Nachruf auf Margaret Thatcher

Vorwort
Einleitung
Kurze Biographie
Ihr Denken
Ihre Verdienste
Vorwürfe
Ihr Erbe

Vorwort:
Ich kann nicht mehr genau sagen, wann ich mich das erste mal bewusst mit Lady Thatcher auseinander gesetzt habe. Es muss zu der Zeit gewesen sein, in der ich mich vom Sozialismus zur Marktwirtschaft hin wandte. Von Anfang an begeisterte mich diese Frau, sowohl als Person wie als Politikerin. Ihre klares Bekenntnis zu ihren Ideen, der Abscheu für den relativistischen Konsens, Klarheit in den Worten – all das waren Charakterzüge die ich in ihr wiederfand. Ihre Idee vom Volkskapitalismus – also einer breiten Streuung des Eigentums im Volk, sodass alle Aktionäre und Eigentümer werden – war auch die meinige, wie auch Inhalt der Sozialen Marktwirtschaft und der katholischen Soziallehre.
Ihre Unnachgiebigkeit, ihre klar werteorientierte Politik – das alles sind Dinge, die ich an ihr immer bewundert habe und es heute noch tue. Insofern bedauere ich natürlich ihr Ableben und ehre diese große Frau.

Einleitung:
Am 8. April ist Margaret Thatcher, die frühere Premierministerin des Vereinigten Königreiches, gestorben. Wohl hunderte Nachrufe versuchen sie zu bestimmen, Fehler und Verdienste zu formulieren und ein abschließendes Bild zu malen. Hier sei das gleiche versucht, auch wenn ich mir bewusst bin, dass niemand in der Lage ist das historische Porträt zu zeichnen, sondern nur einen kleinen Mosaikstein in das Bild einzufügen vermag.

Kurze Biographie:
Margaret Hilde Roberts wurde am 13. Oktober 1925 in Grantham (Lincolnshire) als jüngste von zwei Töchtern geboren. Ihr Vater, Alfred Roberts, besaß einen kleinen Kolonialwarenladen, indem die Kinder bereits früh aushalfen. Diese mittelständische Herkunft sollte Thatchers gesamtes Denken und Handeln späterer Jahre entscheidend prägend.
Vor allem der Vater hatte einen großen Einfluss auf seine Tochter. Den als Old Whig zu bezeichneten Vater gehörte noch zu jenen Liberalen, die die Werte dieser großen in England entstandenen Bewegung hochhielten: finanzielle Verantwortung, schlanker Staat, Eigenverantwortung, Sparsamkeit usw. Im privaten folgte die Familie dieser Philosophie: sie leben sparsam und waren fleißig. So verfügten sie nicht über fließend warmes Wasser. Ebenso spielte für den methodistischen Laienpriester Roberts das Christentum eine bedeutende Rolle. Auch Bildung war für die Familie wichtig. So verpflichtete der Vater die Töchter zwei Bücher pro Woche, davon mindestens ein Sachbuch, zu lesen.
Obwohl Alfred Roberts ein alter Liberaler war, wählte er doch die Tories, die ursprünglich die Gegner der Whigs gewesen waren. Der Grund hierfür war, in den Augen von Roberts, der Abfall des Liberalen von ihren Werten und die Hinwendung zum Kollektivismus.
Nach Abschluss der Schule studierte Thatcher Chemie an der renommierten Oxford Universität. Dort engagierte sie sich bei den jungen Konservativen. Nach dem Abschluss arbeitete sie einige Jahre als Chemikerin und war in dem Team tätig, dass das Softeis erfand.
Thatcher kandierte erstmals 1950 für einen Parlamentssitz scheiterte aber, trotz Stimmgewinne für die Tories. Auf dieses enttäuschende Ereignis folgte 1951 die Hochzeit mit dem Geschäftsmann Denis Thatcher, eine Ehe die bis 2003 zum Tod des Ehemannes hielt. In den 50ern legte Thatcher noch ein Jura Studium, mit Spezialisierung auf Steuerrecht, nach und arbeitete einige Jahre als Steueranwalt.
1959 schließlich schaffte Thatcher den Sprung ins Parlament. Bereits zwei Jahre später wurde sie Parlamentssekretärin im Sozialministerium. 1970 wurde Thatcher, mit 45 Jahren, Ministerin für Erziehung. Dort begann erstmals Protest gegen die Krämerstochter, weil sie die kostenlose Milch in Primarschulen abschaffte. Thatcher wurde darauf hin als „Michdiebin“ bezeichnet. Ihren berühmtesten Titel – die Iron Lady (Eiserne Lady) – stammt von den Sowjets aus dem Jahr 1976, als Thatcher die UdSSR scharf angriff.
Als die Tories 1974 die Neuwahlen gegen die Labour verloren nutzte Thatcher die Lage und kandierte 1975 erfolgreich für den Vorsitz der Konservativen Partei. Vier Jahre später führte sie die Konservativen zum Sieg und wurde zur ersten Premierministerin des Vereinigten Königreichs. Sie traf auf ein Land mit hoher Inflation und Arbeitslosigkeit, ständigen Streiks, Keynesianismus, vermachteten Gewerkschaften, verstaatlichten Industrien und hohen Steuern. Großbritannien war der kranke Mann Europas. Bis 1990 setzte Thatcher dem einen liberalen Reformkurs entgegen: Senkung der Staatsquote, Deregulierung, Privatisierungen, Kampf gegen die Gewerkschaften, Steuersenkungen und Liberalisierung des Außenhandels. Die thatcheristischen Reformen kamen in ihrer Radikalität nur den Beveridge Reformen 40 Jahre vor vor gleich.
Als 1982 das autoritäre Argentinien die Falklandinseln besetzte blies Thatcher zum Gegenschlag und zeigte wozu das Empire noch fähig war. Der Sieg im Falklandkrieg brachte Thatcher genug Popularität für die Wiederwahl 1983. Auch 1987 konnte Thatcher für die Tories trotz Verlusten eine dritte Amtszeit antreten. In dieser Zeit war sie maßgeblich der Beendigung des Kalten Krieges beteiligt, sprach sich jedoch gegen die Deutsche Einheit aus.
Nur drei Jahre später endete ihre Amtszeit, denn die Partei begann einen Putsch. Der radikale Refomkurs, die umstrittene Poll Tax und der Umstand, die Europapolitik Thatcher und ihr Führungsstil führten zu diesem Schritt. Der frühe, von Thatcher entlassene, Verteidigungsminister Michael Heseltine kündigte die Kandidatur für den Parteivorsitz an. Beim ersten (erfolglosen) Wahlgang war Thatcher gerade in Europa, aber es war klar, dass sie nicht gewinnen konnte. Thatcher trat 1990 zurück, sorgte jedoch dafür, dass John Mayor, nicht Heseltine, neuer Premierminister wurde. Letztlich scheiterte sie an ihrer Partei, die „stets eine Partei des Paternalismus und der aristokratischen Führung“1 war. Bis 1992 verblieb Thatcher weiterhin im Parlament und zog sich dann aus der aktiven Politik zurück. Im gleichen Jahr wurde sie geadelt und zog deswegen ins Oberhaus ein.
Ab 2000 begann schließlich eine Verschlechterung ihres Zustands. In diesem und im Folge Jahr erlitt sie mehrere Schlaganfälle, es folgte eine Demenz. Schließlich starb Lady Thatcher am achten April an einem weiteren Schlaganfall.

Ihr Denken:
Wie schon beschrieben prägte das Elternhaus stark ihr Denken. In ihrem Vater kristallisiert sich das Spezifische am Thatcherismus, nämlich die Synthese von Liberalismus und Konservatismus; der Zusammenhang von konservativen Werten wie Eigenverantwortung, Familie und Sparsamkeit sowie dem liberalen Wert der schlanken Regierung.
Der Thatcherismus lässt sich am besten als Liberal-Konservativ beschreiben (wie unter „About“ zu sehen eine Terminologie mit der ich mich bezeichne). Es ist daher auch falsch zu versehen die liberalen und konservativen Elementen herauszufiltern und ihre Ursprünge zu sehen. Natürlich kann man fragen wann, wo und durch wen sich konkrete politische Haltungen bildeten, aber die Saat des ganzen war immer da.
In den Nachrufen lesen wir viele Unwahrheiten und Beleidigung, ein Prädikat aber passt wie kaum ein anderes auf die Eiserne Lady, nämlich neoliberal. Der Thatcherismus ist nichts anderes als die britische Manifestation des Neoliberalismus. Hier wäre natürlich zu fragen was Neoliberalismus ist, der die Weltanschauung der Gründerväter der Sozialen Marktwirtschaft ist. Zum einen eine ökonomische Theorie die dem Staat die Aufgabe zuweist eine Rechtsordnung zu schaffen aber auf der anderen Seite ein Kulturideal. Der Neoliberale macht deutlich, dass es zwar Marktgesetze gibt, diese aber nicht abstrakte Größen sind, die man einfach auf nur anzuwenden braucht. Es braucht auch die immateriellen geistigen Bedingungen, das Jenseits von Angebot und Nachfrage (gleichnamiges Buch von Wilhelm Röpke). Eine Gesellschaft von Menschen die kein Risiko eingehen wollen, wird niemand wirtschaftlich erfolgreich sein, weil keiner Unternehmer sein wird.

Der Thatcherismus ist daher zutiefst neoliberal, denn er ist die Verbindung von Konservatismus und Liberalismus und fasst sie zu einer Synthese zusammen, in der jede Begründung und Apologie des anderen gleichzeitig ist.

Auch ihr Patriotismus weist viele liberale Züge auf, denn ein Jahrhundert des englischen Liberalismus haben die Prädikate „liberal“ und „englisch“ so stark miteinander verbunden, das man sich lange das eine nicht ohne das andere denken kann. In ihrem Patriotismus geht es daher letztlich darum an diese goldene britische Epoche, die durch den Liberalismus verursacht wurde, nicht zum Zenit eines vergangenen Reiches zu machen, sondern das Empire noch einmal zu beleben. Dieser Aufruf, das Empire wieder zum Glanz zu führen, ist eine wesentliche Konstante ihrer Politik. Letztlich geht es ihr das Ideal eines gesunden und starken Königreichs – ein stolzes und freies Volk, eine leistungsfähige Wirtschaft und starke Familien.

Ihre Verdienste:
Die Lage des Königreichs vor ’79 war, fatal. Seit dem Zweiten Weltkrieg hatte sich ein gesellschaftlicher Konsens heraus gebildet. Im seinem Heimatland setzen sich die Ideen von Keynes wie fast nirgendwo sonst durch. Das bedeutende hohe Schulden und Inflation. Dazu kamen extrem starke Gewerkschaften, verstaatliche Industrien, Wohlfahrtsstaat, eine aggressive Lohnpolitik, Devisenzwang und hohe Steuern. Während den Sozialdemokraten als Paradies galt, warnten echte Liberale bereits früh vor England. Wilhelm Röpke, ein Vater der Sozialen Marktwirtschaft, sah Großbritannien als „abchreckene[s] Gegenbeispiel“2 an. Auch Erhard stellte die Soziale Marktwirtschaft mit dem hohen Wert der Geldstabilität dem interventionistisch und keynesianische Modell des Königreichs entgegen.
Thatcher wurde genau zu dem Zeitpunkt Parteivorsitzende und danach Premierministerin als das Scheitern des britischen Wegs klar war. Im „Winter of Discontent“ erreichten die Streiks ihren Höhepunkt: der Müll stapelte sich in den Straßen, Stromausfälle waren an der Tagesordnung und sogar die Totengräber verweigerten die Arbeit. Das einst stolze Empire war am Boden und nichts schien mehr an den alten Glanz eines weltumspannenden Reiches zu erinnern. Zu diesem Zeitpunkt kam Thatcher, die sich bewusst als Erneuerin alter Stärke profilierte und die Rückkehr zur alter Größe versprach.
Mit einer streng monetaristischen Politik ging sie gegen die hohe Inflation vor. Die Inflation die 1975 noch bei fast 25% gelegen hatte konnte bis 1983 auf 4,6% gesenkt werden.3 Dass die Kritiker behaupten diese Politik habe drei Millionen Arbeitslose produziert ist klar von der Hand zu weisen. Denn eine Anti-Inflations-Politik produziert nur vorübergehende Arbeitslosigkeit. Ist der Arbeitsmarkt frei und stabil werden die Arbeitlosen, nach der Phase der Gesundung wieder aufgenommen. Dass diese Phase Jahre dauern kann, war den Monetaristen klar. Dass die Durststrecke ein Ende hatte, zeigte sich einige Jahre später in einem Boom.
Letztlich waren die überzogenen Löhne und eine niedrige Produktivität daran Schuld. Selbst noch in der Spitze der Krise forderten die Gewerkschaften zweistellige Lohnerhöhungen.
Thatcher vermochte auch die öffentliche Verschuldung zu reduzieren. Betrug diese 1982 noch 49,3% BIP konnte sie bis zum Ende ihrer Arbeitszeit auf 37% gesenkt werden. Ein Umstand der sich vor allem auf Privatisierungen, Steuersenkungen und eine positive Wirtschaftspolitik zurückgeht.
Was Thatcher jedoch nicht gelang war die Staatsausgaben substantiell zurückzudrängen. Auch in ihrer Amtszeit stiegen die Regierungsausgaben. Was aber wuchs und wesentlich zum Schuldabbau beitrug war das BIP. Seit 1981 stieg das BIP durchschnittlich um „5% pro Jahr“4 oder als Summe: zwischen 1979/80 und 1989/90 stieg das BIP um 23%.5 Ihre Politik führte in den 80ern zum sogenannten „Lawson Boom“ und wirtschaftlicher Prosperität in den 90ern. Wie alle großen marktwirtschaftlichen Reformen dauerte es einige Jahre bis der Erfolg sichtbar wurde. Oft profitieren davon leider die Gegner (so resultierten die Überschüsse in der Zeit von Clinton aus der Wirtschaftspolitik von Reagan)
Ebenso rasant stieg das verfügbare Einkommen der Briten. Zwischen 1975 und 1990 erhöhte es sich von circa 80.000£ pro Haushalt auf 140.000£6 Dies geht vor allem auf die Steuerpolitik von Thatcher zurück. So betrug 1974 der Spitzensteuersatz noch sozialistische 83% und wurde ab einem Einkommen von 20.000£ (heute ca. 155.000) greifend. Einkommen aus Investitionen und Dividenden wurden einem Zuschlag von 15% versehen, sodass ein Steuersatz von 98% zu Stande kommen konnte. Thatcher, die in ihrer ersten Arbeitszeit die Mehrwertsteuer erhöhte, begann mit gigantischen Steuersenkungen. 1979 senkte sie den Spitzensteuersatz auf 60% und den Eingangssteuer von 33% auf 30. Zwischen 1986 und ’88 folgte eine weitere Reduktion von 29% auf 27% und am Ende auf 25%. Der Spitzensteuer wurde ebenfalls 1988 auf 40% reduziert.
Zudem vermochte Thatcher die Bürokratie abzubauen. Bis 1987 wurde die Zahl der Beamten um 22,5% reduziert.7 Zudem sorgte sie dafür, dass die Städte viele Aufgaben an private Firmen übertrugen, was zu einem „ 30 Milliarden Pfund schweren neuen Wirtschaftszweig [führte] und …. [dem] Steuerzahler Einsparungen von jährlich 20 Milliarden Pfund.“8
Ein weiterer großer Schritt waren die Privatisierungen, die vor allem im Bereich der Telekommunikation positive Effekte hervorriefen und die Produktivität merklich erhöhte.9 Sie folgte dabei der schon beschriebenen Idee des Volkskapitalismus – eine Vision, die sie leider nicht umsetzen konnte. Sie schaffte es jedoch die Aktionäre auf 9 Millionen (20% der Briten) zu verdreifachten, die durch die einsetzen Kursgewinne Gewinne machten, und die schon von Erhard vertretende Idee Sozialwohnungen10 an ihre Mieter zu verkaufen durchsetzen. Dadurch vermochte Thatcher es Millionen Briten Eigentum zu geben, anstatt sie noch weiter zu proletarisieren. Die Quote von Eigentümern von Häusern und Wohnungen stieg von 53% auf 71%. Die bisherigen Mieter bekamen „33 bis 50 Prozent Rabatt auf den Marktpreis.“11 Der Anteil der Mittelschicht kletterte von 33% auf 50%.12 Thatcher ist es zu verdanken, dass es heute „eine breite Mittelklasse statt einer antiquierten Klassengesellschaft gibt.“13
Das große Verdienst von Thatcher war es letztlich die alte Ordnung zu zerstören und wieder Marktwirtschaft einzuführen. Ohne sie wäre Großbritannien heute noch in einer Staflation. Sie hat das Königreich erneuert, modernisiert und auf einen wirtschaftlichen Kurs der Gesundung geführt. Sie hat den Weg für Prosperität geebnet

Vorwürfe:
Es sei darauf hingewiesen, dass es sich nicht um den ganzen Kanon der Kritik, sondern bloß um einige ausgewählte Vorwürfe handelt.

Bahn Privatisierung:
Oft hören wir den Vorwurf Thatcher sei Schuld am maroden Zustand der Eisenbahn. Durch die Privatisierung der British Rail habe sie dafür gesorgt, dass die Infrastruktur zerstört und viele Haltestellungen nicht mehr angefahren würden. Es reicht in Blick auf den Zeitpunkt der Privatisierung um ihn zu widerlegen. Die Privatisierung der British Rail, die in zwei Schritten vollzogen wurde, stand 1994 und 1997 statt, d.h. vier bzw. sieben Jahren nach Abtritt von Thatcher als Premierministerin. Darüber hinaus hat Thatcher selbst eine Privatisierung der Eisenbahn abgelehnt. Zudem muss bei aller Kritik auch auch positive Effekte hingewiesen werden, so sind die „Passagierzahlen … gestiegen und die Kosten gesunken.“14
Es ist auch hier wieder äußert notwendig sich die Frage zu stellen wie es letztlich zu dieser Situation der Eisenbahn kommen konnte. Denn das britische Eisenbahnwesen verfügte, wie andere Wirtschaftszweige, über eigene Spatengewerkschaften, d.h. nicht nur der Betrieb als ganzes, sondern jede Berufsgruppe innerhalb des Unternehmen hatte eine eigene Gewerkschaft. Dies führte logischerweise zu Lohnkonkurrenz zwischen den Gewerkschaften und trieb die Löhne hoch. Dadurch wurde Bahn und die Industrie zerstört. Zudem war das Problem nicht die Privatisierung sondern, die Monopolstellung.

Zerstörerin der Gewerkschaften:
Es ist richtig, dass Thatcher die Gewerkschaften geschwächt hat. Diese Politik war jedoch richtig! Denn das Königreich war fast schon in einem undemokratischen Korporatismus angekommen, in dem die frei gewählte Regierung wenig vermochte. Es muss auch darauf hingewiesen werden die Gewerkschaften damals vorgingen. Nicht Gewerkschaftsmitglieder wurden diskriminiert, Streikbrechte gemieden, Gewalt war an der Tagesordnung und die Wahlen der Funktionäre waren auch nicht frei. Zudem muss speziell bei den Bergarbeitern auf ihren Anführer Arthur Scargill hingewiesen werden, der nicht nicht nur ein Anhänger Stalins ist, sondern auch die sozialistische Revolution gefordert hat.
Man kann also sagen, dass Thatcher die Gewerkschaften von ihrer ungerechtfertigen Machtposition, ihrer gefährlichen Monopolstellung wie Röpke es ausdrückt, vertrieben hat.
Kriegstreiberin:
Besonders Linke haben Thatcher 1982 Kriegstreiberei und Hurra Patriotismus vorgeworfen. Dabei vergessen sie wer den Krieg begann: das autoritäre Argentinien, dass durch Hurra Patriotismus von der eigenen Diktatur ablenken wollte. Indem Thatcher sich diesem Angriffskrieg widersetze und die Falklandinseln zurückeroberte, bezwang sie letztlich das Regime, dass durch die Niederlage jedes Ansehen verlor. Thatcher als Kriegstreiberin zu bezeichnen ist so, als würde man behaupten Präsident Roosevelt sei ein Kriegstreiber. Zudem muss bemerkt werden, das Thatcher von 1982 sogar noch Schiffe von den Falklandinseln abzog, da die Regierung das Invasionsrisiko gering schätze.
(Für eine detaillierte Stellungnahme zu den Falklandinsel siehe: „Über das Referendum der Falkländer“)

Zerstörerin der Industrie:
Besonders hart ist Lady Thatcher vorgeworfen wurden sie habe die britische Industrie zu Grunde gerichtet und damit eine reine Dienstleistungen- und Finanzwirtschaft geschaffen. Abgesehen vom dem Fakt, dass Industrie für Wohlstand nicht zwingend nötig sind, muss auch hier wieder gefragt werden, was die eigentliche Ursache war. Die Ursache waren die Gewerkschaften und der Staat. Die Spatengewerkschaften trieben die Löhne und blockierten mit ihren Streiks die Arbeit. Zu Beginn ihrer Arbeitszeit kamen auf 1000 Beschäftige 1274 verlorene Arbeitstage durch Streiks. Gepaart mit der Verstaatlichung der Schlüsselindustrien, was zu Bürokratisierung, Vermachtung und Unrentabilität führte, Inflation und hohen Steuern besiegelten die Gewerkschaften das Ende das britische Industrie. Schon bevor sie ins Amt kam war die Industrie de facto tot. Thatcher vermochte es noch das Königreich davor zu retten in eine Jahrzehnte dauernde Rezession zu rutschen. Hätte man freilich die Industrie retten wollen, hätte man eine Politik betreiben müssen, die die Löhne senkt und die Produktivität erhöht – aber genau dieses Rezept lehnen die werten Gegner der eisernen Lady strikt ab.

Gegnerin der Einheit:
Es ist wahr, dass Thatcher eine Kritierin der deutschen Einheit war. Aber nicht aus nationalistischen Deutschenhass, sondern aus der Angst vor einem Ende des Gleichgewichts in Europa, denn nun würde es „plötzlich einen Staat geben, der größer und wirtschaftlich mächtiger ist.“15Thatcher fürchtete, dass mit der Wiedervereinigung eine neue Regionalmacht Deutschland entstehen könnte, die die bisherige europäische Nachkriegsordnung aus der Bahn werfen könne. Für Deutsche mag diese Angst Paranoid klingen, aber für eine Nation, die zwei Weltkriege gegen Deutschland geführt hatte und im zweiten fast eine Invasion – die erste seit 1054 – erlitten hatte verständlich.
Thatcher war also gegen die Einheit weil sie fürchtete ein neues mächtigen Deutschland würde die Bildfläche betreten und das Gleichgewicht zerstören und zu neuen Spannungen führen. Eine Sorge, die sich als unberechtigt erwiesen hat. Anlass für den heutigen Streit bietet gerade nicht die hegemoniale Stärkte Deutschlands, sondern die Konstruktionsfehler des Euro.

Nordirland Politik:
Prägend war Thatcher auch für den von Konflikten zerrütteten britischen Teil Irlands. Seit 1969 beherrschte eine neue Wellte der Gewalt Nordirland. Thatcher zeigte auch hier Härte: sie verweigerte für die inhaftierte IRA Mitglieder den Status als politische Gefangene und begründete diesen Schritt, damit dass Gewalt nicht politisch, sondern ein Verbrechen sei. Die Republikaner Irlands rechneten diese Politik Thatcher nicht natürlich auch – ebenso wie die Unterstützender im Ausland. Dabei wird vergessen was politische Gefangene sind, nämlich,wie das Wort schon sagt, Gefangene die auf Grund ihrer politischen Einstellung inhaftiert wurden. Trifft das für die IRA Häftlingen zu? Natürlich nicht. Denn sie wurden nicht verurteilt weil sie Republikaner waren, sondern weil sie britische Bürger töteten. Zwar ist Politik der Grund für diese Straftaten gewesen, aber das macht keinen politischen Gefangenen.

Schuld an Finanzkrise:
Es ist des öfteren die These geäußert worden, dass Thatcher und Reagan durch ihre Deregulierung die aktuelle Krise ausgelöst hätten. Diesem Gedanken sei mein Artikel über die Krise und ihre Gründe entgehen zu halten: „Der Grund für die Krise.“

Kopfsteuer“
Eine Maßnahme von Thatcher trug wesentlich zu ihrem Fall bei, die als „Poll Tax“ (Kopfsteuer) karikierte Community Charge, die die kommunalen Steuern reformierten solle. Das bisherige System (Rating System) machte die zuzahlenden Steuern am Wert des Hauses fest. Jedoch gab es viele Ausnahmen, sodass nur wenige Bürger diese Steuer überhaupt zahlen. In Schottland, wo die Poll Tax zuerst probeweise eingeführt wurde zahlte nur ein von sieben Schotten die Steuern nach dem Rating System.16
Das liberale Adam Smith Institute entwickelte eine Alternative, die vorsah die Idee sah vor, das „Rate System“ abzuschaffen und durch eine Pauschale pro Person über 18 zu ersetzen. Menschen mit niedrigen Einkommen sollten staatliche Zuschüsse erhalten. Diese Steuer gleicht der Personalsteuer in der Schweiz, wo Bürger pro Kopf einen fixen Betrag als Steuer an die Gemeinde zahlen.
Das System scheint für einige auf den ersten Blick hart und ungerecht, bei genauerem Hinsehen ist der Blick ein anderer. Denn schauen wir nach Deutschland stellen wir fest, dass sich z.B. die Müllgebühren auch pauschal anfallen und sich nach der Anzahl der Personen richten. Niemand wird hierin eine große Ungerechtigkeit sehen, da ja auch mehr Müll anfällt.
Es ist auch nicht verständlich warum z.B. zwei Personen mit einem Haus das 200.000€ wert ist, mehr bezahlen als eine Familie mit vier Personen und einer Wohnung die 100.000€ wert ist. Aber genau so verfuhr das Rating System. Man mag vielleicht einwerfen eine Kopfsteuer sei ungerecht, aber die Community Charge hatte auch keine Chance zur Entwicklung. Sie wurde von verschiedenen Parteien karikiert und für den eigen Stimmgewinn missbraucht.

Milchdiebin:
Schon vor 1979 musste Thatcher immer wieder Angriffe erleben. Als Erziehungsministerin schaffte sie die kostenlose Milch an Schulen über Kinder über Sieben ab. Dafür wurde Thatcher als „Milchdiebin“ (Milk Snatcher) beschimpft. Auch muss wieder ein wenig Korrektur statt finden. Denn zunächst einmal gibt es nichts „kostenlos.“ Alles muss bezahlt werden (Siehe meinen Artikel: „Die Vierte Dimension. Zum Grundproblem der Wirtschaft) Zweitens muss bedacht werden, dass Thatcher durch aus bereit war die Milch für arme Kinder zu bezahlen, aber warum soll Milch für reiche Kinder vom Staat übernommen werden? Es ging um Subsidiarität.

Erbe:
Das Problem Großbritanniens ist ein Mangel an Thatcherismus. Ihr großes Ziel – der Volkskapitalismus – ist mit Nichten verwirklicht. Die große Aufgabe der deutschen Politik ist die Wiederherstellung der Sozialen Marktwirtschaft, die große der britischen eine konsequente Umsetzung der Ideen Thatchers.
In Hinblick auf das Königreich muss jedoch bedauerlicherweise feststellen, dass ihr Erbe wohl nicht weitergeführt wird. Die Tories werden sich eher von ihr abwenden, als zu ihr hin. Dabei wäre es heute gerade wieder die richtige Zeit für mehr Thatcherismus. Der Spruch der Stunde im Königreich muss daher lauten: „Mehr Thatcherismus wagen!“ Wenn Thatchers Politik richtig verstanden wird, nämlich als liberale Korrektur der disraelischen Idee einer Nation ohne restfeudalistische Überreste der Klassengesellschaft, wird man verstehen dass nur der thatcheristische Volkskapitalismus dies möglich machen kann. Man kann nur hoffen, das in der Zukunft der Geist dieser großen Frau eine Wiederkehr findet und dass ihr Traum eines Tages verwirklicht werden möge.

1 Milton Friedman – SPIEGEL Gespräch Das ganze Sozialsystem ist falsch (SPIEGEL 3/ 1982)
2 Wilhelm Röpke – Jenseits von Angebot und Nachfrage, S. 239
5 Lawson, Nigel (1992). The View from No. 11: Memoirs of a Tory Radical, S. 301
9 Parker, David; Martin, Stephen (May 1995). „The impact of UK privatisation on labour and total factor productivity“. Scottish Journal of Political Economy 42 (2): 216–217.
10 Ludwig Erhard – Wohlstand für Alle, S. 407
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2 Antworten zu Nachruf auf Margaret Thatcher

  1. miriamwurm schreibt:

    Wow, ich hab vor kurzen auch über Thatcher geschrieben (www.allerweltsgeschichten.wordpress.com) mir aber zur Aufgabe gemacht, dass alle noch so logisch erscheinenden Begriffe und Fachtermini erklärt werden, damit wirklich jeder verstehen kann um was es geht. Für mich persönlich ist dein Artikel sehr spannend, wenn auch vll. etwas zu gefärbt, aber super detailliert und echt aufschlussreich! Vielen Dank für die Infos!
    Liebe Grüße

    Miriam

    • christscha schreibt:

      Danke für deinen Kommentar.
      Es ist wirklich ein Problem, dass man teilweise Begriffe die man für einfach hält nicht erklärt. Das zu erklären ist leider meist schwerer, als das eigentliche Thema 🙂 In vielen Beiträgen versuche ich es aber trotzdem.

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