Irrtümer der Kirchengeschichte – Eine Einführung

Mit diesem Teil sei eine neue Reihe angefangen, in der wir, in unregelmäßigen Abständen, uns mit populären Irrtümer der Kirchengeschichte befassen wollen. Als kleiner Ausblick seien z.B. die Kreuzzüge oder das Konzil von Nicäa zu nennen.

I. Rechtfertigung durch Geschichtsfälschung?
Bevor wir in folgenden Teilen uns mit den verschiedenen Themen auseinander setzen, muss hier noch ein großes Missverständnis aus dem Weg geräumt sein, nämlich die Intention solchen Tuns. Die Kirchenkritiker werfen welchen Unternehmungen schnell man wolle die Kirche „rein waschen“; es ging bloß um Geschichtsverfälschung zum Zwecke billiger Apologie und nachträglicher Rechtfertigung.
Einmal davon abgesehen, dass die Vertreter solcher Vorwürfe meist an die Irrtümer glauben ohne dafür Quellen anzuführen („Jeder weiß dass die Kirche Hexen verbrannt hat.“) ist eine pauschale und falsche Rechtfertigung der Kirche natürlich nicht mein Ziel. Es geht auch nicht darum Fehler klein zureden und zu relativieren, sondern sie in den richtigen Kontext zu setzen. Ein Beispiel: die Regierung macht einen großen Fehler, die Opposition kritisiert diesen natürlich. Der Oppositionsführer ruft laut im Parlament es sei der „größte Fehler unserer Geschichte“ und die „unfähigste Regierung unseres Landes.“ Es ist klar: es handelt sich um Oppositionsgerede, dass Kraft Natur der Sache übertrieben ist. Äußert der kritische Außenstehende den Umstand, dass der Fehler groß, aber nicht so groß ist wie die Opposition meint, begibt sich dieser noch nicht in die Position eines geschichtsverfälschenden Apologeten der fehlerhaften Regierung.
Es ist daher bedauerlich, wenn auf die Klärung einer historischer Irrtümer die Kirchenkritiker mit nichts als Spott reagieren und an der populären Thesen festhalten, nur weil sie sie gelernt haben. Die Frage ist doch eher wer unredlich ist: der der Quellen präsentiert um eine These aufzustellen, oder derjenige der ad hominem gegen seinen Gegner argumentiert, ihm negative Motive unterstellt und ohne Quellen seine These immer wiederholt.
Es geht also hierum einige Irrtümer zu beseitigen und populäre Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, und nicht Christen in ein besseres historisches Licht zurücken.

II. Unmöglichkeit der Historie:
Das große Problem bei historischen Diskussionen, die im Kontext metaphysischer Positionen stehen ist der Irrtum die Historie könne Aufschluss über die Wahrheit einer Haltung geben. Diese Idee ist grob irrig, denn die Richtigkeit einer These ist unabhängig vom Verhalten ihrer Anhänger.
Ein Beispiel: stellen wir uns einen Nazi vor, der sozial aktiv ist – Blut spendet, im Elternrat der Schule aktiv ist und viel Geld spendet – ist deswegen der Faschismus richtig? Ist der Faschismus vor allem dann richtig, wenn sein Nachbar, ein überzeugender Demokrat, faul ist auf Kosten seiner Frau lebt und das Geld der Familie versäuft? Können wir daraus etwa schließen die Demokratie sei schlecht, der Faschismus gut? Natürlich nicht. Denn egal wie gut oder schlecht sich der Faschist benimmt – seine Theorie bleibt falsch. Ad hominem (gegen die Person) können wir nicht argumentieren. Daher halte ich es für falsch als Argument gegen Nazis darauf hinzuweisen, dass diese den Nationalismus als Kompensation ihrer Minderwertigkeitsgefühle benutzen. Das mag zwar richtig sein, sagt aber nichts über den Faschismus. Denn der Faschismus ist ja nicht deshalb falsch, weil seine Anhänger ihn zur Kompensation gebrauchen, sondern er ist intrinsisch falsch.
Der umstrittene Thilo Sarrazin, über dessen Ansichten und ihren Wahrheitsgrad wir hier nicht sprechen wollen, hat unsere These in einen Satz gefasst, als er sagte: “Wenn sie einer verabscheuungswürdigen Person begegnen, die behauptet: ‘Die Erde ist rund’, bleibt ihnen nichts anderes übrig als zu antworten: ‘Du hast Recht, aber Du bist trotzdem ein Arschloch.’ “ (Vorstellung „Deutschland schafft sich ab)

Bereits veröffentliche Artikel:
Das Konzil von Nicäa

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