Pro Studiengebühren

Das bürgerlich regierte Bayern schafft die Studiengebühren ab; es muss klar gesagt werden, dass es um ein populistisches Umfallen auf Grund der kommenden Landtagswahl handelt. Wobei man sich fragt warum man eigentlich CSU bzw. FDP wählen soll, wenn sie das gleiche tun wie Rot-Grün. Die ordnungspolitischen Wähler der bürgerlichen Parteien honorieren doch gerade das Anderssein, das nicht Umfallen. Wir wollen uns jedoch nicht mit taktischen Überlegungen und Analysen unseres Parteiensystems beschäftigten, sondern eine Apologie der Studiengebühren verfassen. Ich halte sie gerade für gerecht!

Das zeigt sich vor allem an der Frage wer eigentlich studiert. Studenten entstammen in den wenigsten Fällen der Unterschicht. Oft genug studieren die Kinder von Eltern, die selbst studierten. Ähnliches gilt in anderen Schichten. Wenn wir dies also sehen stellen wir folgendes fest: ein Arbeiterkind fängt mit 16 eine Ausbildung an und arbeitet bis 67. Das Kind eines Arztes fängt erst mit frühstens Mitte 20 an zu arbeiten, wenn das Ziel z.B. der Arztberuf ist. Das Arbeiterkind finanziert daher dem Arztkind sein Studium und „verhilft“ ihm so zu einem Beruf mit einem hohen Einkommen, während sein Einkommen durch Steuern geschmälert wird.

Der Student ermöglicht sich durch sein Studium ein höheres Einkommen. Warum soll er nicht dafür bezahlen? Wenn ich einen Sprachkurs für Englisch besuche um sich beruflich weiter zu entwickeln, so zahle ich das selbst. Das gleiche gilt für Meisterprüfung (1000€ Zuschuss können über diese Ungerechtigkeit nicht hinweg täuschen), Fernschule, bestimmte Ausbildungen usw. In allen Fällen will der Einzelne sich besser stellen. Wieso soll nicht der werdende Arzt oder Jurist das gleiche tun, in Hinblick auf sein erwartetes Einkommen? Ich will mich besser stellen, also sollte ich doch dafür bezahlen. Ich will einen schönen Urlaub, ein schönes Haus oder ein gutes Auto, also sollte ich dafür bezahlen.

Man darf auch nicht den Aspekt der nachlaufenden Studiengebühren vernachlässigen: ein guter Akademiker ist durchaus in der Lage seine akkumulierten Studiengebühren zurückzuzahlen, ohne am Hungertuch zu nagen. Das zeigt auch, dass der Mythos Studiengebühren verhinderten das Studieren von Ärmeren nicht stimmt. Zumal es neben nachlaufenden Studiengebühren auch verschiedene Regelungen geben kann wie Befreiungen und Stipendien, wie es z.B. bei Studenten mit Kindern der Fall ist. Aus diesen Einzelfällen eine allgemeine Regelung ableiten zu wollen ist unsinnig und ein falscher Schluss.

Außerdem muss man sich über die Höhe klar werden: gesetzlich regelt ist eine Höchstgrenze von 500€ pro Semester.1 In einem halben Jahr 500€ zu verdienen ist mehr als möglich, vor allem da Studenten leicht flexible Jobs finden und dort mehr als gute Löhne erreichen, die mehr als ausreichen um die Studiengebühren zu bezahlen. Auch zeigt die angelsächsische Welt, dass trotz Studiengebühren viele Menschen studieren. Aber auch Deutschland macht das klar: die Studentenzahlen klettern rauf, obwohl es Studiengebühren gab.

Ein weiterer Umstand muss deutlich werden: der Student ist ein Kunde. Die Linken werfen hier ein, man mache aus den Universitäten Profit-Center. Aber das Gegenteil ist der Fall: der Student steht nicht mehr vor einer Behörde, in der er sich mit vielen Institutionen „Mitbestimmung“ verschaffen muss. Die beste Mitbestimmung ist die finanzielle. Eigentum und Geld sind die meisten Formen der Mitbestimmung. Der Student wäre Kunde und die Universitäten wären dem Wettbewerb ausgesetzt. Behörden können sich auf die ruhige Haut leben, Unternehmen im Wettbewerb nicht. Erst wenn schlechte Leistung wirklich bestraft wird (durch finanzielle Einbußen) ändert sich etwas. Daher sind die Studiengebühren nicht nur das Mittel für mehr studentische Mitbestimmung, sondern auch Instrument zur bildungspolitischen Dezentralisation, denn die Studiengebühren erlauben der Universität Autonomie. Die Universität kann sorgfältig mit dem Geld umgehen und es an ihre Bedürfnisse anpassen. Universitäten die Geld verschwenden müssten mehr Studiengebühren erheben, was Wettbewerbsnachteile mit sich brächte.

Der große Irrtum der Abschaffung der Studiengebühren liegt in einem Wort: „kostenlos.“ Man forderte kostenlose Bildung, ein kostenfreies Studium. Aber das Studium ist nicht umsonst! Gebäude, Energie, Lehrkräfte, Angestellte, Lehrmittel usw. müssen bezahlt werden. Das Geld kommt nicht aus einer mythischen „vierten Dimension“. Die Frage ist nur: wer zahlt? In einem System ohne Studiengebühren muss die Allgemein Steuern zahlen, wobei verstärkend doch dazu kommt, dass die Einnahmen aus den Studiengebühren aus den Haushalten kompensiert werden und das auf Pump. Und wir wissen: die Schulden von heute, sind die Steuern von morgen. Oder, das halte ich für gerechter, soll der wesentliche Nutznießer dafür zahlen? Das gleiche gilt auch für die Forderung nach „kostenlosem“ ÖNV. Die Nutznießer zahlen nichts, die Allgemeinheit muss die Rechnung für andere begleichen.

Die Studiengebühren sind daher mehr als gerecht, weil sie die Nutznießer an den Kosten beteiligen, und als Preis für ein höheres Einkommen zu werten sind. Studiengebühren ermöglichen Autonomie, Dezentralisation und eine wirkliche Mitbestimmung der Studenten; sie machen Wettbewerb möglich und verbessern dadurch die Leistung.

1 Friedrich Merz – Mehr Kapitalismus wagen, S. 181

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