Gegen die Frauenquote

Deutschland diskutiert wieder einmal über die Frauenquote. Anlass der Debatte ist der CDU interne Streit über diesen Gegenstand. Nach bisherigem Stand Haltung soll es bei der „Flexi Quote“, ein Kind von Familienministerin Schröder (CDU), bleiben. Inhalt des Konzepts ist eine Frauenquote von 30% ab 2020.

Was ist die Frauenquote?

Als Frauenquote bezeichnet man die gesetzliche Vorgabe an Unternehmen mindestens einen gewissen Prozentsatz an Frauen in den Führungsetagen zu beschäftigen. Da es sich um einen Mindestsatz handelt, kann es auch mehr Frauen in den entsprechenden Positionen geben. Bei einer Frauenquote von circa 30% könnte es also auch 50% Frauen geben.

Kritik:

Die Frauenquote ist natürlich wie fast alles umstritten. Vor allem die Konservativen in der CDU begehren auf – zu Recht, denn an der Quote gibt es vieles zu kritisieren. Vor allem ihre Widersprüchlichkeit, denn ihr Ziel ist weniger Sexismus, aber sie ist der Inbegriff einer sexistischen Politik. Sexistisch ist das Geschlecht, nicht Leistung und Eignung, zum Gegenstand der Bewertung zu nehmen. Aber genau das tut die Frauenquote. Frauen werden, nur weil sie Frauen sind, diskriminiert. Sie werden zwar positiv diskriminiert (also bevorteilt), aber darin kann ja kein Vorteil liegen, vor allem da Männer negativ diskriminiert (also benachteiligt) werden. Die Frauenquote erweist sich zudem als besonders sexistisch, da es ja 100% Frauen geben kann, da die Quote nur einen Mindestsatz reguliert. Wenn man argumentiert es gäbe zu wenig Frauen in einem bestimmten Bereich, kann man sich schlecht auf Geschlechtergerechtigkeit berufen und gleichzeitig für Gesetze seien, die einen anderen geschlechterungerechten Zustand, nämlich 100% Frauen, billigt und sogar noch fördert. Aber es wäre hier auch falsch Paritäten zu haben. Es wäre auch verwerflich festzuschreiben, dass überall 50% Männer 50% Frauen arbeiten sollen, denn das ist gar nicht das Ziel. Wer glaubt mit bestimmten Prozentsätzen Gerechtigkeit zu erreichen, verkennt das Ziel der ganzen Sache. Denn es geht ja nicht um Paritäten oder Quoten, sondern um Chancen. Emancipare meint nicht die gesetzliche Regulierung, sondern das Aus der Hand gegen des Sklaven, also Freiheit statt Regulierung durch andere. Frauenrechte meint das Recht der Frau jeden Posten erreichen zu können, soweit ihre Qualifikation dafür ausreicht. Die Frauenemanzipation muss meritokratisch1 sein. Wenn wir also sagen wir wollen das Geschlecht nicht zum Kriterium machen, dann müssen wir zugeben, dass Chancengleichheit und Vergabe nach Leistung das Ziel sind, nicht Quoten oder Paritäten. Vor allem weil die Welt so nicht ist. Die Menschheit teilt sich zahlenmäßig auch nicht in 50% Männer und 50% Frauen. Pointiert formuliert: wir gehen ja auch nicht hin und ermorden die „zu Vielen“ damit wir eine Parität haben. Anders gesagt: das Problem ist nicht das dort 10% Frauen oder dort nur 5% sind, sondern die Frage ist warum dort x% sind. Ist es Resultat von z.B. sexistischen Gesetzen oder auf Grund der freien Entscheidung und des Wettbewerbs? Das heißt wenn in einer Branche 20% Frauen sind, aber dies auf freier Wahl und ehrlicher Präferenz beruht, ist darin nichts verwerflich oder der Gesetzgebung bedürftig. Vor allem da die Frauen von den Diskriminierten zu den Quotenfrauen werden. Ob das wünschenswert ist, sei dahin gestellt.-

In unserer Gesellschaft wird ein Wert leider nur sehr niedrig geschätzt, nämlich die Marktwirtschaft, die auf den Säulen des Eigentumsrecht und der Wirtschaftsfreiheit gebaut ist. Die Frauenquote muss freilich in einer größeren Perspektive gesehen werden, nämlich als Teil eines Prozesses der Aushöhlung unserer Marktwirtschaft, als ein weiterer Eingriff in unsere vom Staat geschundene Wirtschaft.

Wie kann es mit Wirtschaftsfreiheit vereinbar sein, gesellen wir den tausenden Regulierungen eine weitere zu? Ist es von der Marktwirtschaft von Nutzen wenn wir dem Unternehmer noch mehr die Hände binden und im Zweifels Falle dazu zwingen eine schlechter qualifizierte Person auf den Posten zu berufen? Ist denn der Kollektivismus schon so tief in uns eingedrungen? Ich bin der Überzeugung, dass es nicht die Aufgabe des Gesetzgebers ist die Personalentscheidung für die Unternehmer zu treffen.

Wie in vielen politischen Debatten geht es bei der Frauenquote auch um eine Vision der Gesellschaft. Die Vision der Quoten ist jedoch alles andere als eine Utopie, sie ist ein Paradebeispiel für Dystopie. Die Quotengesellschaft findet ihre Existenz darin in der immerwährenden Stagnation, in der Konzentration im Kampf der Gruppen, statt im Produktiven miteinander. Heute schon ringen die Gruppen – Frauen, Migranten usw. – um ihre Quoten. Wie sähe eine Gesellschaft aus, die sich ständig damit beschäftigen würde Quoten sicher zu stellen? Wenn es gerecht ist Frauen eine Quote zu geben, warum dann nicht auch Migranten, Homosexuellen, Katholiken, Vegetariern, Kleinwüchsigen oder Brillenträgern? Das ist die Gesellschaft der Opfer, sie sich immer während beklagen und in deren Vokabular der Satz „Ich bin schuld“ so fremd ist, wie der Begriff des anderen. Hierin zeigt sich auch, dass die Gegner der Frauenquote alles andere als frauenfeindlich sind. Denn sie sehen nicht die Defizite, sie sehen in der Frau nicht ein hilfsbedürftiges Opfer (dieses Bild ist gerade die Inkarnation der Frauenfeindlichkeit), sondern eine Person mit Potenzial es selbst zu tun, einer Person die man aus der Hand geben kann. Man muss hier den von Ludwig Erhard propagierten Begriff der „formierten Gesellschaft“ wieder betonen, also einer Gesellschaft die formiert zusammen steht, anstatt sich in Grabenkämpfen der Gruppen zu spalten; einer Gesellschaft die im tiefen Widerspruch zum Gruppenegoismus steht. Das Ziel ist doch eine spontane lebenswerte Welt, die ihre Beschäftigung nicht im Starren auf Quoten und Paritäten verlebt, sondern die uns beschiedene Zeit nutzt. Das ist die Frage die sich mit der Frauenquote stellt

1 Meritokratie = Herrschaft der Leistung (lat. Meritum = Verdienst; griech. κρατεῖν, kratein herrschen)

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