Naturrecht und Naturbegriff

In der philosophischen Debatte um das Naturrecht scheinen nicht wenige Gegner einer falschen Interpretation von »Natur« zu folgen. In diesem Kontext hört man nicht selten, dass das Naturrecht deshalb falsch sei, weil es in der Natur keine Rechte gäbe, sondern bloß Kampf und natürliche Selektion. Natur, so hört man oft, kümmert sich nicht um z.B. das Recht auf Leben; das Baby-Tier wird einfach gefressen.

Das Problem dieses Argumentes ist, dass verkannt wird, dass wenn man von „Natur“ spricht, man nicht die Natur als solche meint, sondern die menschliche Natur. Wenn man dagegen z.B sagt, dass die Natur grausam sei (was sie ist und kein Naturrechtler leugnet), dann meint hier „Natur“ etwas ganz anderes, als wenn man eben davon spricht, dass der Mensch „von Natur aus“ bestimmte Rechte habe. Damit ist nicht gemeint, dass die Natur, quasi als Subjekt, dem Menschen Rechte gibt.

Natur im letzteren Sinne ist als Gegenteil von verliehenen Rechten zu sehen, denn das ist ja die zentrale These, dass z.B das Recht auf Leben nicht deshalb besteht, weil eine Verfassung es so proklamiert. Das, in Artikel 2 des Grundgesetzes niedergeschriebene, Recht auf Leben wurde, in den Augen der Naturrechtler, nicht durch das Grundgesetz geschaffen oder festgelegt, sondern bloß ‚juristisch‘ anerkannt.

Wenn davon die Rede ist, dass der Mensch bestimmte Rechte von „Natur aus“ hat, dann ist das als Abgrenzung zur Künstlichkeit zu sehen. Der Mensch hat demnach bestimmte Rechte und eine Würde Kraft seiner Natur als Mensch. Anders formuliert: der Mensch hat diese Rechte, weil er Mensch ist; sie sind eben nicht verliehen (also künstlich), sondern unabhängig davon vorhanden (also, da nicht künstlich, in diesem Sinne natürlich).

Das, von Gegnern des Naturrechts gemachte, Argument basiert also auf einem Missverständnis über Verwendung des Begriffes „Natur“ durch die Naturrechtler – ein Missverständnis, das man schnell aus dem Weg räumen kann.

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