Ist Keuschheit möglich?

Siehe auch: „Keuschheit – Betrachtungen einer verkannten Tugend.“

Wenn wir uns den „Kanon der Kritik“ an der Katholischen Kirche ansehen, so sind die „Topthemen“ klar. Vor allem aber ragt die Sexualmoral wie ein Gipfel aus der Masse der Kritik hervor; sie wird kritisiert wie kaum ein Teil der christlichen Lehre überhaupt. Die Sexualmoral gehört auch zu jenen „Kreischthemen“, in der sich die Stimme schnell erhebt und die Aussagen unsachlich werden. Ein Punkt, wenn nicht der Hauptpunkt, der Kritik ist, dass die Sexualmoral realitätsfern sei. Man könne doch gar nicht keusch leben.

1. Wir sind Sünder
Dieser Vorwurf entspricht aber nicht den Tatsachen, denn die Kirche ist sich ja im Klaren über die Probleme die die Keuschheit, bzw. ein christliches Leben im Allgemeinen mit sich bringt. Dass der Mensch ein Sünder ist, ist der Kirche nicht unbekannt, sondern unter dem Begriff „Erbsünde“ ein Dogma. Wir brauchen nur in die Geschichte zu schauen um das festzustellen: Petrus verleugnete Jesus, Paulus verfolgte die Christen, und Noah verweigerte sich Gott.
Allgemein müssen wir jedoch festhalten, dass der Umstand, dass wir einem Ideal nicht immer entsprechen, nicht heißen kann, dass das Ideal falsch ist. Wir halten nämlich auch die Demokratie für ein gutes Ideal, obwohl sie oft genug in der Praxis vom Ideal abweicht: korrupte Politiker, populistische Demagogen und der Primat der Demoskopie. Es sagt doch niemand, man müsse die Demokratie abschaffen. Im Gegenteil: wir fordern sogar noch härter die Umsetzung der Demokratie. Das Scheitern ist uns Ansporn. Der historische Umstand, dass die erste deutsche Republik gescheitert ist, ist uns doch nicht Anlass zum Abfall von der Demokratie geworden, sondern Aufforderung es besser zu machen.
Genauso ist es im Christentum. Jeder Abfall ist Anlass für einen neuen Versuch. Die Verleugnung Christi war für Petrus Anlass den Herrn später um so mehr zu bekennen, ja sogar bis an Kreuz. Paulus, der Christenverfolgung, wandelte sich so sehr, dass er sich in die Reihe der Verfolgten eingegliederte.
Allgemeiner gesagt: Christus ist ja nicht zu den Gerechten gekommen, sondern zu den Ungerechten. Der Herr selbst hat dies ja deutlich offenbart: „Ich bin gekommen, um die Sünder zur Umkehr zu rufen, nicht die Gerechten.“ (Lk. 5:32) Er ist für uns Sünder am Kreuz gestorben. Darum hat er auch das Bußsakrament eingeführt, denn wenn die Kirche uns ermutigt oft zu beichten, dann doch nur, weil wir immer wieder schuldig werden. So sehr wir natürlich die Sünde – jeder Art, wir dürfen nicht nur über die sexuellen Sünden reden – ablehnen müssen, so muss uns doch immer klar sein, dass wir in Jesus Christus Vergebung erlangen können.

2. Ist Christsein möglich?
Was an der ganzen Sexualmoral Debatte interessant ist, ist vor allem, dass die Sexualthemen privilegiert behandelt werden. Man nimmt die Sexuallehre heraus und wendet auf sie Prinzipien an, die man nirgendwo sonst gelten lassen würde. Die Gegner der Keuschheit würden auch einem notorischen Lügner nicht zustimmen, wenn dieser meint Wahrhaftigkeit sei unmöglich und eigentlich gar keine Tugend. Man kann doch auch einem Menschenfresser nicht sagen, nur weil sein Gefühl gut sei, dürfe er so leben, und weil ein Ernährungswechsel schwer ist, müsse er ein Menschenfresser bleiben.
Das große Problem der Fragenden ist jedoch die Unkenntnis. In vielen Fällen ist nämlich das mangelnde Unwissenheit über die Keuschheit Ursache dieser Fragen. Man meint Keuschheit sei eine Art Gefängnis, und fragen sich wie man in der Zelle erträglich leben könne. Wer aber versteht, dass Keuschheit Freiheit ist, wird auch nicht fragen ob sie möglich ist, sondern er wird sie einfordern. Er wird in Keuschheit nicht primär Verzicht, sondern ein Privileg sehen.

Um noch einmal die Grundfrage zu beantworten: wir können nicht keusch leben. Der natürliche Mensch ist dazu nicht unfähig. Nach Betrachtung seiner natürlichen Anlagen und Fähigkeiten neigt der Mensch zur Unkeuschheit. Aber, und das ist das wichtige christliche aber, in Jesus Christus können wir! Es war nicht der galiläische Fischer Simon, der zum Kreuz im Rom ging, sondern der Jünger und Apostel Jesu Christi Petrus, der in der Lage war für seinen Herrn zu sterben. Wir vermögen nichts, aber Christus vermag alles. Ohne ihn können wir gar nichts, aber mit ihm können wir alles, ja sogar „noch größeres vollbringen“ (Joh. 14:12) als er, denn er wirkt in uns, er ist es der „Wollen und das Vollbringen bewirkt“ (Phil.2:13).
Das Christsein allgemein ist schwer; wir können nichts tun. Aber in ihm können wir es schaffen, denn er fordert niemals das unmögliche. Wenn wir an Geboten scheitern oder brechen, dann nur um uns zu zeigen, dass wir auf uns allein gestellt scheitern. Das Scheitern des Sünder ist nur umso mehr Aufruf, sich an Christus zu wenden. Unsere Last ist schwer, aber seine „Last ist leicht“ (Mt. 11:30). Unsere Last wird leicht werden, wenn wir auf Jesus vertrauen. Darum geht es im Christentum: gib dich Christus voll hin und alles andere wird dir geschenkt in ihm und mit ihm.

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