Bilderverbot und Ikonen

All jenen Christen, die Bilder in ihren Kirchen verwenden (u.a. Katholiken, Orthodoxe, Lutheraner) wird vorgeworfen, sie setzen sich über die Zehn Gebote hinweg, wo doch die Abbildungen Gottes und von Kreaturen verboten wird. Letztlich seien diese Gruppen Götzerdiener und keine Christen mehr, sondern Heiden.

Hierauf muss natürlich geantwortet werden. Zum einen einmal mit einer Klarstellung. Bilder und Ikonen werden nicht angebetet. Weder die Bilder der Heiligen, noch die Christi. Das heißt sogar die Bilder Christi – der als Gottmensch Anbetung verdient – werden nicht angebetet, sondern verehrt. Darüber hinaus gilt die Verehrung nicht der Ikone als solcher, sondern der darauf abgebildeten Person. Ikonen sind daher eine Art „Fenster zum Himmel.“ Wir erfassen die Taten Christi nicht nur mit unserem Geist, sondern auch mit unseren Augen, mit unserem Körper. Wir erfassen Christi besser, wir visualisieren sein Tun. Zudem müssen wir, das hat der hl. Johannes von Damaskus betont, auch uns klar darüber sein, dass der sichtbare Gott Mensch geworden ist. Jesus Christus ist wirklich Fleisch, d.h. sichtbar, geworden. In seiner Inkarnation hat Gott sich sichtbar und zu einem Bild gemacht.

Nun zum biblischen Text. Dort heißt es: „Du sollst dir kein Gottesbildnis machen, das irgendetwas darstellt am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.“ (Deut. 5:8) Ist damit die Bilderverehrung verschlagen als heidnisch? Das ist nicht der Fall, wenn wir nämlich uns nämlich die Bundeslade, d.h. jenes Gefäß indem die Platten mit den 10 Geboten transportiert wurden, genauer ansehen. In Exodus 25:18f lesen wir nämlich: „Mach zwei Kerubim aus getriebenem Gold und arbeite sie an den beiden Enden der Deckplatte heraus! Mach je einen Kerub an dem einen und dem andern Ende; auf der Deckplatte macht die Kerubim an den beiden Enden!“ Gott selbst gebietet also den Israeliten Kerubim (also Engel) für die Bundeslade zu fertigen. Widerspricht Gott sich nicht selbst? Hat der nicht ein Bilderverbot erlassen? Wenn wir uns noch einige andere biblischen Stellen ansehen wird unsere Position deutlicher. So wird in 1.Kön. 7:29 der Tempel beschrieben. Dort heißt es: „Auf den Querleisten zwischen den Eckleisten waren Bilder von Löwen, Rindern und Kerubim, und ebenso auf den Eckleisten. Über den Löwen und Rindern sowie unter ihnen waren Kranzgewinde eingehämmert.“ Im gleichen Buch lesen wir in Kapitel 8 Verse 6 und 7: „Darauf stellten die Priester die Bundeslade des Herrn an ihren Platz, in die Gotteswohnung des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Kerubim. Denn die Kerubim breiteten ihre Flügel über den Ort, wo die Lade stand, und bedeckten sie und ihre Stangen von oben her.“

Um die Frage noch einmal zu wiederholen: hat Gott denn nicht das Bilderverbot erlassen? Wie kann es dann sein, dass er die Verzierung der Bundeslade mit Engels fordern, und dass der hl. Tempel mit Bildern von Tieren geschmückt ist? Wie kann das sein? Die Antwort ist simpel: weil die Bibel Bilder nicht verbietet, sondern Götzen, eben ein „Gottesbildnis.“ Gott verbietet es die Bilder als Götzen anzubeten, aber nicht Ikonenverehrung. Oder kurz: Gott verbietet Götzen, aber keine Ikonen.

 

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