Elend eines Abzugs

Die beiden wesentlichen Verpflichtungen eines Befehlshabers gegen seine Soldaten sind: 1. die Verluste so klein zu halten, wie nur möglich und 2. dafür zu sorgen, dass kein Gefallener umsonst gestorben ist.
Es ist schrecklich genug überhaupt getötete Soldaten zu haben, aber noch schrecklicher ist es, wenn sie umsonst gestorben sind. Wofür sind sie gefallen? Wofür wurden aus Ehefrauen Witwen, aus Kindern Waisen?
Nach dem militärischen Sieg muss daher eine Führung alles daran setzen, dass nicht umsonst gekämpft wurde, sodass nicht, nach ein paar Jahren, die Situation wieder eintritt, gegen die man gekämpft hatte.

Im Irak sind fast 4.500 amerikanische Soldaten gestorben.1 Damals noch Senator Barack Obama hatte versprochen den Krieg zu beenden, damit nicht GI’s in Übersee sterben müssen. 2011 hat die Administration schließlich die Truppen abgezogen; laut dem Oberbefehlshaber hinterließ man einen „souveränen, stabilen und selbstständigen Irak.“2
Jetzt drei Jahre später gilt für den Irak nichts von den drei. Schiiten und Sunniten hassen und ermorden sich immer noch, und die islamischen „Aufständischen“ – wie man sie zu nennen pflegt – sind nicht etwa mit dem Abzug der Amerikaner verschwunden, wie uns die Gegner des Krieges immer versichert haben, denn die „Rebellen“ gäbe es nur, weil der Westen ihre Länder besetze. Zögen wir ab, würden sie auch aufhören zu morden.
Jetzt erleben wir wie islamische Terroristen, genauer sagt die Organisation Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIL oder ISIS), in großen Teilen des Zweistromlands die Macht übernehmen. Die ISIL war lange Teil von Al-Qaida bis man sich 2013 lossagte, nicht etwa weil man an der Demokratie im Irak partizipieren wollte, sondern weil man dem Al-Qaida Chef Aiman al-Zawahiri vorwarf die „Grundsätze des Jihad“ zu missachten3 und zu „pragmatisch“4 zu sein, da man auch mit Ungläubigen kooperiere. Sogar Al-Qaida ist dieser Gruppe, die dafür bekannt ist ihren Opfern die Köpfe abzuschneiden, zu weich.5 Die Spitze von Al-Qaida hatte die ISIL sogar für besondere Brutalität gegen Zivilisten gerügt.6

Bereits mehrere Provinzen im Norden des Irak, ua. Anbar sind in den Händen der Islamisten. Auch die, in al-Anbar liegende, Stadt Falludscha, für die, in zwei Schlachten, über 100 GI’s ihr Leben ließen, ist in den Händen der Islamisten, die dort bereits ihren Gottesstaat ausgerufen haben.
Jetzt ist auch noch Mossul im Gouvernement Ninwana gefallen. Der irakische Präsident Maliki „forderte das Parlament nun auf, den Ausnahmezustand über Mossul zu verhängen.“7 Die Islamisten freilich gehen schon weiter und wollen nun die „Nachbarprovinz Salaheddin ‚einfallen‘.“8

So wie es scheint droht ein erneuter Krieg. Das tief gespaltete Land (Schiiten, Sunniten, Kurden) schlittert auf einen Bürgerkrieg zu, der viele Opfer fordern wird. Darüber hinaus ist ein weiterer Aspekt zu betonen, nämlich, dass die ISIL auch in Syrien operiert. Damit, so sieht es aus, weitet sich der syrische Bürgerkrieg auf den Irak aus, was ja ganz der Zielsetzung der ISIL entspricht, will man doch den Irak und die Levante. Von besonderer Relevanz ist hier auch, dass das Nachbarland Iran bereits in Syrien aktiv ist, freilich auf Seiten des Assad Regimes. Folglich hat der Iran der irakischen Regierung Unterstützung angeboten.9
Damit droht um so mehr ein Syrien Szenario. Die Idee einer Stabilität wäre damit zur Lachnummer verkommen, noch schlimmer wären die tausenden Toten, die dieser Krieg fordern würde. In Syrien sind schon circa 100.000 Menschen gestorben.
Die Reaktion der Obama Regierung auf das ganze wird wie üblich sein: schweigen, ableugnen und die Kritiker beschuldigen. Während im Irak die Islamisten mehr und mehr an Boden gewinnen und die Kämpfe sich aufheizen, planen die NATO-Staaten gerade in Afghanistan den Abzug und versichern uns, dass wir einen „verantwortungsvollen Abzug“ erleben werden, der die Souveränität, Stabilität und Selbstständigkeit Afghanistans sichert …

 

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