Irrtümer der Kirchengeschichte – Nizäa

Den Gegnern der Dreifaltigkeit sei der entsprechende Artikel angeboten: „Verteidigung der Dreifaltigkeit„.

  1. Eine historische Einführung:
THE_FIRST_COUNCIL_OF_NICEA

Östliche Ikone des Konzils

Das Konzil von Nizäa was der erste „ökumenische Konzil“, d.h. die erste allgemeine, also auf die Gesamtkirche, bezogene Bischofsversammlung. Das Thema war essentiell: wer oder was ist Jesus Christus? Anlass war der Streit des Patriarchen von Alexandrien, Alexander, mit einem Presbyter Arius. Arius behaupte Jesus sei nicht Gott, sondern nur gottähnlich und es habe eine Zeit gegeben, in der Jesus nicht existiert habe. Nur der Vater sei Gott. Alexander vertrat dagegen die Lehre, dass Jesus nicht gottähnlich, sondern göttlich sei. Er sei ewig wie der Vater und wahrer Gott. Daher exkommunizierte Alexander Arius. Der darauf folgende arianische Streit sprang auf die übrigen Regionen über und wurde zu einer gesamtkirchlichen Frage.
Der römische Kaiser Konstantin berief ein Konzil nach Nizäa. Dort wurde diskutiert ob Arius ein Irrlehrer sei. Am Ende verurteile das Konzil den Arianismus und verfasste das sogenannte „Nizäanische Glaubensbekenntnis,“ (Text unten) dass gegenüber Arius festhielt Jesus sei „Gott von Gott, Licht von Licht, wahrer Gott aus wahrem Gott, gezeugt nicht geschaffen, eines Wesens (griech. Homoousios) mit dem Vater.“ Mit dem Konzil endete aber nicht der arianische Streit, der sich noch Jahrzehnte hinzog. Am Ende siegten die Anhänger der Gottheit Christi, die heute von den großen christlichen Kirchen als Basis ihres Glaubens betrachtet wird.

  1. Die Vorwürfe:

Konstantin zwang den Bischöfen den Glauben auf.“
Besonders die Gegner der Gottheit Jesu, in unseren Zeit oft Muslime, stellen die These auf die Bischöfe auf dem Konzil von Nizäa hätten nur deshalb für die Wesensgleichheit gestimmt, weil Konstantin sie dazu gezwungen habe. Diese These ist aus drei Gründen falsch: 1). Was war Konstantins Intention? Warum sollte ein weltlicher Machtpolitiker eine theologische Position einnehmen? Ihm war egal ob Arianer oder Anti-Arianer gewannen. Ihm war nur wichtig, dass er daraus einen Vorteil zog. Einen Vorteil hatte er von einem einigen Christentum. Er gab daher nur den Anlass den Streit endgültig zu klären. 2). Man muss nur Konstantins persönliche Geschichte verfolgen um zu erkennen, dass der Vorwurf haltlos ist. Denn auf dem Sterbebett wurde Konstantin 337 von einem Arianer getauft. Ein Nizäaner hatte dies niemals akzeptiert. 3). Die These die Väter hätten sich zwingen lassen ist absolut haltlos. Die letzte Christenverfolgung lag gerade einmal 15 Jahre zurück (unter Diokletian) und einige Konzilsväter hatten selbst unter der Verfolgung gelitten, aber ihren Glauben bewahrt. Zu nennen sind u.a. Ossius von Córdob und der berühmte Bischof Nikolas von Myra die beide an die Wesensgleichheit glauben. Nikolaus ging sogar soweit Arius wegen seiner Meinung zu ohrfeigen. Daher ist es also irrig zu meinen die Väter hätten sich zwingen lassen. Warum sollten die gleichen Männer erst Folter und die Androhung der Todesstrafe bereitwillig akzeptieren, aber nun vor Konstantin einknicken? Warum sollten Männer, deren fester Glaube es war, dass es besser sei zu sterben, als den Glauben zu verleugnen sich nun zwingen lassen? Allein der Umstand, dass das Konzil von Nizäa nicht zum Ende des Arianismus führte, zeigt dass der Kaiser gar nicht in der Lage war die Konzilsväter oder andere berühmte Persönlichkeiten zu einer Position zu zwingen.

Das Konzil beschloss die Dreifaltigkeit.“
Es ist gibt ein großes Missverständnis, dem die Feinde der Dreifaltigkeit anhängen, nämlich das Konzil von Nizäa habe die Dreifaltigkeit als Dogma beschlossen. Das ist nicht der Fall! Thema war die Gottheit Jesu nicht die Dreifaltigkeit. Der Umstand, dass es Gruppen gab, die zwar die Gottheit Jesu annahmen, aber nicht die Trinität (z.B. die Pneumatomachen, die die Gottheit des Heiligen Geisten bestritten), zeigt deutlich, dass diese These falsch ist.

Der Staat unterdrückte die Arianer.“
Dieser Vorwurf korreliert mit dem ersten und ist in der gleichen Weise zu widerlegen, denn das genaue Gegenteil ist richtig. Der Staat war auf Seiten der Arianer. Kaiser, Kaiserhof und wichtige römische Beamter waren Arianer. Zu nennen sind u.a. der Nachfolger von Konstantin Constantius II., sowie Julian, der sich freilich später dem Paganismus zuwandte, aber eine arianische Mutter hatte. Diese staatliche Vormacht der Arianer zeigt sich u.a. an dem bekannten und größten Gegner der arianischen Lehre: Athanasius. Der alexandrinische Bischof wurde mehre Male verbannt (die genaue Zahl ist unklar. Es schwankt zwischen fünf und sieben) und verbrachte mehr Zeit im Exil, als in seiner ägyptischen Diözese. Daraus resultierte der berühmte Satz: „Athanasius contra mundum.“ (lat. Athanasius gegen die Welt) Folglich ist die These vom pro nizäanischen Staat ein Mythos der Arianer und ihrer modernen Erben.

Nizäa erklärte die vier Evangelien für kanonisch.“
Vor allem im Zusammenhang mit Dan Browns Buch ist die These die populär geworden das Konzil habe die heutigen vier Evangelien für kanonisch erklärt und die „echten“ wahren gnostischen Evangelien vernichtet. Mal abgesehen von einer notwendigen Apologie der vier Evangelien gegenüber den vermeintlich wahren gnostischen Evangelien (siehe: „Märchenbuch Bibel?) , ist die These als ebenso haltlos zurückzuweisen wie die zweite. Das heißt zwei Gründe: 1). Nizäa behandelte überhaupt nicht den Kanon. Nizäa hat weder ein Evangelien für kanonisch erklärt noch eins verurteilt, sondern hat dazu nichts getan. Die Frage nach dem Kanon wurde auf dem Konzil nicht behandelt! 2). Die Abendländische Kirche hatte gar keinen Einfluss alle Evangelien zu ändern oder zu verbieten. Wie hätte die Kirche Evangelien in Südwestindien oder Äthiopien – die übrigens identisch sind mit unseren – regulieren sollen? Die Evangelien waren viel zu verbreitet um sie effektiv ändern oder verbieten zu können.
Interessant ist zudem, dass weder Arius noch die Arianer den neutestamentlichen Kanon in Frage stellten. Ihr Argument war nicht dass die Evangelien gefälscht seien, sondern dass sie die Wesensgleichhheit nicht lehrt.

Nizäa brachte eine neue Lehre.“
Dieser Vorwurf behauptet die Wesensgleichheit Jesu sei eine Erfindung des nizäanischen Konzils und für das damalige Christentum gewesen. Er korreliert mit den anderen Thesen, da ohne Zwang logischerweise die vermeintlich arianische Mehrheitsmeinung sich nicht geändert hatte.
Diese Aussage ist auf zweifache weise zu begegnen: 1). Was ist eigentlich ein Dogma? Der Trinitätskritiker sagt oft das Konzil sei 300 Jahre nach Jesu gehalten wurden. Dass die Wesensgleichhheit dort zum Dogma erhoben wurde, zeigt, dass diese Lehre nachbiblisch entstanden ist. Das ist ein grobes Missverständnis über das Wesen von Dogmen. Wenn die Kirche eine Lehre zum Dogma erhebt bekundet sie, dass sie diese Lehre schon immer geglaubt habe. Neues kann nie ein Dogma sein; nur immer Geglaubtes. Kardinal Newman stellt daher fest, dass eine Lehre nicht geglaubt wird „weil sie definiert wurde, sondern sie wurde definiert, weil [man] daran glaubte.“1
Insofern ist es irrelevant ob ein Dogma 100, 200 oder 500 Jahre nach Jesu erlassen wird. Denn ein Dogma sagt nur: Diese Lehre glauben wir seit Beginn und wir stellen das heute (500 Jahre später) deutlich fest und machen klar, dass diese Lehre verbindlich ist, weil sie Glaubensgut ist seit Ewigkeit. Eine immer geglaubte Lehre immer wieder zu bekräftigen sagt nichts über das Alte der Lehre aus. Bekräftigt heute ein Muslim den Glauben an das Prophetentum Mohammeds, schließt daraus niemand diese Doktrin sei also. Ein Dogma ist also niemals neu. 2). War die Lehre von der Gottheit Jesu wirklich eine Neuerung für das Christentum? Das Gegenteil ist der Fall! Die Gottheit Jesu war und ist die Basis des gesamten christlichen Glaubens.
Um dies zu beweisen wollen wir uns darauf beschränken zwei frühchristliche Autoren zu zitieren. Zum ersten den Kirchenvater Ignatius von Antiochien (†117): „Denn unser Gott Jesus Christus“ (Röm. 3); „Da Gott s in Menschengestalt sich offenbarte (Eph. 19) „Einer ist der Arzt […] im Fleische wandelnd ein Gott.“ (Eph. 7) Zum anderen sei hier Gregorius Thaumaturgus (†270) zitiert: „[Jesus] Herr alleinig vom Alleinigen, Gott aus Gott.“ (Glaubensbekenntnis). Sehr interessant ist auch der Kirchenvater Hilarius von Poitiers († 375), der als der Kämpfer gegen den Arianismus im Westen gilt. Er ist der klar Beweis für die Unwahrheit der Anschuldigungen, denn, der 350 Bischof gewordene, Konvertit lernte das Nizäanische Credo überhaupt erst 356 kennen, obwohl er sein ganzes Leben lang die Arianer bekämpfte.

Nizäa hellenisierte das Christentum.“
Es wird die These aufgestellt mit Nizäa habe der Abfall des Christentums begonnen: das biblisch hebräisch sei durch das griechisch philosophische verdrängt worden. Das komplizierte Theologendeutsch trat an die Stelle der einfachen Worte Jesu. Der Vorwurf wird u.a. damit begründet, dass ein unbiblisches Wort „ Homoousios“ (wesensgleich) eingeführt worden sei. Auch diese These müssen wir zurückweisen, aus mehren Gründen: 1). Der katholische Katechismus sagt: „Wir glauben nicht an Formeln, sondern an die Wirklichkeiten, die diese ausdrücken“ (KKK-17). Es sei doch Menschen mit griechischer Muttersprache verziehen wenn sie griechische Begriffe benutzen. Es wäre ebenso absurd mit Termini wie Wandlung, Weihe oder Dreifaltigkeit sei das Christentum germanisiert worden. Dieser Vorwurf ist zudem unhaltbar, da auch die (semi-)arianische Seite griechische Begriffe benutzen: „Homoiousios“ (Wesensähnlich) 2). In Wahrheit waren nicht die Nizäaner Anhänger eines unbiblischen philosophischen Gottesbegriffes, sondern Arius. Seine Argumentation entlehnte sich der griechischen Philosophie. Er behauptete Gott sei derart transzendent und andersartig, dass er nicht mit der Welt in Kontakt treten könne. Er brauche dazu einen Mittler, nämlich den geschaffenen Logos. Die Verteidiger der Wesensgleichheit argumentieren biblisch und sagten Gott sei doch auf vielfältige Weise mit uns in Kontakt getreten. Der Sinn der neutestamentlichen Offenbarung ist doch dahin, wenn Jesus nicht Gott ist. Dann ist er nicht nur nicht unser Erlöser, sondern dann ist Gott nicht wirklich zu uns gekommen. Dann ist da nur wieder ein Mittelwesen. Die Höhe der Offenbarung kann das nicht sein. Arius ging es also um den Schutz eines abstrakt philosophischen Gottesbildes, den Vätern darum die biblische Botschaft zu retten. Es ist interessant, wie auch heutige Trinitätsgegner, z.B. Muslime, argumentieren. Sie argumentieren wie Arius: die Inkarnation zerstöre Gottes Größe, die Existenz des Sohnes reduziere Gottes Einzigartigkeit usw. Arius wie seiner modernen Erben nehmen sich solche abstrakten Überlegungen zur Grundlage, anstatt des biblischen Zeugnisses. 3). Was sagt Homoiousios eigentlich aus? Es geht um die biblische Frage was heißt „Gottes Sohn“? Die Antwort: es ist eine wörtliche Wirklichkeit, d.h. Jesus ist tatsächlich Gottes Sohn, nicht bloß durch Adoption, Abstraktion oder Gehorsam. Was heißt nun „tatsächlich“? Nun Jesus ist von der gleichen Natur wie der Vater. Er ist göttlich, so wie Gott. Ihre Naturen, ihre Wesen, sind also gleich. Man sieht also, dass es sich bei Homoiousios nicht um eine abstrakte kompliziert philosophische Frage handelt, sondern um zu tiefst biblische Fragestellung, die den Kern des Christentums behandelt, nämlich: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ (Mt. 16:15) In Nicäa „sagt die Kirche immer neu mit Petrus: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“2

 

  1. Der Text des Glaubensbekenntnis:
Konzil_Nicaea

Konzilsväter mit dem Bekenntnistext

Wir glauben an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Wir glauben an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott, Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens (homoousios) mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.

1 John Henry Newman – Apologia pro Vita Sua, S. 275
2 Benedikt XVI. – Jesus von Nazareth I, S. 407
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