit Konservativ meine habe ich bereits an anderer Stelle zu erläutern versucht.

Was bedeutet aber nun diese Begriffspaarung? Ich muss freilich sagen, dass ich glaube dass nur ein liberaler Konservatismus ein wahrer Konservatismus und ein konservativer Liberalismus ein wahrer Liberalismus ist.

Wenn ich mich als liberalen Konservativen bezeichne, dann meine ich, dass ich für konservative Werte (Naturrecht, Christentum, Familie usw.) eintrete, aber kein Etatist bin. Ich bin kein paternalistischer Konservativer, wie z.B. Bismarck. Das heißt ich bin für die freie Marktwirtschaft und gegen einen Staat der die Tugend aufzwingt. Denn erzwungene Tugend ist keine Tugend. Nur wenn Moral etwas kostet und nicht Zwang ist, kann man sich überhaupt positiv auf sie berufen. Wenn mir jemand gewaltsam 10€ nimmt und sie spendet, kann ich schlecht Moralität für die Spende einfordern, denn „weder haben wir das Recht, auf Kosten anderer großzügig zu sein, noch liegt im Altruismus irgendein Verdienst, wenn er erzwungen ist.“1 Ebenso können Familie und der hohe Wert der persönlichen Verantwortung nicht bestehen, wenn die Regierung die Verantwortung für meinen Nächsten übernimmt. Wie können wir uns auch für moralisch halten, wenn die Regierung uns jede moralische Pflicht abnimmt? Wir können wir dem Satz „Liebe Deinen Nächsten“ gerecht werden, wenn wir dem Staat diese Pflicht überantworten? Wie kann man von Mit-Leid mit den Schwachen reden, während  man es anderen überlässt und bloß dafür x% seines Gehaltes zahlt? Wie kann man glauben Behörden, die ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten unterliegen, wären im Stande besser zu helfen, als das Ehrenamt, der persönliche Einsatz der Menschen, deren einziger Ansporn ist ihrem Gewissen liegt.

Wenn ich mich als konservativen Liberalen bezeichnete dann meine ich damit, dass ich kein relativistischer Liberaler bin, wie sie heute oft anzutreffen sind. Ich glaube nicht das Moral relativ ist, noch dass es egal ist ob jemand moralisch lebt (was natürlich nicht heißt, dass ich sie zur Moral zwingen will). Ich erkenne die notwendigen Bedingungen für Freiheit an; die Marktwirtschaft z.B. braucht das Jenseits von Angebot und Nachfrage. Eine Gesellschaft ohne Risikobereitschaft geht zu Grunde, weil niemand Unternehmer wird.

Zudem bin ich ein strikter Gegner des Relativismus, in dem nicht Freiheit, sondern Knechtschaft liegt.Eine Regierung, die in Recht und Moral bloß etwas zeit bedingtes sieht, dem keine unbedingte Anerkennung zu Teil wird, warum soll sie sich daran halten? Wenn das Recht bloß Menschen gemacht ist, warum hat es dann Gewicht? Der relativistische Staat wird somit zur Diktatur. Oder wie Shakespeare sagte: „Verlören wie Gerechtigkeiten den Namen. Dann löst sich alles auf nur in Gewalt, Gewalt in Willkür, Willkür in Begier.“2 Ohne Sitte und Moral sind die Sklaven unserer Triebe. Erst die Moral befreit uns davon die Knechte der Triebe und unser Begierde zu sein. Darum braucht die Freiheit die Moral. Der vermeintlich liberale Libertinismus wird zur „Diktatur des Relativismus“ (Benedikt XVI.)

Kurz: Liberal-Konservativ heißt für mich: nicht-etatistischer Konservatismus und nicht-relativistischer Liberalismus. Ich bin damit ein Ordo- bzw. Neoliberaler, denn das ist der Kern des Neoliberalismus. Oder um mit Wilhelm Röpke zu sprechen: Konservatives Bewahren und Erhalten ist eine unerläßliche Bedingung gesunder Gesellschaft, aber wer sich allein an Tradition, Geschichte und Gewohnheit klammert, macht sich eines Übermaßes schuldig, das zur unterträglichen Erstarrung führt. Liberale Vorliebe für Bewegung und Fortschreiten ist ein ebenso unentbehrliches Gegengewicht, aber wenn sie sich selber keine Grenzen vor der Achtung vor dem Dauernden und zu Bewahrenden setzt, ist ihr Ende Auflösung und Zerstörung.“3 Oder wie Edmund Burke sagte: es geht das rechte Verhältnis von Freiheit und Bindung; sowohl ein Ungleichgewicht zu Gunsten der Bindung, wie in Richtung Freiheit ist falsch. Es geht hier um Maß und Mitte.

1 Friedrich August von Hayek – Der Weg zur Knechtschaft, S. 262
2 Troilus und Cressida, 1,3
3 Wilhelm Röpke – Jenseits von Angebot und Nachfrage, S. 130
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5 Antworten zu Was ist Liberal-Konservativ?

  1. Matthias Kracht schreibt:

    Toll erklärt.
    Sehe ich auch als Liberal-Konservativ, und es ist wirklich schwer zu erklären was dies bedeutet.
    Erst recht das Zitat am Ende ist goldrichtig und eine gute Definition.

  2. R. Lutz schreibt:

    Liberalisierung (v. lat.: libertas = Freiheit bzw. liberalis = frei, freigebig) bedeutet den Abbau staatlicher oder gesellschaftlicher Eingriffe und Vorschriften.
    Liberal handeln, ist dann von der Politik aus gesehen:
    Vorschriften reduzieren
    Demnach Gesetze reduzieren, Einschränkungen reduzieren,
    unsinniges an Bevormundung abschaffen.
    Das Verantwortungsgefühl muss aus einem selbst entwickelt werden.
    Was ist Liberal, da fehlt noch was?
    … es ist auf jeden Fall nicht eine Freiheit ohne Grenzen damit gemeint, nicht sich Freiheiten rücksichtslos nur zu nehmen, weil Mensch die Mittel und die Macht dafür hat.
    Freiheit und Selbstverantwortung
    Aber auch ein Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft.
    Das Selbst und Wir in einem verantwortungsvollen, freiheitlichen Gleichgewicht anzustreben.

  3. Pingback: Anonymous

  4. Raphael Zweng schreibt:

    Das stimmt überhaupt nicht, Neoliberal bedeutet Familienwerte ohne Einschränkungen, konservativ bedeutet Vater-Mutter-Kind ohne Ausnahmen, hier gibt es eklatante Underschiede !

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